Stadtarchäologie - Fund des Monats März 2011

Die Schmiede auf dem Keller in Haarzopf

Bei Kanalbauarbeiten wurde an der Ecke zur Humboldtstraße, auf der Höhe des ehemaligen Hauses Hatzper Straße 222, ein Gewölbekeller aus Bruchsteinen angeschnitten. Daneben zeichneten sich weitere Bruchsteinfundamente im Boden ab.
Der bei den Bauarbeiten freigelegte, stark zerstörte Nord-Süd-orientierte Gewölbekeller besaß eine Kohlenschütte (?) im Osten, sein völlig zerstörter Zugang ist im Norden zu vermuten. Ursprünglich war der Keller mit einer flachen Gewölbekappe überdeckt. Es konnte festgestellt werden, dass er einen Lehmboden hatte. Seine Breite konnte mit circa vier Metern, seine Länge mit circa acht Metern ermittelt werden. Aus dem, nach der Entfernung des Schutts, auffällig "aufgeräumten" Keller - bereits in den 1960er Jahren gelangten ausgewählte Objekte aus der Schmiede in das damalige Ruhrlandmuseum - konnten nur wenige Metallobjekte, so ein Helm der deutschen Wehrmacht, ein Trichter und ein Pferdestriegel geborgen und weitere Objekte des 20. Jahrhunderts, darunter u.a. ein Schürhaken, geborgen werden. Bei den jüngsten Objekten aus Metall handelte es sich um ausgediente Ölwannen, ganz offensichtlich von Kraftfahrzeugen. Aus dem Umfeld des Kellers wurde zusätzlich Keramik des 19. und 20. Jahrhundert geborgen.
Bei dem oben beschriebenen Keller und den Bruchsteinfundamenten handelt es sich um Überreste des erst 1961 abgerissenen Wohnhauses der im Jahre 1867 errichteten, so genannten "Schmiede auf dem Keller". Diese bestand aus einem Gebäudeensemble, zu dem das Wohnhaus mit Schmiedewerkstatt (Abb. 1) sowie Stallgebäude, Scheune, Remise und Backhaus zählten.
Die Schmiede entstand auf einem Ackergrundstück, das noch die Flurbezeichnung "Heidkamp" trug. Dieses gehörte bis dahin zum alten Hof Eichholz, der sich bis in das 13. Jahrhundert zurück verfolgen lässt. Der Haarzopfer Schmied Johann auf dem Keller, nach dem die Schiede auch benannt war, gelangte erst durch die Heirat einer vom Hof Eichholz stammenden Tochter an das Baugrundstück. Dem Ausbau der Kreuzung der Humboldtstraße und der Hatzper Straße musste schließlich der alte Hof weichen. Da die Familie auf dem Keller bereits seit dem 17. Jahrhundert ihren Beruf in dem Stadtteil ausübte, endete damit circa 350 Schmiedetradition in Haarzopf.

Stadtarchäologie

Herr Dr. Hopp, Detlef
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