Stadtarchäologie - Fund des Monats Juni 2015

Kümpchen von der Güterstraße

An der Güterstraße in Kettwig findet seit Anfang des Jahres 2015 die archäologische Beobachtung einer Baustelle statt. Hier war um 1870 eine Ringofenziegelei entstanden. Zur Ziegelei gehörte eine Lehmgrube direkt vor Ort, die nach Aufgabe der Ziegelei etwa 1910 mit Hausmüll aufgefüllt wurde.
Bei der Baubegleitung konnten auch einige Funde geborgen werden, von dem eines hier vorgestellt werden soll.

Das etwa in der Hälfte zerbrochene, so genannte Henkelkümpchen mit kobaltblauer, floraler Außenbemalung besaß ursprünglich 2 waagerechte Henkel aus salzglasiertem Steinzeug Westerwälder Art. Mit einer Höhe von ca. 4,5 cm und einem Randdurchmesser von etwa 14 cm handelt es sich um ein eher kleines Exemplar. Außen unterhalb des senkrechten Randes befindet sich eine schmale Auflagefläche für einen Deckel.
Vergleichbare Gefäße aus gesicherten Fundzusammenhängen wie z.B. Haus Gelinde bei Rheinberg am Niederrhein oder Haus Witten bei Witten, Ennepe-Ruhr-Kreis oder der Abtei in Essen-Werden, datieren in das 18./19. Jahrhundert.

Mit Kump oder eher noch Kümpchen bezeichnet man u.a. im rheinischen und bergischen Sprachgebrauch eine kleine Schüssel/Schale, die meistens aus Ton besteht und aus der gegessen wird. Die Stücke aus der Abtei Werden dürften zum Klostergeschirr der Mönche gehört haben. Da Kümpchen deutlich breiter, dafür aber niedriger als Tassen sind, ist davon auszugehen, dass es sich weniger um Trinkgefäße als um solche zum Löffeln von Speisen handelte.
Die Möglichkeit, das Gefäß mit einem Deckel zu verschließen, schützt das enthaltene Nahrungsmittel z.B. Haferbrei, Kompott o.ä. vor Wärmeverlust oder Schädlingen. Christine Brückner beschreibt in ihrem 1975 erschienen Buch "Jauche und Levkojen", wie die 1918 geborene Maximiliane von Quint in heiße Milch eingebrocktes und dick mit Zucker bestreutes Weißbrot in einem Kümpchen erhält.

Literatur:

  • Cordula Brand, Steinzeug-Kümpchen - von der Tafel der letzten Werdener Mönche? Archäologie im Rheinland 2013 (2014) S. 212-213
  • Brigitte Dahmen, Katalog der Funde von Haus Witten, in: Markus Sommer, Haus Witten. Die Ergebnisse der archäologischen Untersuchung an einem Profanbau aus dem 15. - 20. Jahrhundert (Bonn 1995) besonders S. 259 Katalognummer 416, 419
  • Wolfgang Hackspiel, der Scherbenkomplex von Haus Gelinde. Gebrauchsgeschirr des 18. und 19. Jahrhunderts (Köln/Bonn 1993) besonders S. 25, 121, 170f. Sz 7-12
  • www.mitmachwoerterbuch.lvr.de; Stichwort "Kump"
  • www.wikipedia.de; Stichwort "Kumpf"

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Herr Dr. Hopp, Detlef
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