Archäologie in Essen

Über 2000 archäologische Fundstellen sind in Essen bekannt und jährlich kommen zahlreiche Neuentdeckungen hinzu. Essen ist eine der fundreichsten Städte im Ruhrgebiet.
Dennoch wird die Geschichte der Stadt oft genug auf Krupp und den Bergbau, die seit dem beginnenden 19. Jahrhundert die Stadt prägten, reduziert.

Archäologische Grundlagen

Die ältere Vergangenheit Essens, die Zeit vor der Industrie, ist heute weitgehend vergessen, und durch den Strukturwandel verschwinden mehr und mehr selbst die Zeugnisse der das Ruhrgebiet prägenden Industrien für Kohle und Stahl.

Ausgrabungen in Essen haben in der Vergangenheit gezeigt, dass schon seit alters her die fruchtbaren Boden und gute Verkehrswege die Grundlagen für beste Siedlungsbedingungen boten. So ist der beispielsweise der Hellweg schon in den Jahrhunderten vor Christi Geburt als Verkehrsführung nachweisbar und auch die Flussnamen zeugen von einer lange zurückreichenden Besiedlung. Dabei reichen die Funde in Essen weit, bis in die Altsteinzeit, zurück, wie die berühmte Vogelheimer Klinge, eine Messerklinge aus Feuerstein, zeigt. Die größte Zahl archäologischer Fundstellen datiert in das Mittelalter: Mit der Essener Innenstadt, Steele und Werden existierten im heutigen Stadtgebiet immerhin drei selbständige mittelalterliche Städte. In der Innenstadt befand sich das Frauenstift Essen, in Werden die berühmte Benediktinerabtei.

Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege

Durch die Ansiedlung beim Institut für Denkmalschutz und Denkmalpflege steht die Stadtarchäologie in engem Kontakt mit Verwaltungseinrichtungen, Planern und Bauherren, also denen, die in der Stadt bauen wollen. Weniger Ausgrabungen prägen den Arbeitsalltag, als die Überprüfung von Bauanträgen oder zum Beispiel Bürgerberatungen. Sind archäologische Belange bei Bauvorhaben betroffen, werden Archäologen aktiv, so dass es vor oder auch während einer Baumaßnahme zu einer Ausgrabung kommen kann. Die Stadtarchäologie und auch Ausgrabungsfirmen dokumentieren archäologische Spuren und bearbeiten die Funde. Die Stadtarchäologie informiert die Öffentlichkeit durch Vorträge, Veröffentlichungen und Ausstellungen. So werden beispielsweise die Funde eines jeden Jahres in der Ausstellung "Stadtarchäologie in Essen" im Rathaus der Stadt präsentiert. Aktuelle Ergebnisse ihrer Arbeit dokumentiert die Stadtarchäologie auch im Internet (Fund des Monats).

Erhaltung als wichtigste Aufgabe

Die Erhaltung der Bodendenkmäler ist die wichtigste Aufgabe der Stadtarchäologie, die in dieser Form seit 1992 besteht. Nur, wenn dieses nicht möglich ist, werden diese von Archäologen ausgegraben und die Befunde dokumentiert und ausgewertet.

Ein Bodendenkmal, was ist das?

Im Boden erhalten gebliebene Relikte von Siedlungen und Gräberfeldern, Befestigungen, künstlich angelegten Gewässern, Produktionsstätten aber auch von alten Wegeverbindungen sind Bodendenkmäler. Meistens handelt es sich bei den Überresten um Mauern, Fundamente, Erdschichten oder Bodenverfärbungen aber auch um sichtbare Relikte wie Wälle oder Hügel.

Entdeckung von Bodendenkmälern

Werden bei Baumaßnahmen oder anderen Erdarbeiten geschichtliche Überreste, wie Scherben, Mauerreste oder Bodenverfärbungen, entdeckt, ist der Finder gesetzlich verpflichtet, dies unverzüglich zu melden. Für Essen nehmen die Anzeige die Denkmalbehörde der Stadt oder die Außenstelle Xanten des LVR - Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland - entgegen. Die Fundstelle muss über drei Werktage in unverändertem Zustand belassen bleiben. Den Bodendenkmalpflegern soll damit die Möglichkeit einer Untersuchung und Dokumentation gegeben werden.

Erlaubnispflicht und Planungssicherheit

Wer im Bereich von Bodendenkmälern in den Boden eingreifen will, benötigt dafür eine schriftliche denkmalrechtliche Erlaubnis der Denkmalbehörde der Stadt Essen. Für den Bauherrn schafft die frühzeitige Abstimmung mit der Denkmalbehörde Planungssicherheit, der so das Bodendenkmal in seine Zeit- und Finanzkalkulation einbeziehen kann.

Das Denkmalschutzgesetz in seiner Fassung vom 11. Juli 2013 regelt, dass für die Kosten der Veränderung oder Beseitigung des Denkmals und die vorherige wissenschaftliche Untersuchung, die Bergung von Funden und die Dokumentation der Befunde der Träger des Bauvorhabens im Rahmen des Zumutbaren aufkommen muss.

Grabungserlaubnis

Derjenige, der nach Bodenfunden suchen und diese ausgraben will, benötigt dafür eine schriftliche Genehmigung (Grabungserlaubnis). Dies gilt auch für den Einsatz von Metalldetektoren (Sonden). Für das Essener Stadtgebiet muss die Grabungsgenehmigung bei der Oberen Denkmalbehörde in der Bezirksregierung Düsseldorf beantragt werden. Erteilt oder versagt wird die Erlaubnis nach Rücksprache mit der Denkmalbehörde Essen und im Benehmen mit dem LVR - Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland.

Literaturhinweise

Burgenland Essen
Burgen, Schlösser und feste Häuser in Essen
Bianca Khil, Detlef Hopp, Elke Schneider (Hg.), Essen 2017

Weitere Literaturhinweise

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