Allgemeines

Das Sachgebiet Inventarisation des Instituts für Denkmalschutz und Denkmalpflege / ID erarbeitet und dokumentiert historische und kunsthistorische Informationen über Essener Baudenkmäler. (Die Begriffe historisch und kunsthistorisch werden in nachstehendem Text unter dem Begriff historisch zusammengefasst.)

Historische Informationen über Bodendenkmäler, Bodenfunde und -fundstellen werden im Sachgebiet Stadtarchäologie erarbeitet und dokumentiert.

Bei der Baudenkmal-Inventarisation werden die Ergebnisse, laufenden Arbeiten und Vorhaben berücksichtigt, die von der Abteilung Inventarisation des "LVR - Amts für Denkmalpflege im Rheinland" / ADR mitgeteilt wurden bzw. werden.
(LVR = Landschaftsverband Rheinland)

Grundlegende Bedeutung kommt den Ergebnissen der Baudenkmal-Inventarisation zu, die Anfang der achtziger Jahre vom Amt für Denkmalpflege im Rheinland / ADR in Essen nach Inkrafttreten des Denkmalschutzgesetzes (1980) durchgeführt und Ende 1984 weitgehend abgeschlossen wurde. Bei dieser Aktion des ADR wurden aus der Zeit bis um 1940 über 800 Baudenkmäler im Stadtgebiet Essens erfasst und mit Kurzbeschreibungen, Datierungen und Fotos dokumentiert. Das ADR beantragte 1984 bei der Stadt Essen, diese Objekte gemäß § 3 DSchG in die Denkmalliste der Stadt Essen einzutragen, also unter gesetzlichen Denkmalschutz zu stellen. Soweit eine fachliche historische Bearbeitung der Anträge als erforderlich oder zweckmäßig erschien, wurde sie von der Inventarisation des ID durchgeführt.
Hier ein Beispiel eines Denkmalschutzantrags des ADR von 1984:

"Schuirweg 71  (Halfmannshof)
M. 18. Jh.;
2-geschossiges Fachwerkhaus mit angebautem Wirtschaftsteil, eine Traufseite und ein Giebeldreieck verschiefert (bzw. teilweise Eternitschiefer) mit profilierten Balken; Ständergeschoßkonstruktion, Unterrähmzimmerung; traufseitiger Eingang mit Oberlicht und originalem, zweigeteiltem Türblatt; ebenfalls traufseitig große Einfahrt; als Verlängerung an einem Giebel angebaut 2-flügelige Backstein-Wirtschaftsgebäude des 19. Jhs.; der auf der rückwärtigen Traufseite befindliche 2. Eingang hat ebenfalls ein originales quergeteiltes Türblatt und Oberlicht."

Durch die ergänzende Bearbeitung des ID trat unter anderem zutage, dass die traufseitige Einfahrt erst 1894 angelegt wurde und dass das Einfahrtstor  ursprünglich in dem noch erhaltenen, teils zugebauten Westgiebel lag, ein wichtiger bautypologischer Unterschied. Das erwähnte zweiflügelige Wirtschaftsgebäude war erst 1896 erbaut worden und wurde daher abweichend von diesem Antrag auf Hinwirken des ID nicht in die Denkmalliste eingetragen. Ebenfalls wurde ein 1894 angebauter rückseitiger Wirschaftsteil vom Denkmalschutz ausgeschlossen. Eine Zusammenfassung des Arbeitsergebnisses der Inventarisation ist in Form der Denkmalkarteikarte im Ratsinformationssystem veröffentlicht.

Wie mit dem obigen Beispiel verdeutlicht werden soll, stellt die Inventarisation des ID eine Ergänzung der Inventarisation des ADR dar und konzentriert sich überwiegend auf Sonderfälle aus den Verfahren zur Unterschutzstellung. Über Entscheidungen der Inventarisation des ID, die als Votum in Unterschutzstellungsverfahren eingebracht werden, wird zuvor das Benehmen mit der Inventarisation des ADR hergestellt. Das Benehmen ist im § 21 DSchG vorgeschrieben und geschieht auf der Grundlage eines Austausches der erarbeiteten historischen Erkenntnisse über das behandelte Objekt. 

Weitere Beispiele aus der Arbeit der Inventarisation sind auf einer entsprechenden Seite verzeichnet.

Um in einem überschaubaren Zeitraum historisch-denkmalkundliche Informationen zu bestimmten größeren Denkmalgattungen für denkmalpflegerische Entscheidungen und Planungen zur Verfügung zu haben, wurden vom Institut für Denkmalschutz und -pflege / Untere Denkmalbehörde externe Fachgutachten vergeben. Ein Beispiel ist das Gutachten zur Ermittlung von Denkmälern der Fünfziger Jahre in Essen von Prof. Dr. Joachim Petsch
(† 6.VI.2008), Kunsthistorisches Institut der Universität Bochum: Petsch, J.: Bestand qualitätvoller Bauten aus den "Fünfziger Jahren" in Essen. Gutachten im Auftrag [22.04.1991] der Stadt Essen, Untere Denkmalbehörde. Mitarbeit: Hans H. Hanke, Wiltrud Petsch-Bahr, Annette Zehnter. Bochum, Februar 1994. Kopien zur öffentlichen Einsichtnahme sind im Haus der Essener Geschichte vorhanden.

Historisch-denkmalkundliche Informationen gehören zu den Grundlagen, die oft auch  n a c h  der Unterschutzstellung bei denkmalpflegerischen Entscheidungen zu Rate gezogen werden müssen, zum Beispiel bei Entscheidungen über Erlaubnisse nach § 9 DSchG. Daher liefert die Inventarisation nicht nur aktuelle Entscheidungsgrundlagen für eine Unterschutzstellung, sondern auch langfristig wirksame wichtige Kenntnisgrundlagen für die weitere Betreuung des Denkmals durch die Dienststellen der Denkmalpflege und sie trägt zur Förderung von Verständnis und Interesse der Denkmal-Eigentümer/innen bei.

Jahresberichte über Aktivitäten und Fortschritte der Inventarisation sind auf der entsprechenden Seite verzeichnet.

Die Denkmalliste (Denkmalkarteikarten) und Inventarisations-Gutachten

Die Denkmalliste enthält einige der wichtigsten topographischen und historischen Angaben über die nach § 3 DSchG geschützten Denkmäler. Die Objektbeschreibungen und -datierungen beruhen zum größten Teil auf den oben genannten Anträgen des ADR von 1984. Die Denkmalliste ist mit Hilfe des Geographischen Informationssystems (GIS) der Stadt Essen im Internet einsehbar. Das GIS bietet verschiedene wählbare Auswahlkritierien, nach denen Inhalte der Denkmalliste angezeigt werden können. Systematik und Treffsicherheit der Auswahlabfragen sollen teilweise noch weiterentwickelt werden. Historisch Interessierten mit geringerer Literaturkenntnis dient die Denkmalliste oft als erste und einzige Informationsquelle. In der Regel jedoch sind die historischen Angaben in der Denkmalliste sehr knapp. Daher müssen meist ergänzende Informationen aus der Literatur hinzugezogen werden. (Siehe unten: Literatur über Denkmäler.)   

Das Sachgebiet Inventarisation konzentriert sich im Rahmen von Unterschutzstellungs-Verfahren auf die Ermittlung und Bereitstellung von historischen Informationen über Objekte, die bereits als Baudenkmäler bewertet sind, und über andere, noch auf Denkmalwert zu untersuchende Objekte. Die Informationen liegen in der Regel in Form von Denkmalkarteikarten (1) und/oder Inventarisationsgutachten (2) vor. Sie bestehen aus einer kurzen Objektgeschichte und -beschreibung, versehen aktuellen Fotos und Lageplan sowie mit Literatur- und Quellenangaben. Die Inventarisationsgutachten können ferner Reproduktionen von Quellen enthalten, zum Beispiel historische Fotos und Darstellungen aus historischen Plänen.
Beispiel zu 1:
Denkmalkarteikarte zur Villa Witwe Schürmann geb. Scheidt in Kettwig.
Beispiel zu 2:
Inventarisationsgutachten zur Turnhalle an der Serlostraße in Altendorf, Bestandteil einer Vorlage für die Sitzung der städtischen Bezirksvertretung III am 14.05.2009.
Die interne und die über das Internet öffentliche Bereitstellung der Textdaten der Denkmalliste wurde 1999 - 2000 von der Inventarisation des ID durch eine Datenerfassung vorbereitet, die im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) realisiert werden konnte. Diese Denkmallistendaten wurden ab 2001 zunächst von Dr. Christian Eiden, damals Mitarbeiter des ID, auf seiner privaten Internetseite "cliolink" veröffentlicht . Später wurden diese Daten in das GIS integriert und dort auch fortgeschrieben. Mit den 2009 gefertigten Scans der Denkmalkarteikarten sind seitdem auch die enthaltenen Fotos und Lagepläne der Denkmalliste im öffentlichen Teil des GIS.

Literatur über Denkmäler

Die meisten Informationen über bekanntere Essener Baudenkmäler und deren geschichtliche Besonderheiten und Zusammenhänge sind in Büchern veröffentlicht und in Aufsätzen, die in regional- bzw. lokalgeschichlichen Zeitschriften erschienen. Ein großer Teil dieser Literatur, ehemals in der Stadtbibliothek, steht seit 2010 im Stadtarchiv / "Haus der Essener Geschichte" und ist dort einsehbar und teilweise ausleihbar.
Eine gute Einführung und fachkundige, mit Literaturhinweisen versehene Information zu einer umfangreichen und sorgfältigen Auswahl von Essener Denkmälern bietet das Taschenbuch der Kunsthistorikerin Dr. Heike Frosien-Leinz "Städte- und Kulturführer Essen". Es entstand zum größten Teil als ein Projekt der Öffentlichkeitsarbeit bei der Denkmalbehörde / ID und wurde 1998 von der Stadt Essen / Denkmalbehörde und der Verlagsgruppe Beleke herausgegeben. Leider ist es im Buchhandel nicht mehr erhältlich. Eine Reihe von Exemplaren, einige davon entleihbar. steht aber in der Stadtbibliothek und  in der Bibliothek des Stadtarchivs bereit. Für Auswärtige besteht die Möglichkeit der Fernleihe mithilfe einer auswärtigen Bibliothek, die dem Fernleihverkehr angeschlossen ist.  Gelegentlich werden gut erhaltene Exemplare des Buches im Zentralen Verzeichnis antiquarischer Bücher (siehe nebenstehende Verlinkung) zu einem angemessenen Preis angeboten.

Bücher und Aufsätze, die historische Informationen über Essener Denkmäler enthalten, werden von der Inventarisation nach und nach ermittelt, ausgewertet und in einem Literaturverzeichnis dokumentiert. Eine Auswahl der verzeichneten Literatur ist zusammen mit weiterführenden Hinweisen unter dem Titel "Literaturhinweise zur Denkmälern und Denkmalpflege in Essen" im Internet veröffentlicht.

Informationen über gering erforschte Denkmäler

Die Geschichte vieler Essener Baudenkmäler ist nur gering erforscht und von daher in der historischen Fachliteratur kaum dargestellt. Die Arbeiten zur Aufklärung der Denkmal-"Geschichten" sind von der Art des jeweiligen Denkmals, seiner Entstehungszeit und von der Überlieferung bestimmter Quellen abhängig.
Grundlegend für die Aufklärung ist der Befund am Denkmal selbst, im Wesentlichen die genauere Identifikation des historischen Bestandes, seine Prüfung auf Vollständigkeit und seine Unterscheidung von mehr oder weniger unbedeutenden jüngeren Zutaten.
Je nach Situation werden zur Aufklärung ungedruckte Quellen (z. B. historische Bauakten) und/oder gedruckte Quellen (z. B. historische Festschriften) zu Rate gezogen. Zu den meist berücksichtigten Quellengruppen gehören historische Karten und Baupläne, historische Fotos, historisches Schriftgut aus Akten und anderen Unterlagen, gelegentlich mündliche Überlieferung. Hinzu kommt des öfteren der Vergleich mit ähnlichen Objekten der gleichen Denkmalgattung und Entstehungszeit. Die Quellen ruhen an verschiedenen Stellen, so zum Beispiel im Bauaktenarchiv des Bauordnungsamtes, im Stadtarchiv mit den Heimatkundebeständen der Stadtbibliothek, im Foto-Archiv der Stadtbildstelle, aber auch außerhalb Essens, zum Beispiel im Landesarchiv Rheinland in Düsseldorf (frühere Bezeichung "Hauptstaatsarchiv" Düsseldorf). Auch in Privatbesitz befinden sich hin und wieder recht aufschlussreiche Quellen.

Weitere Informationen

Zur Inventarisation sind auf den Seiten "Jahresberichte aus der Inventarisation"  weitere Informationen nachzulesen sowie auf der Seite "Beispiele aus der Arbeit der Inventarisation".
Dr. Martin Bach 6. Juli 2010