Stadtteilname: Borbeck - Mitte

Namenserklärung:

Aus der ersten vorhandenen Namensfassung "Borthbeki" lässt sich ableiten ein "Bach, der durch eine Börde, ein reiches Zinsgebiet fließt". Der Zusatz "-Mitte" berücksichtigt die zentrale historische wie aktuelle Bedeutung dieses Kerngebietes eines größeren Borbeck, zu dem sich verschiedene Stadtteile der Umgebung rechnen.

Erstmals urkundlich erwähnt:

Im Jahre 869 erstmalig in einer Brauamtsheberolle für den Oberhof Borthbeki erwähnt. Gehört zu Essen seit: Die ursprüngliche preußische Landgemeinde Borbeck trat im Jahr 1862 2/3 seiner Fläche (1.827 ha) an die Stadt Oberhausen ab. Der verbliebene Teil wurde am 1. April 1915 von der Kreisstadt Essen eingemeindet.

Geschichte und Strukturwandel:

Bei der Eingemeindung 1915 war das heutige Borbeck-Mitte Zentrum der bis dahin selbständigen Bürgermeisterei. Zu ihr gehörten Bedingrade, Bochold, Dellwig, Frintrop, Gerschede und Schönebeck. Als 1808 in der "Franzosenzeit" die "Munizipalität" (spätere Bürgermeisterei) Borbeck gegründet worden war, war sie noch um einiges größer gewesen, doch fielen die Bauerschaften Lippern und Lirich 1861 an das neu gegründete Oberhausen, und 1874 wurden Altendorf, Frohnhausen und Holsterhausen zu einer selbständigen "Bürgermeisterei Altendorf" ausgegliedert. Auch in den Jahrhunderten vor Napoleon und der großen Reichsreform, also in der Zeit des Stiftes Essen, war die Bindung des "Borbecker Quartiers" an die hier wirkenden Regentinnen stets sehr eng. Hof Borbeck war einer der Oberhöfe in den stiftischen Landen. Er wurde Keimzelle eines befestigten Rittersitzes, den 1227 Äbtissin Adelheid übernahm. Von da an bis zur Säkularisation (1803) war Schloß Borbeck, dessen heutige Gestalt ein Werk des 18. Jahrhunderts ist, die bevorzugte Residenz der Äbtissinnen. 1836 erwarb Freiherr Clemens von Fürstenberg das Schloss, und aus seiner Familie ging es 1941 an die Stadt Essen zur öffentlichen Nutzung. Im 19. Jahrhundert rückte der Bergbau auch auf Borbecks Mitte zu, woran hier heute noch die Namen Levin- und Schacht-Neu-Cöln-Sraße erinnern. Mit Schließung der letzten Zeche im Borbecker Raum (1966) wandelte sich der Stadtteil endgültig zu einem von Gewerbe und Dienstleistungen geprägten Mittelzentrum. Es lässt sich hier auch gut wohnen, wobei die im Laufe der ersten Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts errichteten arbeitsnahen Industriesiedlungen durchaus noch eine Rolle spielen.

Stadtteilporträt:

Borbeck bietet original städtisches Wohnen: Man hat praktisch alles vor der Haustür, selbst eine eigene Innenstadt. Die große Fußgängerzone östlich des Bahnhofs Borbeck mit Borbecker- und Germaniaplatz und die Markt- und Gerichtsstraße entlang ist ein Beispiel für gelungene Ortssanierung: farbenfroh gepflastert und mit guter moderner Backsteinarchitektur. Hier und da Ruhezonen: Dionysius-Kirchplatz mit dem Fachwerk des "Historischen Gasthauses", Borbecker Platz mit Glockenspiel, und selbst gemütliche Sitzplätze am belebten Germaniaplatz. Die Borbecker sind stolz auf ihren Stadtteil und auf seine Geschichte. Auch die liegt vor der Haustür: Schloss Borbeck, neu herausgeputzt, mit dem Park, der ungefähr so lang ist wie der Grugapark, wenn auch etwas schmaler. Und wandern lässt sich auch auf der Grenze zu Bedingrade, den Paulsmühlenbach entlang. Später lädt manche nette Gaststätte zum Umtrunk; es muss ja nicht immer die berühmte Dampfbierbrauerei sein.

Sehenswürdigkeiten:

Schloss Borbeck mit Schlosspark. Schlosstraße. Durch Jahrhunderte Residenz der Essener Fürstäbtissinnen, zeitweise auch Münzstätte. Heute ein Haus mit Gastronomie und vielfältigem kulturellen Programm. Der Park umfasst 55 Hektar. St. Dionysius. Dionysiuskirchplatz. 1867 geweihte Kirche, Nachfolgerin einer damals abgerissenen, 1339 von Äbtissin Katharina von der Mark erbauten gotischen Dionysius-Kirche. Aus ihr ist noch der Grabstein der 1598 verstorbenen Äbtissin Elisabeth von Manderscheid zu sehen.

Bemerkenswert:

Zehn Fenster von Nikolaus Bette zum Glaubensbekenntnis (1984/88). Marktbrunnen "Borbecker Halblang". Marktstraße, am Bahnhof. Im 19. Jahrhundert kauften die Familien den Kindern Kleidung auf Zukunft. Vor allem die Jungenhosen waren erst zu lang, und man musste hineinwwachsen. Das "Borbecker Halblang" wurde im ganzen Ruhrgebiet eine Bezeichnung für diese Mode, und Bildhauer Kampman setzte ihr ein Denkmal. Krupp-Siedlung. Ruhland- und Lindnerplatz. Architektonisch interessantes Ensemble in Backstein. Eines der wenigen verbliebenen Essener Zeugnisse aus dem Genossenschaftsbau der nationalsozialistischen Zeit. Bunkerkreuz. Walmanger/Nähe Fliegenbusch. Bildhauer Franz Bitter schuf das schlichte Holkreuz im Auftrag zahlreicher Borbecker, die hier während des Zweiten Weltkriegs in einem selbst gebauten behelfsmäßigen Luftschutzbunker überlebten. Voßgätters Mühle. Möllhoven/Gerschermannweg. Das Gebäude ist letztes Zeugnis der Mühlenbetriebe am Paulsmühlenbach, die schon mit einer Kornmühle 1547 nachgewiesen sind.

ÖPNV-Anbindungen:

Am zentralen Busbahnhof halten folgende Buslinien:
140, von Borbeck Bf nach Stoppenberg
143, von Oberhausen Fröbelplatz nach Borbeck Bf
150/170, von Borbeck Bf über Kray (150) nach Steele (170)
160, von Borbeck Bf über Holsterhausen nach Stoppenberg
185, von Oberhausen Fröbelplatz, über OB Hbf, Dellwig nach Borbeck Bf
NE 12, von Rathaus Essen nach Dellwig

Buslinien ab Germaniaplatz
150/170 wie ab zentraler Busbahnhof
186, von BOT ZOB über Dellwig, Borbeck, Schönebeck zum Schölerpad
NE 12, von Rathaus Essen nach Dellwig.

Straßenbahnen
101, von Bredeney über Hbf zum Germaniaplatz.
103 auf der Strecke zwischen Rathaus Essen in der Innenstadt und Dellwig, Wertstr.

Nächstgelegener Bahnhof:

Essen-Borbeck
RE 14 in Richtung Essen-Hbf. / Gegenrichtung über Bottrop, Gladbeck und Dorsten nach Borken
S9 über Essen-Hbf. nach Essen-Steele Ost / Gegenrichtung über Bottrop nach Haltern.


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