Stadtarchäologie - Fund des Monats September 2014

"Metallzeit" in der Grünen Mitte

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts fanden auf dem Areal, auf dem das neue Universitätsviertel und die Grüne Mitte entstand, beachtliche Bodeneingriffe statt: Zwischen 1860 und 1870 wurden hier in gewaltigen Brennöfen Ziegel hergestellt, wie bereits 2009 - bei den Arbeiten an der Grünen Mitte - nachgewiesen werden konnte. Im 19. Jahrhundert entfernte man nicht nur den Oberboden, sondern teilweise auch darunter liegende Erdschichten, da man den Lehm für die Ziegelherstellung benötigte. Bei den archäologischen Beobachtungen 2009 und 2010 wurden deshalb auch keine Befunde entdeckt, die in die die Zeit vor dem 19. Jahrhundert zurück reichen. Sie waren schlichtweg bereits abgegraben worden. Dafür fanden sich aber Reste der Ziegelbrennöfen wie auch Spuren der Rheinischen Bahn, die hier seit den 1860er Jahren existierte. Auch dafür kam es zu großflächigen Umgestaltungen der Landschaft.

Die eigentlichen Überraschungen waren aber einige Befunde, die in der gleichen Tiefe, gewachsenen Lehmboden, auftauchten und mit denen aufgrund der Erfahrungen von 2009 und 2010 überhaupt nicht mehr gerechnet wurde: 2011 kamen unter der modernen Oberfläche und Schichten des 19. und 20. Jahrhunderts ältere Befunde zu Tage. Zumindest einige von ihnen könnten metallzeitlich - also bronze- oder eisenzeitlich - sein, wie ihre charakteristische Färbung aber auch einige Streufunde handgemachter Keramik nahelegen.
Zuletzt wurde 2013, nördlich der Bargmannstraße, noch mindestens ein Befund - ein etwa sechs Meter langes Stück eines mit Lehm verfüllten Grabens, entdeckt, von dem ebenfalls angenommen werden kann, dass es in die Metallzeit datiert werden kann.

Vermutet wurde, dass sich hinter diesen Strukturen beispielsweise Hinweise auf einen im 19. Jahrhundert der schnell wachsenden Stadt und besonders dem Bau der Rheinischen Bahn zum Opfer gefallenen archäologischen Fundplatz, nämlich der Randbereich einer metallzeitlichen Siedlung, verbergen könnten. Doch ist es auch nicht völlig auszuschließen, dass die dokumentierten Befunde letzte Überreste eines metallzeitlichen Gräberfeldes, in Gestalt von Grabeinhegungen mit, bezogen auf die Grabensohle, höher liegenden, dann aber bereits im 19. Jahrhundert abgetragenen, Bestattungen, sein könnten.

Siedlungsbefunde und Funde, die vermutlich ebenfalls aus der Bronze- oder Eisenzeit stammen, wurden in der Essener Innenstadt in den 1950er Jahren in der Münsterkirche, 1992 und danach unweit des Essener Münsters entdeckt und weitere mögliche Befunde 2002 in der Hindenburgstraße, im Bereich der alten Stadtbibliothek, gefunden.

Stadtarchäologie

Herr Dr. Hopp, Detlef
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