Stadtarchäologie - Fund des Monats August 2017

Eine Fabel und kein Forschungsauftrag für die Zukunft? Das Gut Hüchtebrock

In Frintrop befindet sich die Hüchtebrockstraße, die auf ein in der frühen Neuzeit untergegangenes Gut verweist: Dieses gehörte angeblich im 15. und 16. Jahrhundert der Familie Hüchtebrock (auch Hochtebrock, Huchtebrock). Heute ist die Lage des Hofes unbekannt.

Die Bauerschaft Bedingrade (Bettingrath), zu der der Hof gehörte, wurde erstmals im 11. Jahrhundert urkundlich erwähnt. Viel weiter reicht der älteste archäologische Fund zurück: Um 1973/74 wurde am Velthover Winkel ein so genannter Tremissis, eine Goldmünze des 7. Jahrhunderts, gefunden. Und 1990 wurde in Frintrop, Im Nierfeld, ein Gefäßrest des 8. Jahrhunderts entdeckt. Hinweise auf ältere Siedlungsorte wären somit im weiteren Umfeld der Hüchtebrockstraße zumindest vorhanden.

Wo sich dieser Hof, der in der Heimatforschung sogar als Wasserschloss bezeichnet wurde, befand, ist nicht bekannt. Archäologische Nachforschungen, die Auswertung historischer Kartenwerke und von historischen Fotos erbrachten keine eindeutigen Hinweise auf den alten Familiensitz.

Dass sich bisher keine klaren Spuren fanden, könnte einen anderen Grund haben: Andreas Koerner schreibt in einem Leserbrief zum Thema Hüchtebrock in den Borbecker Nachrichten vom 25. Mai 2017: „ Über Hüchtebrock als Freiengut im Borbecker Raum hatte der Borbecker Lehrer und Heimatforscher Dr. Joseph Kahn erstmals etwas veröffentlicht. ...Aus der Zeit von 1534 bis 1551 wird über Bettinckrade (Bedingrade) berichtet, dass es 35 große und kleine bewohnte Hausstätten umfasste... Der von Kahn genannte Bericht von 1534 bis 1551 ist bisher nicht nachgewiesen. Auch wenn diese Quelle irgendwann gefunden würde, hätte man nur die Information, dass der Huchtebrock'sche wüste lag. Leider hat diese sehr unsichere Information sozusagen Karriere gemacht, indem am 7. September 1960 in Frintrop eine Straße den Namen Hüchtebrockstraße erhielt. Wie es dazu kam, schilderte Erwin Dickhoff (1926 -2012) in einem Brief vom 5. Februar 2001 an Ludwig Wördehoff. ... Es gibt in den stiftischen Urkunden und Akten nicht einen einzigen Hinweis auf einen derartigen Hof. ...Wenn etwas zur Klärung beitragen könnte, dann nur der Urkundenbestand des Hauses Gartorp, auf dem die Hüchtebrocks ansässig waren." In den "Essener Straßen" hatte Dickhoff einfach die Vermutungen, dass es ein Freiengut Hüchtebrock der gleichnamigen Familie gab und dass es einen Bericht von 1550 gibt, als Tatsachen hingestellt. In dem (o.g.) genannten Brief schrieb Erwin Dickhoff noch: "Was das "Freiengut" Hüchtebrock betrifft, so würde ich mir keine großen Gedanken mehr darüber machen. Ich möchte dieses Gut in das Reich der Fabel verweisen."

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Herr Dr. Hopp, Detlef
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