essen.de > Rathaus > Ämter > Kulturbüro > Stadtarchiv > geschichte

Chronik der Stadt Essen

Historische Daten: 8. bis 16. Jahrhundert

796-799
Liudger, Missionar und erster Bischof von Münster, gründet in Werden ein Kloster, wo er sich auch nach seinem Tod am 26. März 809 begraben läßt. Werden entwickelt sich zu einem Zentrum der spätantik-frühchristlichen Textüberlieferung mit einer großen Bibliothek ("Codex argenteus" - seit 1669 in Uppsala) und einer bedeutenden Schreib- und Malschule.

um 850
In der Mitte des 9. Jh. gründen Altfrid, seit 851 Bischof von Hildesheim, und seine Verwandte (vermutlich seine Schwester) Gerswid, die zugleich 1. Äbtissin wurde, auf ihrem Eigengut eine geistliche Frauengemeinschaft. Die Angaben müssen so vage bleiben, weil die schriftliche Überlieferung für die Frühzeit beim großen Brand 946 beinahe gänzlich verloren gegangen ist. Das vermeintlich exakte Gründungsdatum 852 geht auf einen Eintrag eines Kanonikers auf dem Schutzblatt des Liber ordinarius, eines Kodex aus dem 14. Jh., zurück und besitzt daher wenig Aussagekraft. Seit dem Spätmittelalter nimmt das Stift nur noch Frauen aus dem hohen Adel auf, deren edelfreie Abstammung anhand von Ahnenproben genauestens überprüft wird.

886
Werden wird Reichskloster und profitiert von den Schenkungen der Herrscher.

946-967
Zerstörung des Essener Münsters durch Brand und Wiederaufbau auf den erhaltenen Grundmauern, die heute noch das Fundament der Domkirche bilden.

971-1011
Amtszeit der Äbtissin Mathilde, der ersten von drei Äbtissinnen aus dem sächsischen Königs- bzw. Kaiserhaus, die den Essener Kirchenschatz um einzigartige Kostbarkeiten (Goldene Madonna, Siebenarmiger Leuchter, Vortragekreuze) bereichern und ihn zu einem der nach wie vor bedeutendsten in Europa machen. In ihrer Amtszeit wird wohl der ottonische Kirchenbau mit dem imposanten Westwerk begonnen.

1039-1058
Regierungszeit der Äbtissin Theophanu, einer Enkelin Kaiser Ottos II., die den ottonischen Kirchenbau vollendet.

1041
Auf Bitten der Äbtissin Theophanu stellt König Heinrich III. dem Stift ein Jahrmarktsprivileg aus. Drei Tage vor und drei Tage nach dem Fest der Stifts- und späteren Stadtpatrone Cosmas und Damian (27. September) darf ein Jahrmarkt abgehalten werden, der Besucher von Nah und Fern anlockt.

1228
In einer Urkunde König Ottos IV. wird der Werdener Abt erstmals "Fürst" genannt.

1244
schließen Vertreter der Bürgerschaft mit den Ministerialien der Fürstäbtissin einen Vertrag über den Bau der Stadtmauer ab. Dadurch grenzt sich Essen als eigener Rechtsbezirk von der agrarisch geprägten Umgebung ab. Der Vertrag wird mit dem großen Stadtsiegel beglaubigt, das bis zum Ende des Alten Reiches benutzt wird.

1272
In einer Urkunde treten erstmals die 12 Ratsherren ("consules") namentlich als Zeugen auf.

1275
Langhaus und Chor der Münsterkirche werden bei einem Brand zerstört und dann im gotischen Stil wieder aufgebaut.
Die bei einem Brand im Jahre 1256 beschädigte Werdener Stiftskirche wird nach der Wiederherstellung von Albertus Magnus geweiht.

1377
Der Versuch der Essener Bürgerschaft, sich aus der Vorherrschaft der Fürstäbtissin zu befreien und die Reichsunmittelbarkeit zu erlangen, ist erfolgreich, denn Kaiser Karl IV. bestätigt in einer Urkunde, dass Stadt und Bürger seit alters her unmittelbar dem Reich unterstellt gewesen seien. Da der gleiche Herrscher nur fünf Jahre zuvor der Fürstäbtissin die Oberhoheit über die Stadt bestätigt hat, können beide Parteien auf ein kaiserliches Zeugnis verweisen, weshalb die Auseinandersetzungen anhalten.

1563
Der Rat der Stadt führt in seinem Selbstverständnis als Landesherr die Reformation in Essen ein. Die der Stiftskirche benachbarte Marktkirche wird auf Betreiben des Magistrats evangelisch.