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Vorstellung Bericht "Monitoring ausgewählter Handlungsfelder der Grünen Hauptstadt Europas Essen 2017"

Vorstellung des Monitoring-Berichtes zu ausgewählten Handlungsfeldern der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017 v.l.n.r : Gerda Kassner, Stabsstelle "Grüne Hauptstadt Agentur", Matthias Sinn, Leiter des Umweltamtes und Projektteamleiter der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017, Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie GmbH und Simone Raskob, Umwelt-, Bau- und Sportdezernentin und Projektleiterin der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017

Vorstellung des Monitoring-Berichtes zu ausgewählten Handlungsfeldern der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017:
v.l.n.r : Gerda Kassner, Stabsstelle "Grüne Hauptstadt Agentur", Matthias Sinn, Leiter des Umweltamtes und Projektteamleiter der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017, Prof. Dr.-Ing. Manfred Fischedick, Vizepräsident des Wuppertal Instituts für Klima, Umwelt, Energie GmbH und Simone Raskob, Umwelt-, Bau- und Sportdezernentin und Projektleiterin der Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017

Foto: Elke Brochhagen

Online-Befragung und Wirkungsanalyse in vier ausgewählten Handlungsfeldern

Der European Green Capital Award wurde 2008 mit dem Ziel gegründet, Großstädte auszuzeichnen, die sich dauerhaft für hohe Umweltstandards und nachhaltige Entwicklung einsetzen. Mit der Auszeichnung der Stadt Essen für das Jahr 2017 wurde sowohl ihr bisheriges Engagement u.a. in den Themen Klimawandel, Verkehr, Umwelt- und Ressourcenschutz gewürdigt als auch ihre Bestrebungen, den ökonomischen Strukturwandel in der Stadt nachhaltig zu bewältigen.

Umso bedeutsamer ist es daher, festzuhalten, in welcher Weise die Projekte und Aktivitäten zur Grünen Hauptstadt Europas in der Stadt Wirkungen erzielt haben.

Diese und weitere Fragen waren der Gegenstand der Begleitforschung zur Grünen Hauptstadt, die von einem Team des Wuppertal Instituts, der Universität Duisburg-Essen, der Ruhr-Universität Bochum und der Technischen Universität Dortmund umgesetzt wurde.

Das Forschungsteam führte hierzu Befragungen von Teilnehmenden ausgewählter Veranstaltungen der Grünen Hauptstadt durch, wertete eine große webbasierte Befragung aus dem Herbst 2017 aus und unternahm Wirkungsanalysen in vier ausgewählten Handlungsfeldern: Grünflächen und Klimawandel, Nahverkehr und Mobilität, Luftqualität und CO2-Emissionen, Öko-Innovation und Beschäftigung.

Der nun vorliegende Bericht ist Teil der Dokumentation, die die Stadt Essen an die Europäische Kommission als Abschlussbericht der Grünen Hauptstadt geben wird. Die EU-Kommission legte in diesem ersten Bericht ein besonderes Augenmerk auf eine Analyse zu den vier der zwölf Handlungsfelder des European Green Capital Awards. Eine umfangreichere Analyse, die sich über alle zwölf Handlungsfelder erstrecken soll, wird von der Kommission fünf Jahre nach dem Titeljahr erwartet.

Die Online-Befragung

Im Rahmen der Begleitforschung zur Grünen Hauptstadt Europas – Essen 2017 führte das Projektkonsortium eine Webbefragung mit Essener Bürgerinnen und Bürgern durch. Ziel der Befragung war es, den Bekanntheitsgrad des Projektes in der Stadt zu erkunden, Einschätzungen über die Qualität von Veranstaltungen, Projekten und Produkten in Erfahrung zu bringen und die Wirkungen der Grünen Hauptstadt bei den Teilnehmenden abzuschätzen.

Es ging um Fragen zur allgemeinen Lebensqualität und -zufriedenheit in der Stadt, zum Informationsstand und zur Teilnahme bzw. Mitwirkung an Aktivitäten zur Grünen Hauptstadt 2017, sowie um persönliche Informationen der Teilnehmenden.

Die Befragung wurde im Zeitraum vom 25.09. bis 20.10.2017 durchgeführt. Insgesamt haben 1.885 Menschen an dieser Befragung teilgenommen.

Einschätzung der Lebensqualität in Essen und Herausforderungen in der Stadtentwicklung

Die Befragung ergibt sehr deutlich, dass die Essener Bürgerinnen und Bürger überwiegend zufrieden mit der Lebensqualität in ihrer Stadt sind: Etwa 80 Prozent der Befragten leben gerne in Essen und ca. 75 Prozent sind mit den Einkaufsmöglichkeiten in der Stadt zufrieden. Über 80 Prozent empfinden Essen als eine Stadt mit vielen Parks, Wäldern und Gärten.

Wirkungen der Grünen Hauptstadt

Die Befragung ergab, dass viele Teilnehmende etwas Bedeutsames und Positives mit der Grünen Hauptstadt verbanden. So entwickelten viele einen großen Stolz und würdigten den Wandel von der „grauen, stickigen Vorzeit“ zur „grünen, liebenswerten Großstadt“. Darüber hinaus befürworteten knapp ein Drittel (31 Prozent) der Teilnehmenden den Titel und sprachen sich dafür aus, dass Essen durch diesen einen Image-Gewinn erzielen kann, welcher weit über die Grenzen des Ruhrgebietes hinausweist. Zudem erhofften sich die Teilnehmenden auch eine Steigerung der Attraktivität Essens als Wirtschaftsstandort.

Wirkungsanalysen in vier ausgewählten Handlungsfeldern

Während die Befragungen auf die Wahrnehmungen und Bewertungen der Essenerinnen und Essener zur Grünen Hauptstadt zielten, unternahm das Team der Begleitforschung ergänzende Analysen in vier ausgewählten Handlungsfeldern, um deren mögliche Wirkungen in der Stadt zu erfassen.

"Grünflächen und Klimawandel"

Der vorliegende Bericht empfiehlt, die Verfügbarkeit von Grünanlagenfläche pro Kopf in Stadtteilen von Essen regelmäßig zu erheben.

Die Datenerfassung könnte weiter spezifiziert werden, z.B. auf besondere Bevölkerungsgruppen (u.a. Kinder, alleinerziehende Mütter, Rentnerinnen und Rentner oder Personen mit Migrationshintergrund). Auf dieser Grundlage könnte dann ggf. gezeigt werden, dass sich die Verdichtung des Grünflächennetzes auch für spezifische Personengruppen positiv auswirkt.

Hinsichtlich der Aktivitäten der Stadt wird darüber hinaus empfohlen, die Ausstattung der grünen Infrastruktur in Essen weiter voranzutreiben. Insbesondere das Handlungskonzept „ESSEN.Neue Wege zum Wasser“ und dessen Realisierung durch Grün und Gruga Essen bietet hier gute Ansatzpunkte.

Insgesamt ist die Stadt mit ihren vielfältigen Initiativen zur Förderung der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit den Bürger- oder Naturschutzgruppen, dem Essener Kleingartenwesen sowie der Land- und Forstwirtschaft auf einem guten Weg. Wichtig ist, dass diese Kooperationen auch in Zukunft nachhaltig ausgestaltet werden. Das Wissen über entsprechende zivilgesellschaftliche Initiativen und die Unterstützung ihrer Aktivitäten ist von unschätzbarem Wert.

"Nahverkehr und Mobilität"

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der im Herbst 2017 durchgeführten Online-Befragung geben ein sehr hohes Niveau an Lebensqualität in der Stadt an. Allerdings werden auch die hohen Umweltbelastungen bemängelt, vor allen Dingen durch den Verkehr und dessen Lärmemissionen und Schadstoffausstöße.

Unabhängig vom weiteren Fortgang der bundespolitischen Diskussion über mögliche Fahrverbote, ist daher insbesondere am Verkehrssektor im Anschluss an das Hauptstadtjahr anzusetzen. Der Verkehrssektor in all seinen Facetten ist in der Stadt – wie in vielen anderen Großstädten auch – ein Schlüsselsektor, Luftqualitäten deutlich zu verbessern und Emissionsniveaus deutlich zu senken.

Eine aktive Kommunikation und Bewerbung des Zu-Fuß-Gehens durch die Stadt Essen sollte darauf zielen, die Sensibilität der Bevölkerung zu steigern. Allerdings bedarf es auch einer kontinuierlichen Verbesserung des Wegenetzes und der Fußgängerinfrastruktur, an der eine entsprechende positive Kommunikation ansetzen kann. Insgesamt sollten zukünftig anvisierte Aktivitäten im Bereich des Fußverkehrs in einer umfassenden Fußverkehrsstrategie (vgl. das Beispiel Berlin) gebündelt werden. Wichtig ist dabei die systematische Verbindung mit anderen Verkehrsmodi, insbesondere mit dem ÖPNV. Eine Verdichtung des Haltestellennetzes und damit kürzere Entfernungen von Wohnort zu Haltestelle, vor allen Dingen in Quartieren mit weitmaschigeren Haltestellennetzen, kann Nutzerinnen und Nutzer dazu anregen, das Auto in der Garage zu lassen, zu Fuß zur Haltestelle zu gehen und den öffentlichen Nahverkehr stärker zu nutzen.

Der Radverkehr sollte bei der Planung von Hauptverkehrsstraßen stärker berücksichtigt werden, um das Rad als Verkehrsmittel im Alltag zu fördern. Bei begrenztem Straßenraum des Innenstadtbereichs bedeutet ein Ausbau der Radwegeinfrastruktur u.a. eine Rücknahme des Platzangebotes für den motorisierten Individualverkehr. Erfahrungen in anderen Städten zeigen, dass ein restriktives Parkraummanagement im Innenstadtbereich keinesfalls zu einer Senkung der Kaufkraft führt. Das Image von Essen als "Einkaufsstadt" würde dadurch nicht gefährdet.

"Luftqualität"

Da sich die Luftqualität als eigenständiges Handlungsfeld kaum separieren lässt und stark mit anderen Handlungsfeldern verzahnt ist (u.a. Verkehr, Energie, Industrie/Gewerbe), zielen die Empfehlungen im Handlungsfeld "Luftqualität" lediglich auf die Weiterentwicklung von Richtwerten sowie die Umsetzung ambitionierter Handlungsansätze.

Zum einen sollte die Stadt erwartbare größere Luftqualitätsprobleme antizipieren, indem sie auf diese Gefahren (weiterhin) in der Stadtgesellschaft hinweist und auf Stadtebene umsetzbare Strategien zur Verbesserung weiter verfolgt. Dazu hinzugezogen werden können WHO-Empfehlungen, die im Vergleich zu EU-Richtlinien zur Einhaltung der Luftqualität strengere Luftreinhaltungsziele verfolgen.

Zudem ist die Kooperation in der Region zum Erreichen gemeinsamer Ziele ein weiterer wichtiger Erfolgsfaktor wie auch die weitere konsequente Umsetzung des Luftreinhalteplans.

"Öko-Innovation und Beschäftigung"

Im vorliegenden Bericht wird empfohlen, ein aktualisiertes strategisches Konzept der nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung und -förderung aufzulegen, ggf. auch in enger Zusammenarbeit mit der regionalen Wirtschaftsförderung BusinessMetropoleRuhr.

Seit der Verabschiedung des letzten Klimaschutzkonzeptes in der Stadt Essen haben sich die Rahmen- und Handlungsbedingungen des kommunalen Klimaschutzes derart verändert, dass auch ein hoher Bedarf einer strategischen Aktualisierung des Klimaschutzkonzeptes besteht Das Handlungskonzept von 2009 spiegelt diese neuen Entwicklungen nicht mehr angemessen wider, auch wenn sich eine Vielzahl von Maßnahmen aus dem damaligen Konzept noch in Umsetzung befinden. Diese neuen Entwicklungen sollten sich in einer aktualisierten Klimaschutzstrategie der Stadt niederschlagen, die einen direkten Bezug zu einem Konzept der nachhaltigen Wirtschaftsförderung herstellt.

Der vollständige Bericht ist hier online einsehbar (pdf, 1765 kB) ReadSpeaker.