Stadtarchäologie - Fund des Monats Oktober 2014

Kautabak

Heute fast vergessen, spielte Kautabak in der Vergangenheit als eine Alternative zur Zigarette eine große Rolle. Das ist auch immer wieder auf archäologischen Fundstellen zu beobachten. Auch die zahlreichen gefundenen kleinen Tonfläschchen – oft mit Aufschrift - sind ein beredtes Zeugnis für diese Sitte. Zahlreiche Hinweise darauf fanden sich jetzt in Kettwig in einer Deponie des 19./20. Jahrhunderts.

Bei Seeleuten beliebt, weil auf den Segelschiffen das Rauchen wegen der Brandgefahr verboten war, waren es in unserer Region meist Bergleute, die ihn konsumierten. Kautabak regt die Speichelproduktion an, bei dem vielen Kohlenstaub half er also bei trockener Kehle. Gleichzeitig ist und war Rauchen auch in Bergwerken strengstens verboten, da sich das Methangas entzünden konnte.

Christoph Columbus war es, der bei Entdeckungsreisen die Tabakpflanze in Amerika kennenlernte, nach Europa brachte und dabei entdeckte, dass die Indianer mit Muschelkalk versetzte Tabakkugeln kauten. Der heutige Kautabak entwickelte sich daraus. Dieser wird meist in die Backe gelegt und weniger gekaut.

Die im Schuttmaterial gefundenen Fläschchen aus Ton tragen oft die Aufschrift: KAUTABAK VON GRIMM & TRIEPEL NORDHAUSEN IST ANERKANNT DER BESTE . In den Fläschchen befand sich eine Soße zum Nachwürzen des Kautabaks.

Theodor Grimm eröffnete 1849 in Nordhausen am Harz eine Fabrik für Tabakwaren - Zigarren und Rauchtabake sowie Kau- und Schnupftabak. Vor dem Zweiten Weltkrieg galt Grimm & Triepel als die größte Kautabakfabrik Europas. Auch heute existiert die Firma noch.

Unter dem Fundgut in Kettwig - aber auch auf anderen Essener Fundstellen, fanden sich oft auch Fragmente größerer Töpfe aus Steingut, die etwa zwischen 1910 und 1930 hergestellt wurden. Mit einer Höhe von gut 20 und einer Breite von über 15 cm wird ersichtlich, wie groß der Vorrat sein konnte. Der Kautabak wurde in diesen Töpfen aufbewahrt und konnte in Portionen abgeschnitten werden. Bei Bedarf konnte der Tabak nachgewürzt werden, wie die gefundenen Fläschchen belegen.

Stadtarchäologie

Herr Dr. Hopp, Detlef
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