Die Geschichte des Stadtarchivs
Von einer geheimen Urkundentruhe zur öffentlichen Dokumentationsstelle
Anfänge
Das älteste Dokument stammt aus dem Jahre 1272. In dieser Pergamenturkunde werden erstmals die zwölf Ratsherren der Stadt Essen namentlich aufgeführt.
Die erste schriftliche Erwähnung der städtischen Registratur finden wir in der Stadtrechnung von 1381. Hier wird die Ausgabe von zwei Pfennigen vermerkt "vor eyne dose to breyven" (für ein Behältnis für die Briefe).
"Verwirrung und Unordnung"
In der Folgezeit geriet das Archiv immer weiter in Unordnung, da für die Urkunden, Akten und Amtsbücher kein Raum im Rathaus vorhanden war. Die städtischen Unterlagen wurden vielmehr bei dem jeweiligen Stadtsekretär aufbewahrt und wanderten so von Haus zu Haus.
Als die Preußen 1802 Essen besetzten, ließen sie alle städtischen Dokumente in einen Nebenraum des Rathauses bringen, wo sie in einem völligen Durcheinander gelagert wurden.
Ein Bearbeiter, der bereit war, "in das vor ihm liegende Chaos Ordnung hineinzubringen", fand sich nicht, da - so der damalige Bürgermeister - niemand seine Gesundheit bei solch einer in Staub und Dreck liegenden Papiermasse aufs Spiel setzen wolle.
Erste Ordnungsversuche
Erste Ordnungsversuche unternahm zur Mitte des 19. Jahrhunderts, unterstützt von dem Sekretär Petersen und dem Dechanten Butzon, der engagierte Bürgermeister Bertram Pfeiffer, der auch an der Herausgabe der ersten "Geschichte des Fürstenthums und der Stadt Essen" von F. Philipp Funcke beteiligt war.
Die Ordnungs- und Erschließungsarbeiten wurden von Konrad Ribbeck fortgesetzt.
Der langjährige Vorsitzende des Historischen Vereins für Stadt und Stift Essen, Geschichtslehrer am Burggymnasium, leitete das Stadtarchiv im Nebenamt und er war der Geschichtsschreiber Essens zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Davon zeugen seine zahlreichen Veröffentlichungen und seine Geschichte der Stadt Essen, die 1915 erschien.
Hauptamtliche Besetzung
Erst 1936 erhielt das Archiv eine hauptamtliche Leitung in der Person Robert Jahns, der 1933 wegen seiner Mitgliedschaft in der Deutschen Friedensgesellschaft aus dem Schuldienst entlassen worden war.
Sein Nachfolger, Dr. Hermann Schröter, war der erste wissenschaftlich ausgebildete Archivar der Stadt.
Die Unterbringung des Archivs
Doch als in den 1950er Jahren vermehrt die Akten des 19. und 20. Jahrhunderts übernommen wurden, reichte die Magazinkapazität nicht mehr aus.
Sein neues Domizil fand das Stadtarchiv 1962 im ehemaligen Rabbinerhaus der von den Nazis gebrandschatzten Alten Synagoge in der Steeler Straße.
40 Jahre später muss wiederum ein Umzug vorbereitet werden, denn die Bestände haben sich von 2,5 Regalkilometer auf etwa 15 Regalkilometer vergrößert und können längst nicht mehr im Magazin Steeler Straße untergebracht werden.
Daher hat der Rat am 16. Mai 2007 den Baubeginnbeschluss für ein neues Haus der Essener Geschichte in der Luisenschule gefasst.
Archivüberlieferung
Nicht allein kriegerische Auseinandersetzungen sind Ursache der Verluste.
Ebenso führte die Fehleinschätzung des Wertes von Registraturunterlagen zu unwiderruflichen Vernichtungsaktionen. So sind riesige Aktenmassen zu Beginn des 20. Jahrhunderts an die Papiermühlen verkauft worden, um den städtischen Etat aufzubessern.
Weitere Aussonderungsaktionen fanden zu Beginn des Zweiten Weltkrieges statt. Ein Übriges tat der Bombenkrieg. Bei dem großen Luftangriff vom 5. März 1943 brannte der vollgestopfte Aktenkeller des Rathauses.
Bestände
Zu nennen sind u.a. die 1500 Urkunden im Bestand 1. Als Aussteller fungieren Kaiser und Könige, Päpste und Bischöfe, Adlige und Bürger.
Der Bestand 100 - das alte Ratsarchiv - mit 2600 Verzeichnungseinheiten enthält neben zahlreichen Amtsbuchserien (u.a. Stadtrechnungen seit 1350!!) einige literarische Kostbarkeiten.
An erster Stelle steht ein äußerlich unscheinbares Liederheft, geschrieben um 1450 wohl von dem Stadtschreiber Johann von Morle, in dem in 23 vierzeiligen Reimstrophen die Sage vom Tannhäuser eingetragen ist.
Zentrale Dokumentationsstelle zur Stadtgeschichte
Das Stadtarchiv, das für die Überlieferung der Stadtverwaltung zuständig ist, übernimmt aber auch Archivgut anderer Herkunft, an dessen dauernder Verwahrung, Erschließung und Nutzung ein öffentliches Interesse besteht.
So liegen in seinem Magazin zahlreiche Vereins- und Verbandsbestände und Nachlässe Essener Persönlichkeiten.
Weitere Informationen finden Sie in der Fachzeitschrift

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