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Stadtarchäologie - Fund des Monats Mai 2010

Foto: Funde vom Fundplatz
Funde vom Fundplatz

Steinzeitliche Funde jenseits des Golfplatzes

Seit den 1980er Jahren wurden von dem 2007 verstorbenen ehrenamtlichen Mitarbeiter Helmut F. Barnick Begehungen auf den südlichen Ruhrhöhen ausgeführt und dabei zahlreiche steinzeitliche Fundplatz entdeckt. Diese befinden sich vor allem in Fischlaken und in Kupferdreh.
Seltener war er in anderen Stadtteilen tätig, entdeckte aber auch hier steinzeitliche Fundstellen. Einer dieser Plätze liegt in Kettwig, ca. einen Kilometer Luftlinie nordöstlich von Schloss Oefte entfernt, südlich eines Waldstückes. Im Osten verläuft der zur Ruhr hin entwässernde Bücker Bach. Der an einem Hang auf etwa 110 m über dem Meeresspiegel gelegene Fundplatz, hat seit den Begehungen im Jahr 1987 keine weiteren Funde mehr erbracht.
Belegt ist nur eine sehr  kleine Zahl von Fundstücken: Es wurden nur sieben Artefakte aufgelesen.
Zwei größere Feuersteinabschläge sind zu nennen, die als Schabgeräte dienten. Bei einem weiteren Gerät handelt es sich um ein stark verrolltes Naturstück, das beidseitig Kantenretuschen besitzt und zudem als Buchtschaber, einem Gerät, das zum Beispiel zum Entrinden von Ästen genutzt werden konnte, gedient haben mag.
Ein etwa 2,7 Zentimeter langes Klingenfragment (EWK 6), das eine ventrale Retusche besitzt, besitzt eine dicke, weiße Patina, ebenso wie ein kräftiger Abschlag.
Zwei weitere Stücke schließlich, ein verbranntes Feuersteinstück, und ein in etwa runder quarzitischer Klopfstein, sind weiterhin zu nennen.
Bemerkenswert sind  in dem geringen Bestand die gefundenen Geräte. Auch der Klopfstein, mit dem beispielsweise auch Knochen zertrümmert werden konnten, um das Mark zu entnehmen, ist hier zu nennen. Abfälle aus der Werkzeugproduktion fehlen aber im Fundgut! Der verbrannte Feuerstein mag als Beleg dafür herangezogen werden können, dass an dem Rastplatz auch ein Feuer gebrannt hatte.

Problematisch ist die Datierung der Fundstücke, bei denen es sich um Lesefunde handelt, Funde also, die aus keinem gesicherten Zusammenhang stammen. Die beiden größeren Feuersteinabschläge, die als "Schabgeräte" dienten, lassen an jungsteinzeitliche Funde denken. Gegen diese Datierung  könnte aber unter Umständen die weiße Patina des Klingenbruchstückes und des Abschlages sprechen, die ein höheres Alter für die Funde vermuten lässt.

Ohne weitere Funde ist eine genauere Datierung dieses Fundplatzes - vielleicht eines kurzzeitigen Rastplatzes unserer Vorfahren, nicht möglich.