Stadtarchäologie - Fund des Monats September 2015

Ein wenig gruselig ist es schon …

Bei Abriss der Bebauung aus dem 20. Jahrhundert an der Bredeneyer Straße / Ecke Brachtstraße konnten in der Baugrube Bruchsteinmauern, darunter möglicherweise Relikte eines Fachwerkbaus mit Steinsockel, festgestellt werden. Weiterhin fanden sich Pfostenstandspuren. In 4 m Tiefe wurde noch ein Bruchsteinbrunnen, mit einem inneren Durchmesser von ca. 1,10 m entdeckt, der sich bis zur Baugrubensohle in etwa 5 m Tiefe verfolgen ließ. Anscheinend wurde dieser Brunnen, der aufgrund historischer Quellen ungefähr zu Beginn des 18. Jahrhunderts entstanden sein könnte, in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts vor allem mit Steinmaterial verfüllt.

Das Gelände westlich der Bredeneyer Straße - im Bereich der heutigen Brachtstraße - wurde bereits im Spätmittelalter auf der Bracht oder auch Brechterie genannt, womit ein "brachliegendes Weideland" bezeichnet wurde. Schon für das 16. Jahrhundert wird an diesem Ort ein Abspliss des Bredeneyer Wüsthofes urkundlich erwähnt. 1716 erhielt der Jesuiten-Orden, dem das Areal gehörte, vom Werdener Abt Coelestin das Recht, darauf ein Gebäude zu erbauen. Beabsichtigt war, an Stelle eines älteren "Siechenhauses" - das zumindest 1589/90 bestanden hatte und anscheinend nach 1624 abgerissen wurde - ein Leprosen-Haus zu erstellen und es kam - trotz verschiedener Proteste in der Bevölkerung - noch 1716 zur Errichtung eines kleinen Kottens, der Leppers- (Leppers von Leprosen) oder Küpers-Kotten genannt wurde.
In der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts wohnte auf diesem Hof Hermann Küpper mit seiner Familie. Der Kotten bestand auch noch Ende des 19. Jahrhunderts, nach 1900 wurde das Gebäude abgerissen. 1911 gelangte das Areal an die Essen-Bredeneyer Terrain- und Gartenstadt-Baugesellschaft GmbH, die es neu bebauen ließ.

Literatur:

  • E. Dickhoff, Essen: Hof- und Flurnamen im Spiegel Essener Straßennamen, Dokumentarreihe der Stadt Essen 11, 1971, S. 26
  • H. Schmitz, Bredeney. Rittersitze, Höfen, Kotten und ihre Bewohner (Essen 1989) S. 47

Stadtarchäologie

Herr Dr. Hopp, Detlef
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