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Die Geschichte des Stadtarchivs

Stadtrechnung aus dem Jahr 1381

Foto: Eng beschriebene Doppelseite aus der Stadtrechnung 1381

Der "Lesesaal" des Stadtarchivs im alten Rathaus

Foto: Lesesaal im alten Rathaus, in der Mitte ein Tisch mit Stühlen und zwei Leselampen

Tannhäuser-Lied um 1450

Foto: Handgeschriebene Doppelseite des Tannhäuser-Liedes um 1450

Die Stadtarchivare Robert Jahn (links) und Hermann Schröter

Foto: Die Archivare Robert Jahn (links) und Hermann Schröter im Archiv, hinter ihnen ein hohes Regal mit Stehordnern

Von einer geheimen Urkundentruhe zur öffentlichen Dokumentationsstelle

Anfänge

Das Stadtarchiv Essen gehört nach Wert und Umfang seiner Bestände zu den großen deutschen Stadtarchiven mit überregionaler Bedeutung. Es entstand infolge der Stadtwerdung im 13. Jahrhundert.

Das älteste Dokument stammt aus dem Jahre 1272. In dieser Pergamenturkunde werden erstmals die zwölf Ratsherren der Stadt Essen namentlich aufgeführt.

Die erste schriftliche Erwähnung der städtischen Registratur finden wir in der Stadtrechnung von 1381. Hier wird die Ausgabe von zwei Pfennigen vermerkt "vor eyne dose to breyven" (für ein Behältnis für die Briefe).

"Verwirrung und Unordnung"

Die Ordnung in der Registratur war nicht die beste. Bereits 1504 suchten - laut Stadtrechnung - Bürgermeister, Rentmeister und Stadtschreiber zwei Tage nach einem wichtigen Schreiben der Stadt Recklinghausen.

In der Folgezeit geriet das Archiv immer weiter in Unordnung, da für die Urkunden, Akten und Amtsbücher kein Raum im Rathaus vorhanden war. Die städtischen Unterlagen wurden vielmehr bei dem jeweiligen Stadtsekretär aufbewahrt und wanderten so von Haus zu Haus.

Als die Preußen 1802 Essen besetzten, ließen sie alle städtischen Dokumente in einen Nebenraum des Rathauses bringen, wo sie in einem völligen Durcheinander gelagert wurden.

Ein Bearbeiter, der bereit war, "in das vor ihm liegende Chaos Ordnung hineinzubringen", fand sich nicht, da - so der damalige Bürgermeister - niemand seine Gesundheit bei solch einer in Staub und Dreck liegenden Papiermasse aufs Spiel setzen wolle.

Erste Ordnungsversuche

Erste Ordnungsversuche unternahm zur Mitte des 19. Jahrhunderts, unterstützt von dem Sekretär Petersen und dem Dechanten Butzon, der engagierte Bürgermeister Bertram Pfeiffer, der auch an der Herausgabe der ersten "Geschichte des Fürstenthums und der Stadt Essen" von F. Philipp Funcke beteiligt war.

Die Ordnungs- und Erschließungsarbeiten wurden von Konrad Ribbeck fortgesetzt.

Der langjährige Vorsitzende des Historischen Vereins für Stadt und Stift Essen, Geschichtslehrer am Burggymnasium, leitete das Stadtarchiv im Nebenamt und er war der Geschichtsschreiber Essens zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Davon zeugen seine zahlreichen Veröffentlichungen und seine Geschichte der Stadt Essen, die 1915 erschien.

Hauptamtliche Besetzung

Erst 1936 erhielt das Archiv eine hauptamtliche Leitung in der Person Robert Jahns, der 1933 wegen seiner Mitgliedschaft in der Deutschen Friedensgesellschaft aus dem Schuldienst entlassen worden war.

Sein Nachfolger, Dr. Hermann Schröter, war der erste wissenschaftlich ausgebildete Archivar der Stadt.

Die Unterbringung des Archivs

Eine fachgerechte Unterbringung der wertvollen Archivalien war stets ein Problem, bis 1940 eine erste Lösung gefunden wurde. Das Stadtarchiv erhielt eigens neu eingerichtete Räume im Rathaus.

Doch als in den 1950er Jahren vermehrt die Akten des 19. und 20. Jahrhunderts übernommen wurden, reichte die Magazinkapazität nicht mehr aus.

Sein neues Domizil fand das Stadtarchiv 1962 im ehemaligen Rabbinerhaus der von den Nazis gebrandschatzten Alten Synagoge in der Steeler Straße.

40 Jahre später muss wiederum ein Umzug vorbereitet werden, denn die Bestände haben sich von 2,5 Regalkilometer auf etwa 15 Regalkilometer vergrößert und können längst nicht mehr im Magazin Steeler Straße untergebracht werden.

Daher hat der Rat am 16. Mai 2007 den Baubeginnbeschluss für ein neues Haus der Essener Geschichte in der Luisenschule gefasst.

Archivüberlieferung

Archivüberlieferung ist stets eine gestörte Überlieferung. Dies gilt auch für Essen.

Nicht allein kriegerische Auseinandersetzungen sind Ursache der Verluste.

Ebenso führte die Fehleinschätzung des Wertes von Registraturunterlagen zu unwiderruflichen Vernichtungsaktionen. So sind riesige Aktenmassen zu Beginn des 20. Jahrhunderts an die Papiermühlen verkauft worden, um den städtischen Etat aufzubessern.

Weitere Aussonderungsaktionen fanden zu Beginn des Zweiten Weltkrieges statt. Ein Übriges tat der Bombenkrieg. Bei dem großen Luftangriff vom 5. März 1943 brannte der vollgestopfte Aktenkeller des Rathauses.

Bestände

Trotz aller Verluste besitzt das Stadtarchiv wertvolle Archivalien in einem Umfang von etwa 10 Regalkilometern.

Zu nennen sind u.a. die 1500 Urkunden im Bestand 1. Als Aussteller fungieren Kaiser und Könige, Päpste und Bischöfe, Adlige und Bürger.
Der Bestand 100  - das alte Ratsarchiv - mit 2600 Verzeichnungseinheiten enthält neben zahlreichen Amtsbuchserien (u.a. Stadtrechnungen seit 1350!!) einige literarische Kostbarkeiten.

An erster Stelle steht ein äußerlich unscheinbares Liederheft, geschrieben um 1450 wohl von dem Stadtschreiber Johann von Morle, in dem in 23 vierzeiligen Reimstrophen die Sage vom Tannhäuser eingetragen ist.

Zentrale Dokumentationsstelle zur Stadtgeschichte

Das Stadtarchiv, das für die Überlieferung der Stadtverwaltung zuständig ist, übernimmt aber auch Archivgut anderer Herkunft, an dessen dauernder Verwahrung, Erschließung und Nutzung ein öffentliches Interesse besteht.

So liegen in seinem Magazin zahlreiche Vereins- und Verbandsbestände und Nachlässe Essener Persönlichkeiten.

Weitere Informationen finden Sie in der Fachzeitschrift "Der Archivar", Heft 3, Juli 2006 (pdf, 673 kB) ReadSpeaker und in einem Aufsatz von Robert Jahn in den Beiträgen zur Geschichte von Stadt und Stift Essen, Heft 61, 1941("Das Essener Stadtarchiv").