Stadtarchäologie - Fund des Monats August 2020

Eine Notgrabung auf dem Theaterplatz

Im April 2020 wurde durch eine Straßenbaufirma vor dem Grillo Theater am Theaterplatz eine große Baufläche abgesichert. Die Stadtwerke mussten eine so genannte Sofortmaßnahme durchführen, denn der öffentliche Kanal, der in einer Tiefe von 7,50 m unter der der Geländeoberkante verlief, war schwer beschädigt. Inzwischen haben aber die Archäologen ihre Arbeit beendet.

Gefunden wurden die Überreste eines Gebäudes aus dem 18.Jahrhundert. Das Gebäude selbst, in dem im 19. Jahrhundert noch ein Papiergeschäft untergebracht war, wurde erst kurz vor Errichtung des Grillo-Theaters 1892 abgerissen. Daneben und dort, wo heute das Theater steht, dehnte sich auf größerer Fläche der Clevische Hof aus. Hier war der Hof der Grafen von der Mark, der Herzöge von Kleve und Kurfürsten von Brandenburg. Bis zur Errichtung des Grillo-Theaters, stand noch, allerdings schon außerhalb der neuen Baugrube, das zweistöckige Gebäude der evangelischen Schule: Das älteste der geborgenen Fragmente von Gebrauchskeramik reicht etwa in das 15./16. Jahrhundert zurück.

In der Baugrube fanden sich auch viele alte Versorgungsleitungen für Elektrizität, Gas und Wasser. Bemerkenswert sind gusseiserne Leitungen, eine davon für Gas und zwei für Trinkwasser. Schon auf einer Fotografie von 1870 sind wahrscheinlich am Standort des späteren Theaters Gaslaternen zu erkennen (Abb., Bildvordergrund). Franz Dinnendahl war 1810 in Essen der erste Nutzer von Gas zu Leuchtzwecken. Seine Kunstschmiede lag unweit des Grillo Theaters. Die beiden Frischwasserleitungen wurden um 1890 und 1840 verlegt: Frisches Trinkwasser zählt zu den Grundbedürfnissen der Menschen und so besaß Essen schon im Mittelalter eine Frischwasserleitung aus ausgehöhlten Erlen- und Eichenstämmen.

Da die hölzerne Wasserleitung oft Wasser verlor, weil sie nicht ausreichend abgedichtet werden konnte, wurden immer wieder Reparaturen notwendig. In den Jahren 1841-1842 wurde sie schließlich durch eine Leitung aus Gusseisen ersetzt.

Stadtarchäologie

Herr Dr. Hopp, Detlef
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