Stadtarchäologie - Fund des Monats Mai 2011

Wurde jetzt die mittelalterliche Abteimauer am Werdener Markt entdeckt?

Am Werdener Markt konnten im März 2011 die Aushubarbeiten für eine Pressgrube - mit einem Durchmesser von 10 m - archäologisch begleitet werden. Das nördlich des Treppenaufgangs zur Abtei gelegene Areal war bis in die 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts hinein bebaut, erst mit Anlage der B 224 wurde die Bebauung des 19.(?) und 20. Jahrhunderts abgerissen.
Bereits auf einer Stadtansicht von Braun und Hogenberg von 1581 ist in dem betreffenden Bereich Bebauung einzeichnet (Abb. 1). Auch auf jüngeren Kartenwerken ist das Areal als bebaut ausgewiesen.
Möglicherweise in die frühe Neuzeit hinein reicht eine in einer Tiefe von 0,60 m gefundene 0,80 m starke und noch etwa 2,00 m lange, und 0,30 m hoch erhaltene, gemörtelte Außenmauer zurück (Stelle 6), auf deren östlicher Seite eine Brandstelle (Stelle 7) lag. Das zu dieser Mauer gehörende Gebäude ist wahrscheinlich auf der Honigmann´schen Karte von 1803/06 verzeichnet und eventuell schon bei Braun und Hogenberg dargestellt. Die oben ausgesprochene Datierung kann durch Stelle 7 gestützt werden, aus der die Fragmente einer so genannte Milch-(?)-Kuppe, die etwa aus dem 18. Jahrhundert stammt, geborgen werden konnten.
Unmittelbar vor dem Treppenaufgang befand sich eine NNO-SSW orientierte, auf über 7 m verfolgbare, mindestens 0,80 m hoch erhaltene, 1,10 m bis 1,15 m breite, in Lehm gesetzte Mauer aus Bruchsteinen (Stelle 8), die als Zwei-Schalen-Mauer ausgeführt war. Vergleichbar ist in Werden u.a. die 1997 und 1998 an der Körholzstraße untersuchte mittelalterliche Stadtmauer, die in ihrem Fundamentbereich ebenfalls nur in Lehm gesetzt war und möglicherweise auch die Befestigungsmauer auf dem Platz der Werdener Feintuchwerke, die hier gleichzeitig der Abteimauer entspricht. Auch für die oben beschriebene Mauer am Werdener Markt kann eine Datierung in das Hoch- bis Spätmittelalter angenommen werden. Da der Verlauf dieser Mauer nicht mit den überlieferten Orientierungen der bekannten Bebauung übereinstimmt, besteht die Vermutung, dass es sich bei dieser Mauer um eine mittelalterliche Abgrenzung des Abteigeländes handelt.
Unter den wenigen geborgenen Funden ist das Fragment eines mittelalterlichen Kugeltopfes (?) besonders zu erwähnen.

Stadtarchäologie

Herr Dr. Hopp, Detlef
+49 201 8861806
weitere Informationen (Sprechzeiten, Anschrift, Dienstleistungen...)

Stadtarchäologie

Herr Dr. Hopp, Detlef
+49 201 8861806
weitere Informationen (Sprechzeiten, Anschrift, Dienstleistungen...)
© 2020 Stadt Essen