Stadtarchäologie - Fund des Monats Mai 2012

Die Werdener "Hecktore"

2011 und im Frühjahr 2012 begleitete die Stadtarchäologie Kanalbaumaßnahmen in der Heckstraße. Dieser Straßenname geht zurück auf das mittelalterliche Haus Heck und auch der Straßenname Haus Fuhr erinnert an eine mittelalterliche Burganlage, die um 1300 urkundlich erwähnt wird. Eine noch ältere Urkunde aus dem Jahr 1239 bezeugt den Sitz eines ministerialen Stadtvogtes in Werden und bezieht sich entweder auf das Haus Heck oder auf das Haus Fuhr. Haus Fuhr lag in der Neuzeit neben dem angrenzenden Hecktor. Urkundlich wird hier ein Tor schon im Jahr 1317 in einem Vertrag zwischen dem Werdener Abt und dem Vogt erwähnt.
Vermutlich wurde mit dem Bau einer ersten, der inneren Stadtbefestigung in Werden, auf die die heutige Grafenstraße verweist, die vorher Grabenstraße und 1519 Gravenstrate hieß, Ende des 13. Jahrhunderts begonnen. Nach diesen Überlegungen könnte das 1317 erwähnte "alte" Hecktor etwa in dem Kreuzungsbereich von Heckstraße und der heutigen Straße Haus Fuhr zu vermuten sein (Abb. 1).
Im Gegensatz zu der älteren Befestigung sind wir über den Verlauf der jüngeren, äußeren Stadtbefestigung, die etwa in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts entstand und zu der auch die 1998 gefundenen Überreste an der Körholzstraße zählen, durch historische Karten vergleichsweise gut informiert. Auch die Lage vom "jüngeren" Hecktor, unmittelbar an Haus Fuhr, ist beispielsweise durch die verschiedenen Pläne aus dem 18. und 19. Jahrhundert bekannt. In diesen Kartenwerken ist das Haus Fuhr in den Befestigungsring vollständig integriert: Zur rechteckigen, ummauerten Anlage der Burg gehörte ein großer Wohnturm, davor befand sich ein Rundturm. Auf der Ansicht von Braun und Hogenberg, einem 1581 erschienenen Kupferstich, sind unter dem Schriftzug voer, demnach in dem Abschnitt, in dem Haus Fuhr erwartet werden kann, ein hoher, rechteckiger Turm und daneben ein Rundturm zu erkennen. Zusätzlich ist hier das Hecktor zu suchen, dass aber anscheinend von Bäumen verdeckt wird und so nicht erkennbar ist: Wahrscheinlich handelte es sich bei dem Hecktor eher um eine unscheinbare Toranlage, die - ähnlich wie das Brücktor an der Ruhr - als einfacher Durchgang gestaltet war.
Archäologische Spuren, die auf das Haus Fuhr oder das jüngere, um 1810 abgerissene Hecktor deuten, wurden bisher nur wenige gefunden. Ein Artikel in den Werdener Nachrichten aus dem Jahr 1959 berichtet, dass man in den 20-er Jahren des 20. Jahrhunderts auf schwere Gewölbe des Haus Fuhr stieß, die anscheinend noch intakt waren. 2012 wurden dagegen in der Heckstraße bei einer Kanalbaumaßnahme nur noch verlagerte Bruchsteine - möglichweise sogar letzte Überreste des Hecktores - entdeckt: Anscheinend zerstörten ältere Bodeneingriffe in diesem Bereich, schon die Spuren des eher bescheidenen Torbaus im Boden.
Bereits 2011 kamen bei der Anlage eines so genannten Kopfloches für den Kanalbau im Bereich Heckstraße und der Straße Haus Fuhr, also dem Areal, in dem das ältere, 1317 erwähnte Hecktor vermutet werden kann, nur noch neuzeitliche Bebauungspuren des 18. bis 20. Jahrhunderts zu Tage. Noch früher, 1978/79, wurden aber im weiteren Verlauf der Straße Haus Fuhr Teile der mittelalterlichen Stadtbefestigung entdeckt. Es ist wahrscheinlich, dass es sich bei den durch E. Schumacher begutachteten Bruchsteinmauern, die bei einer Sanierung der Fachwerkhäuser Nr. 15-19 zum Vorschein kamen und bei ebenfalls beobachteten, anscheinend gut erhaltenen Turmresten im weiteren Verlauf der Straße, die heute unter einer Seniorenanlage liegen, um Relikte der vermuteten älteren mittelalterlichen Stadtbefestigung handelt.

Stadtarchäologie

Herr Dr. Hopp, Detlef
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