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Folkwang und Kurt Jooss

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folkwangkreativ 4

Kurt Jooss

Kurt Jooss in den 60er Jahren

Kurt Jooss in Christgeburt 1949

Weihnachtsspiel CHRISTGEBURT von Ludwig Weber an der Folkwangschule im Dezember 1949 mit Kurt Jooss als Josef
Programmheft zum vierteiligen Ballettabend, Spielzeit 1951/52: GROßSTADT 1926, FANTASIE, COLOMBINE und DER GRÜNE TISCH von Kurt Jooss

Der grüne Tisch 2007

Ballettabend mit DER GRÜNE TISCH von Kurt Jooss am Aalto-Theater 2007

Kurt Jooss in Essen

"Der grüne Tisch"

Mit dem Tänzer und Choreografen KURT JOOSS hielt 1927 der moderne Tanz Einzug in Essen. Er war Mitbegründer der Folkwangschule für Musik, Tanz, Sprechen und erster Leiter der Tanzabteilung 1927-1933. Der Folkwang Tanz gibt seit seiner Gründung 1927 durch Kurt Jooss immer wieder wegweisende Impulse in die nationale und internationale Tanzszene. Neben der Leitung der Tanzabteilung der Folkwangschule von 1927-1933 übernahm er 1930 die Ballettdirektion für das Essener Opernhaus. Für die "Folkwang-Tanzbühne", die zum ständigen Ensemble des Opernhauses wurde, choreografierte er eine Reihe maßgeblicher Ballette. DER GRÜNE TISCH, die expressive tänzerische Darstellung von Macht, Krieg und Tod zur Musik von Fritz A. Cohen, gewann 1932 beim Choreographischen Wettbewerb in Paris den 1. Preis und gilt heute als Klassiker, der den internationalen Ruf des Folkwang Tanz begründete. 1933 endete die Arbeit jäh, weil Jooss sich weigerte, seine jüdischen Mitarbeiter zu entlassen. Unter dem Namen "Ballets Jooss" tourte er mit seinem Ensemble mit großem Erfolg durch die Welt.

Weihnachtsspiel "Christgeburt"

1949 kehrte Kurt Jooss nach Essen zurück und übernahm dort bis zu seiner Pensionierung 1968 die Leitung der Tanzabteilung der heutigen Folkwang Universität der Künste. Für das Weihnachtsspiel "Christgeburt" von Ludwig Weber entwarf er anlässlich des 25jährigen Kompositionsjubiläums die Choreografie und übernahm selbst die Rolle des Josef. In dieser Form wurde das Kammerspiel "zum Darstellen, Singen und Tanzen" aus dem Jahre 1924 volkstümlich und erlebte unzählige Aufführungen in der Aula der ehemaligen Abtei. Wie kaum ein anderes Werk stand es die gesamten 1950er Jahre hindurch für die Folkwang-Idee. Tausende von Menschen pilgerten alljährlich zur Weihnachtszeit nach Werden. Heute ist die damalige Anziehungskraft des Weihnachtsspiels kaum mehr nachvollziehbar und alle Versuche, es wieder aufleben zu lassen, scheiterten.

Vom Folkwang-Tanztheater zum Folkwang-Ballett

Mit der Erhebung der Folkwangschule zur Hochschule erhielt Kurt Jooss 1963 eine Professur für Choreografie und wurde zum Direktor des angeschlossenen FOLKWANG-TANZTHEATERs, das sich später FOLKWANG-BALLETT nannte. 1968 verließ Jooss die Folkwang Hochschule, 1979 starb er an den Folgen eines Autounfalls.

Jooss' Schülerinnen und das Tanztheater

Folkwang Tanzstudio

Jooss' Schülerinnen sollten das Tanztheater der Bundesrepublik entscheidend prägen: PINA BAUSCH, REINHILD HOFFMANN, SUSANNE LINKE. Diese drei Choreografinnen haben mit ihrer Arbeit entscheidend das Profil des Folkwang Tanzstudios geprägt und darüber hinaus zur Renaissance des Modernen Tanzes in Deutschland beigetragen. Nach dem altersbedingten Ausscheiden von Kurt Jooss aus der damaligen Folkwang Hochschule im Jahr 1968 übernahmen sie nacheinander die Leitung des Tanzensembles. 1975 wurde es in FOLKWANG TANZSTUDIO umbenannt.

Pina Bausch Theater

Von 1983 bis zu ihrem unerwarteten Tod 2009 lenkte wiederum Pina Bausch, die Leiterin des Tanztheaters Wuppertal, auch die künstlerischen Geschicke des Ensembles. Im Gedenken an die große Künstlerin wurde die geschichtsträchtige Bühne Alte Aula der Folkwang Universität der Künste noch im Todesjahr in Pina Bausch Theater umbenannt.

Kurt-Jooss-Preis

Anlässlich des 100. Geburtstags von Kurt Jooss, Mitbegründer der Folkwangschule und Gründer des Folkwang Tanzstudios, wurde im Jahre 2001 die Verleihung eines nach ihm benannten Tanzförderpreis für junge Choreographen ins Leben gerufen. Die mit 6.000 Euro dotierte Auszeichnung wird von der Stiftung Anna Markard (geb. Jooss), Herman Markard und der Stadt Essen seit dem Jahr 2001 international ausgeschrieben und alle drei Jahre an Choreographen verliehen, die noch nicht arriviert sind.