Stadtarchäologie - Fund des Monats April 2017

Eine - zu kleine - Waage?

Beim Anlegen der Baugrube für einen neuen Lebensmittelmarkt an der Velberter Straße in Werden fanden von Juli 2016 bis Februar 2017 archäologische Beobachtungen statt.

Dabei wurden im südöstlichen Abschnitt der etwa 8500 qm messenden Baugrube auch ältere Sedimente eines Baches gefunden und darin - umgelagert - in etwa 5,50 m unter der Geländeunterkante, die Reste einer ursprünglich vergoldeten, etwa 13 cm langen Balkenwaage aus Buntmetall. Sie kann etwa in das 15. bis 18.(?) Jahrhundert datiert werden.

Vermutlich fand dieser bisher einzigartige Fund in Essen aber gar nicht als Waage im Alltag Verwendung: Denn dafür scheint sie nicht nur zu klein, sondern auch zu wenig exakt gearbeitet. Gleichzeitig war sie aber von Wert, wie man an der Vergoldung sehen kann.

Vielleicht stammt sie von einer sakralen Plastik, unter Umständen sogar von einem Schnitzaltar des späten Mittelalters oder der frühen Neuzeit. Solche Altäre gab und gibt es beispielsweise in St. Ludgerus in Werden. Möglicherweise handelt es sich um ein Fragment aus dem Bildmotiv der Seelenwaage: In der christlichen Ikonografie gilt diese Waage als eines der Attribute des Erzengels Michael, der auch als Seelenwäger gilt.

Stadtarchäologie

Herr Dr. Hopp, Detlef
+49 201 8861806
weitere Informationen (Sprechzeiten, Anschrift, Dienstleistungen...)

Stadtarchäologie

Herr Dr. Hopp, Detlef
+49 201 8861806
weitere Informationen (Sprechzeiten, Anschrift, Dienstleistungen...)
© 2020 Stadt Essen