Stadtarchäologie - Fund des Monats September 2010

Die Visualisierung des Werdener Kastells

An das im 15. Jahrhundert entstandene Kastell erinnert in Werden noch der Kastellplatz. Von dem einst wuchtigen Bau sind aber heute keinerlei Spuren mehr zu sehen. 2008 konnten aber bei archäologischen Untersuchungen noch mehrere Meter hohe Mauern festgestellt werden, die andeuten, dass noch sehr viel Substanz von der beeindruckenden Burg im Boden erhalten geblieben ist. Aufgrund der Ausgrabungsergebnisse entstand die Idee, das Kastell mit der Hilfe von computergestützten Systemen zu visualisieren.
In einer Zusammenarbeit des Werberings Werden, des Amtes für Geoinformation, Vermessung und Kataster und des Instituts für Denkmalschutz und Denkmalpflege / Stadtarchäologie entstand der vorgelegte Rekonstruktionsvorschlag. Dr. Ralf Roderig übernahm dabei die schwierige Aufgabe, die Burg dreidimensional entstehen zu lassen. Dem Amt für Geoinformation, Vermessung und Kataster ist die Umsetzung und die Gestaltung des Heftes zu verdanken. Die Texte stammen von Dr. Cordula Brand, Bianca Khil, Dr. Ralf Roderig, Elke Schneider und dem Stadtarchäologen Dr. Detlef Hopp.

Zum Kastell: Im Südwesten von Werden lag an der Ruhrbrücke das so genannte Kastell. Eine Urkunde von 1434/35 lässt sich relativ sicher mit dem Kastell in Verbindung bringen. Sie berichtet über Bauarbeiten, an der Nyenborch, also einer neuen Burg für den Vogt. Eine starke, umlaufende Mauer aus Sandstein, ausgestattet mit Zinnen, einem Wehrgang sowie Schießscharten sicherte die rechteckige Anlage. Die Maßangaben reichen hier von 31 bis 40 m für die Gesamtbreite und 45 bis 49 m für die Gesamtlänge. Ursprünglich waren wohl alle vier Ecken durch Türme gesichert, die ganz unterschiedliche Bauweisen zeigten. Im Norden, Osten und Süden war die Anlage von einem breiten Graben umgeben. Im Westen, zur Ruhr hin, soll es einen Entwässerungskanal gegeben haben. Man betrat die Burg über eine Zugbrücke, die den Hauptzugang, etwa mittig in der Nordmauer gelegen, schützte.
Im Inneren gab es vor allem einen mächtigen Turm, den Bergfried. Drei Stockwerke hoch und mit quadratischem Grundriss lag er im Südosten der Anlage. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, als das Kastell in den Besitz der Stadt Werden überging, waren viele der Bauten bereits baufällig. 1832/33 erwarb der Unternehmer Wiese den gesamten nördlichen Bereich und ließ dort alle Bauten abreißen, um Platz für seine neue Tuchfabrik zu schaffen. Der Bergfried blieb noch bis 1847 stehen, musste dann aber einer Erweiterung der Fabrik weichen.

Stadtarchäologie

Herr Dr. Hopp, Detlef
+49 201 8861806
weitere Informationen (Sprechzeiten, Anschrift, Dienstleistungen...)

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