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Meerbruchstraße

Foto: Skulptur mit zwei Katzen
Denkmalgeschützte Zechensiedlung in der Meerbruchstraße

Ein Kleinod, gesehen mit dem Auge des Denkmalschutzes

Die Meerbruchstraße ist ein schmaler, ursprünglicher nur durch eine Bahnlinie, heute auch noch durch eine in den [19]70er Jahren gebaute Durchgangsstraße (Zollvereinstraße) unterbrochener und in einem Wendehammer endender Straßenzug.

Von zeitgeschichtlicher, architektonisch und städtebaulicher Bedeutung

Die Meerbruchstraße als nahezu original erhaltenes Fragment der ehemaligen Arbeitersiedlung Hegemannshof verdeutlicht in ihrer homogenen Struktur typische Tendenzen des Siedlungsbaues ihrer Zeit und ist damit zeitgeschichtlich, architektonisch und städtebaulich bedeutend. Gleichzeitig ist die Meerbruchstraße ein wichtiges Dokument der Lebensverhältnisse der Bergbauarbeiter seit 1860 und daher bedeutend für Erkenntnisse der Entwicklung der Arbeits- und Produktionsverhältnisse und ebenso bedeutend für die soziologische Geschichte des Menschen.

Die Meerbruchstraße ist durch die Umstände ihrer Entstehung - hinsichtlich ihrer historischen, städtebaulichen und soziologischen Konzeption - als abgeschlossener Teil einer Siedlung zu werten und somit als ein Baudenkmal gemäß § 2, Abs. 1 und 2 Denkmalschutzgesetz zu schützen. Aus denkmalpflegerischen Gründen ist sie nicht als Summe stereotyp angeordneter Gebäude zu verstehen, sondern als untrennbare Einheit, inkl. der rückwärtigen Stallgebäude und Nutzgärten. Vereinzelt nachträglich errichtete kleinere Anbauten fügen sich in das Straßenbild ein und beeinträchtigen den Gesamteindruck des Straßenzuges nicht.

Kleine Vorgärten, alter Baumbestand

Zu allen Häusern - errichtet als Arbeiterwohnhäuser für je 4 Familien pro Haus - gehören kleine Vorgärten mit alleeartigem, alten Baumbestand. An die rückwärtige Hofwegzone schließen sich Wirtschaftsgebäude in den Achsen der Wohngebäude mit dahinterliegenden Nutzgärten an.

Die zwischen 1890 und 1895 in zwei Ausführungsarten errichteten 1 1/2-geschossigen Gebäude des Kreuzgrundrisstypus in Backsteinbauweise, sind alle voll unterkellert, besitzen ein ausgebautes Mezzaningeschoss und sind giebelseitig geputzt. Sie verfügen über eine klare, aber minimalisierte Formensprache der Fassaden. In den [19]50er Jahren sind an allen Wohngebäuden giebelseitig schmale, geputzte, eingeschossige Anbauten - die nun die Toiletten aufnehmen, die sich ursprünglich in den Hofgebäuden befanden - mit ziegelgedecktem, abgewalmtem Pultdach, angefügt worden. Alle Hauptdächer besitzen ziegelgedeckte circa 45 Grad Satteldächer als Holz-Pfettendach ohne Unterspannbahn. Der First folgt der Gebäudelängsseite und an den Traufen befinden sich kleine Gesimse. Gelegentlich findet man rückwärtig eine später angebaute stehende Dachgaube vor. In der Mitte des Daches ragen 3 separate Schornsteine hervor, charakteristisch für die Einzelofenheizung der Wohnungen.

Gebäudetypen

Gebäudetyp l: (Hausnummern 1-51A)

Diese Ausführungsart verfügt über traufseitig nebeneinanderliegende Mitteleingänge, denen auf einer Seite in der Straßenfassade drei Fensterachsen mit stehenden, ursprünglich zweiflügeligen, einfachverglasten Holzfenstern mit je zwei Sprossen und zweiflügeligem Oberlicht, zugeordnet sind. Über jedem Fenster befindet sich ein Schmuckgesims, dem Stichbogensturz der Fenster folgend. Alle Fensteröffnungen besitzen einen Sohlbankstein und teilweise sind Blendrahmen mit Rechteckquerschnitt erhalten. Das Mezzaningeschoss ist durch ein einfaches Gesims mit Rechteckquerschnitt betont und erhält in jeder öffnungsachse stichbogige, liegende Scheinfenster (8 Stück). Der etwa 1/2 Stein vorstehende Gebäudesockel (circa 1 Meter hoch) zeigt ebenfalls stichbogige, liegende Kellerfenster. An beiden Giebelseiten befinden sich eingeschossige, schmale, geputzte Anbauten der [19]50er Jahre mit jeweils vier annähernd quadratischen kleinen Fenstern.

Im oberen Bereich verfügt jede Giebelseite im Original über zwei zweiflügelige, stichbogige, stehende Holzfenster mit je zwei Sprossen. Sohlbankstein und Blendrahmen sind, wenn noch vorhanden, wie in den Straßenfassaden ausgeführt. Die rückwärtige Traufseite hat die gleiche Fensteranordnung wie die Straßenfassade; weiterhin ist ein schmaler, geputzter Anbau unter abgeschlepptem Dach mit zwei Eingängen angefügt. Alle diesem Gebäudetypus zugeordneten eingeschossigen Wirtschaftsgebäude - in ihnen befanden sich ursprünglich Platz für Kleintierhaltung und Toiletten - besitzen ein ziegelgedecktes Satteldach mit Traufgesims. Als Backsteinbauten ausgeführt erhalten sie zur Hofseite hin vier Holztüren, kennzeichnend für vier separate Stallräume.

Gebäudetyp 2: (Hausnummern 2 - 100 A und 53-95 A)

Diese Ausführungsart verfügt über straßenseitig vier Fensterachsen, die breiter als bei Gebäudetyp 1 angelegt sind und im Original dreigeteilt mit einer Sprosse und dreigeteiltem Oberlicht ausgearbeitet wurden. Wie an allen ursprünglichen Öffnungen findet man auch hier Stichbogen, Sohlbankstein, rechteckförmige Blendläden und Schmuckgesims.

Beide Giebelseiten haben im Original zwei Eingänge, die heute in die Anbauten der [19]50er Jahre integriert sind. Im oberen Bereich besitzen die Giebelseiten je zwei Fenster wie Gebäudetyp 1. Auch hier gibt es ein umlaufendes Geschossgesims mit Rechteckquerschnitt und darüber traufseitig in Fensterachse je vier stichbogige, liegende Blendfenster. Der Sockel ist ebenfalls wie bei Gebäudetyp 1 ausgeführt. Zu dieser Variante des Kreuzgrundrißtypus gehören eingeschossige Wirtschaftsgebäude mit Pultdach, welches zur Gartenseite hin geneigt ist. Sie beinhalten vier Türen und teilweise kleinere Fenster. Die Stallgebäude wurden analog Gebäudetyp 1 genutzt.

Die Erhaltung der Meerbruchstraße liegt aus den oben genannten Gründen im öffentlichen Interesse.

(Quelle: Denkmalliste der Stadt Essen, Stand: 01.02.2001)

 
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