Stadtarchäologie - Fund des Monats April 2013

In Essens neuer "Grünen Mitte"

Bereits 2006 wurden auf dem Gelände nördlich der Friedrich-Ebert-Straße (früher Grabenstraße), östlich der neuen Käthe-Larsch-Straße und südlich der Rheinischen Straße Auffüllungen und Abfallgruben entdeckt, die vermutlich zwischen 1864 und etwa 1894 entstanden waren. In diesen wurden unter anderem Lederabfälle gefunden, die aus den Werkstätten eines oder mehrerer Schuhmacher stammten, die zwischen 1885 und dem Ende der 1880er Jahre in der Rheinischen Straße 37 arbeiteten. Von besonderem Interesse waren neben den handgenähten Schuhen auch die Überreste ersten maschinengenähten Schuhwerks. Neben diesen Objekten waren vor allem die zahlreichen Überreste von Porzellanpfeifen bemerkenswert. In den folgenden Jahren entstand zur Hochschule hin das neue Universitätsviertel mit Essens neuer Grünen Mitte. Auch diese Baumaßnahmen wurden seitens der Stadtarchäologie begleitet und dabei Befunde dokumentiert. An der Friedrich-Ebert-Straße und der Rheinischen Straße entstanden nach 1870 errichtete, mehrstöckige Mietshäuser mit Gewölbekellern: 1874 reichte der Essener Bauunternehmer Johann Piekenbrock sen. (1820-1890) die Konzessionszeichnungen für Häuser an der Rheinischen Straße 26-48 ein und auch für die Häuser in der früheren Grabenstraße zeichnet er verantwortlich.

Vom Herbst 2012 bis in den Winter 2012/13 wurden auf dem westlich der Käthe-Larsch-Straße und nördlich der Friedrich-Ebert-Straße 47-59 gelegenem Grundstück - betroffen waren somit auch die Häuser der Rheinischen Straße 38-50 - umfangreiche Erdarbeiten durchgeführt.

Auf dem untersuchten Gelände ließen sich, im Nordwesten der Fläche, die Überreste mindestens eines großen Feldbrandbrandofens (um 1860/70) nachweisen, die sich unter den Fundamenten des zwischen 1910 bis 1928 entstandenen Großmarktes fanden.

Erstaunlich tief, weil den Bauakten nicht zu entnehmen, gründeten in dem beobachteten Areal die ohne Mörtel errichteten Bruchsteinfundamente der Keller der Wohnbebauung in der Rheinischen Straße. Wie durch Sondagen geklärt werden konnte, reichten die Bruchsteinfundamente bis zu 3 m unter den Kellerboden in den feuchten Untergrund hinein. Die Bruchsteinfundamente in der Rheinischen Straße hatten wohl die Funktion, dass es nicht zum Aufstau von Wasser in den neu errichteten Häusern kommen konnte, da sie es hindurchließen.

Die anfängliche Vermutung, dass Teile der Bruchsteine für die Neubebauung nicht nur aus Steinbrüchen, sondern aus der bis in die 1860er Jahre abgerissenen Essener Stadtbefestigung stammen können, ließ sich aber nicht erhärten: Zwar konnten zumindest sekundär verwendete Bruchsteine nachgewiesen werden, doch konnte deren Herkunft nicht geklärt werden.

Stadtarchäologie

Herr Dr. Hopp, Detlef
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