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Stadtarchäologie - Fund des Monats September 2018

Abbildung: Steinbeil vom Flughafengelände

Steinbeil vom Flughafengelände (Foto: Stadtarchäologie)

Spuren belegen: Bergbau gab es schon in der Jungsteinzeit

Gern erzählt man in Essen die Geschichte von dem Hirtenjungen, der sich abends ein Feuer machte, dieses mit Steine umstellte und am nächsten Morgen merkte, dass die Steine immer noch "brennen". So sollen die Eigenschaften der Steinkohle entdeckt und in Essen der Bergbau entstanden sein.

Nun, die Eigenschaften der Steinkohle kannte man in Essen wohl schon recht früh: Eine neue Auswertung älterer Fundberichte durch Baoquan Song von der Universität Bochum und dem Stadtarchäologen Detlef Hopp zeigt, dass bereits in der germanischen Siedlung in Überruhr, im 2. bis 4. Jahrhundert und auch in Burgaltendorf, im 5./6. Jahrhundert nach Christus, Steinkohle Verwendung fand. Auch sind einzelne Werkzeuge aus Eisen gefunden worden, mit denen man vielleicht schon früh Kohle abgebaut hat. Erst vor kurzem konnten zudem im Essener Süden sogar Kohlegruben untersucht und in das 13. Jahrhundert datiert werden. Etwa in die gleiche Zeit lassen sich auch die Steinkohlen in einem Lagerfeuer datieren, das im 13. Jahrhundert bei dem Bau der Stadtmauer in der Essener Innenstadt entfacht wurde.

Dennoch sind das bei weitem nicht die ältesten Spuren, die in Essen auf Bergbau deuten: Schon in der Jungsteinzeit entwickelten sich an den Orten, wo Gesteinsarten, besonders der Feuerstein, in ausreichender Menge und Qualität vorkamen, Werkplätze, wo dieses Material nicht nur gewonnen, sondern auch in der Nähe bearbeitet wurde. Von diesen Orten aus entstand ein reger Tauschhandel, der sich an der weiten Verbreitung der Stücke belegen lässt. In Nordrhein-Westfalen lässt sich besonders gut für den Lousberg (bei Aachen, NRW) zeigen, dass schon vor circa 5500 Jahren - sowohl im Tage- als auch im Untertagebau - ein plattiger Feuerstein gebrochen, gefördert und grob bearbeitet wurde. Das schon optisch von anderem Feuerstein zu unterscheidende, graue Material, das durch seine charakteristischen braunen Farbzonen gut zu erkennen ist, fand in der Jungsteinzeit sehr weite Verbreitung. Am Beispiel dieses frühen Bergbaus kann aber auch gezeigt werden, dass bereits in der Jungsteinzeit von einer beruflichen Arbeitsteilung und sogar Spezialisierung auszugehen ist, denn der Feuerstein wurde hier nicht nur gewonnen, sondern in den Siedlungen um den Berg herum zu Beilklingen verarbeitet. Diese Produkte gelangten als begehrte Waren beispielsweise auch nach Essen: So wurden 1924 beispielsweise eine komplette Beilklinge aus Lousberg-Feuerstein auf dem Gelände des Flughafens Essen-Mülheim und 2002 in dessen Nachbarschaft, an der Meisenburgstraße, das Fragment eines weiteren Steinbeiles gefunden.

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