Stadtarchäologie - Fund des Monats Februar 2012

Produktion von Holzleitungen im neuen Universitätsviertel?

2011 und 2012 wurden die Arbeiten in Essens neuem Universitätsviertel, der neuen Grünen Mitte, fortgesetzt. Die Aushubarbeiten für die Neubebauung, die südlich der Meyer-Schwickerath-Straße und nördlich der Friedrich-Ebert-Straße stattfanden, wurden durch die Stadtarchäologie begleitet.
In der südlich der Meyer-Schwickerath-Straße gelegenen Baugrube wurden bei dem bis zu 2,50 m tiefen Bodenaushub, wozu der Boden in der etwa 130 m x 60 m messenden Baugrube komplett entfernt werden musste, zwischen September 2011 und Januar 2012 zunächst Überreste, die mit der ehemaligen Bahnanlage des Bahnhofes Essen-Nord und der Rheinischen Bahn, die seit der Mitte der 1860er Jahre existierte, deuten, nachgewiesen. Weiterhin befand sich in der östlichen Hälfte des Bauareals eine Erdaufschüttung aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, aus der neben neuzeitlichen auch vereinzelt mittelalterliche Streuscherben geborgen werden konnten. In Auffüllungen aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhundert wurden am östlichen Baugrubenrand drei nicht fertig gestellte Holzröhren gefunden. Die drei Kiefern-(?)stämme, von denen einer bei den Baggerarbeiten sehr stark beschädigt wurde, von 1,60 m erhaltener Länge und in zwei Fällen von etwa 1,80 m Länge, rundem Querschnitt und einem Durchmesser von etwa 0,20 m waren vollständig entrindet. In allen drei Fällen waren die Stämme nur unvollständig durchbohrt worden. Ihnen war gemein, dass eine größere Bohrung von etwa 0,15 m auf der einen Seite geplant war, während für die Bohrung auf der anderen Seite nur ein Durchmesser von etwa 0,10 m angedacht war. In einem Fall ließen sich die Vorbereitungen für die eigentlichen Bohrungen durch gezielte Axthiebe nachweisen. Die Arbeiten an allen drei Röhren wurden aber abgebrochen, weil es während der Arbeiten durch Abspaltungen des Holzes zu irreparablen Schäden kam. Der seltene Fund zeigt, dass in unmittelbarer Nachbarschaft auch die oben genannten Holzarbeiten durchgeführt wurden. Möglicherweise können die entdeckten Röhren in das 2. Drittel des 19. Jahrhunderts datiert werden. Das Kiefernholz selbst könnte beispielsweise aus der nahen Gemarkung Heide stammen, da hier dieses Nadelholz im 19. Jahrhundert typisch war. Unklar bleibt der Zweck der Produktion. So ist es nur eine Vermutung, dass die Röhren in Verbindung mit der in den 1860er Jahren neu entstandenen Bahnstrecke stehen.

Herrn Norbert Bösken sei herzlich für die Unterstützung der Arbeiten gedankt.

Literatur:
D. Hopp, Über-Leitungen, in: D. Hopp (Hrsg.) Ans Tageslicht gebracht, Essen 2008, S. 111 – 113; D. Hopp/U. Scheer, Überraschung im Bahndamm: Rheinische Bahn gibt Fossilien frei, Archäologie im Rheinland 2010, S. 38 f.; D. Hopp, Eine "komplizierte Geschichte" im neuen Universitätsviertel, Archäologie im Rheinland 2011 (im Druck)

Stadtarchäologie

Herr Dr. Hopp, Detlef
+49 201 8861806
weitere Informationen (Sprechzeiten, Anschrift, Dienstleistungen...)

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