Stadtarchäologie - Fund des Monats Juni 2012

Endlich Spuren vom Hof Ehrenzell

Anlässlich der geplanten Neubebauung wurde westlich der Straße Westendhof der Oberboden bis auf eine Tiefe von etwa 1,60 m entfernt. Leider waren mehr als 2/3 der Baugrube durch die Vorkriegsbebauung bereits tiefgründig gestört worden. Nur auf der Ostseite der Baugrube blieb noch ein schmaler Streifen erhalten, in dem sich Reste von Ziegelmauern des 19./20. Jahrhunderts fanden. Dabei bestand Stelle 2 aus Ziegeln mit dem Format 25x12x6 cm, die in einen harten Kalkmörtel gesetzt waren, für Stelle 3 - mit Ziegeln der Maße 24x12x6 cm - wurde Zementmörtel verwendet. Darunter wurde der mögliche Rest eines Feldbrandofens des 19. Jahrhunderts freigelegt, dessen N-S-Ausdehnung ca. 5,00 m maß und dessen erhaltene W-O Ausdehnung noch mit ca. 3,50 m festgestellt werden konnte.
Das oben genannte Areal liegt auf dem Gebiet des ehemaligen Oberhofes Ehrenzell, das heute durch den Berthold-Beitz-Boulevard geteilt wird. Otto I. schenkte die Grundherrschaft curtis Erenzell am 1.3.966 dem Essener Damenstift. Es ist möglich, dass dieser Hof bereits in der Karolingerzeit existierte. Bekannt ist, dass bereits Liutolf (gest. 957), Sohn Otto I., den Hof seiner Tochter, der Äbtissin Mathilde übereignete. Zum Hof gehörten zeitweilig bis zu 64 Unterhöfe. Knapp 2/3 seiner Höfe fielen im Mittelalter in die "Dreibauerschaft" Frohnhausen, Altendorf und Holsterhausen. In der großen Vogteirolle des Grafen Friedrich von Isenberg-Altena werden unter "Ehrenzell", das hier wohl mit "Holsterhausen" gleichzusetzen ist, neun Höfe aufgezählt. Der Hofesverband bestand rechtlich noch bis zur Säkularisation des Stiftes in Essen 1803. Ein Hofgebäude existierte allerdings seit der Mitte des 18. Jahrhunderts nicht mehr. Doch bestand, angeblich auf der alten Wohnstätte des Oberhofes Mitte des 18. Jahrhunderts eine neu errichtete Kathe. Dieses Gebäude existierte auch in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts auf dem Gelände. Zu dieser Zeit gehörte es Johann Eberhard Thol, genannt Philippsenburg, der es 1850 erworben hatte. Der Besitz ging 1868 an A. Krupp über, das Haus wurde 1880 abgerissen. Später wurde das Areal von Werksbauten der Firma Krupp eingenommen.

Die oben erwähnten Ziegelmauern werden wahrscheinlich Teil dieser Werksbauten gewesen sein. Für den vermuteten Feldbrandofen ist es aber möglich, dass er zum Thol´schen Hof gehörte. Da der älteste Fund dieser Untersuchung eine Wandungsscherbe Siegburger Art (etwa 15./16. Jahrhundert) ist, ist sie ein sicherer Zeuge aus der Geschichte des Hofes Ehrenzell.

Literaturauswahl:

  • M. Graf zu Bentheim (Hrsg.), Stift Essen. Die große Vogteirolle des Grafen Friedrich von Isenberg-Altena um 1220 (Rheda 1955) Nr. 15;
  • P. Derks, Die Siedlungsnamen der Stadt Essen. Sprachliche und geschichtliche Untersuchungen. Essener Beiträge 100, 1985, S. 183;
  • E. Dickhoff, Essen. Hof- und Flurnamen im Spiegel der Essener Straßennamen (Essen 1971) S. 35;
  • E. Geyer, Altendorf, Vermutungen über die Entstehung einer bäuerlichen Siedlung im Bereiche des Oberhofes Ehrenzell. Das Münster am Hellweg 10, 1957, S. 117;
  • L. Tewes, Die Bauerschaft Essen-Holsterhausen im Mittelalter, in: Das Münster am Hellweg 42, 1989, S. 23.

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Herr Dr. Hopp, Detlef
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