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Vor 85 Jahren - Einweihung des Glückaufhauses

Das Glückaufhaus nach seiner Eröffnung 1923

Historische Postkarte: Haupteingang des Glückaufhauses mit parkendem Auto und Fußgängern (1920er Jahre)

Luftbild des Gesamtkomplexes

Luftbildaufnahme: Gesamtkomplex des Glückaufhauses

Blick auf das Glückaufhaus mit Werbung des Filmstudios (links)

Foto: Haupteingang des Glückaufhauses mit davor parkenden Autos, auf dem Dach der Schriftzug "Glückaufhaus", links daneben Kinowerbung mit dem Schriftzug "Chaplin"

Das Glückaufhaus vor dem Zweiten Weltkrieg

Foto: Blick auf die Vorderfront des Glückaufhauses mit Haupteingang, parkenden Autos und Fußgängern (1930er Jahre)

Die Einweihung des Glückaufhauses im April 1923 ist für das Stadtarchiv der Anlass, in seiner Serie "Stadtgeschichte Aktuell" die wechselvolle Geschichte des markanten Bürohauses schlaglichtartig vorzustellen.

Errichtung eines modernen Verwaltungsgebäudes

Nach dem Ersten Weltkrieg plante die Stadt Essen auf dem Grundstück am Schnittpunkt Rüttenscheider-, Friedrich- und Bismarckstraße ein großes Bürogebäude zu errichten, in dem neben kommunalen Ämtern auch Wirtschaftsverbände und staatliche Stellen ihren Platz finden sollten. Damit wollte sie ein Zeichen setzen: Für den angestrebten Wandel Essens von einer reinen Industriestadt hin zu einer Verwaltungsmetropole des Ruhrgebiets.

Der Architekt

Für den Bau zeichnete der Leiter des städtischen Hochbauamtes Ernst Bode als Architekt verantwortlich. Bei der Gestaltung des monumental gestalteten Ziegelmassivbaus ließ er sich sowohl von klassizistischen als auch von expressionistischen Vorbildern beeindrucken. Durch seine traditionsorientierte und gleichzeitig innovative Architektur setzte das Gebäude maßgebliche Akzente und wurde zum Vorbild zahlreicher Bauten im Ruhrgebiet.

Architektonische Gestaltung

Die Fassaden des Gebäudes sind durch die Verwendung von Backstein bewusst schlicht gehalten worden. Das Gebäude gliedert sich in einen Hauptbau mit Innenhof, der über vier Etagen verfügt, und einen Flügelbau mit drei Etagen zur Friedrichstraße hin. An jeder der drei Straßenseiten befinden sich Eingänge, die unterschiedlich gestaltet wurden. Der Haupteingang an der Rüttenscheider Straße wurde dadurch hervorgehoben, dass er leicht hervorspringt und mit über drei Geschosse durchlaufende Pfeilervorlagen geschmückt wurde.

Wechselnde Nutzung des Gebäudes

Im Jahre 1924 wurde zusätzlich zu den Büroflächen das Filmstudio im Glückaufhaus eröffnet. Damit ist es eines der ältesten, nahezu durchgehend als Kino betriebenen Filmtheater Deutschlands. Erst im Jahre 2002 musste es wegen Baufälligkeit des Hauses ausziehen.

Wegen seiner Größe (6350 m² Bürofläche) und seiner guten Lage beanspruchten die Nationalsozialisten das Glückaufhaus 1935 als Sitz für ihre Gauleitung. Fortan trug es den Namen "Thomae-Haus", benannt nach einem Nationalsozialisten, der im April 1928 bei Auseinandersetzungen mit Kommunisten ums Leben gekommen war.

Glückaufhaus als Sitz von Bergbau-Verbänden

Nach dem Krieg zog die britische Militär-Verwaltung in das Gebäude ein, das den Krieg nahezu unbeschädigt überstanden hatte.
Nach dem Auszug der Briten übernahm die Deutsche Kohlenbergbau-Leitung das Gebäude. Bis 1999 war es dann Sitz des Unternehmensverbandes Ruhrbergbau und des Gesamtverbandes des Deutschen Steinkohlenbergbaus. Anfang der 1970er Jahre erfuhr das Glückaufhaus starke bauliche Veränderungen.

Sanierung und Neugestaltung

Im Jahre 2004 erwarb das Essener Immobilienunternehmen Kölbl Kruse GmbH das Glückaufhaus von der Ruhrkohle AG. Zurzeit wird es grundsaniert und umgebaut, wobei nur noch die Außenmauern stehen bleiben.
Dennoch sollen die denkmalgeschützten Elemente behutsam in die Neugestaltung integriert werden. Die expressionistische Eingangshalle an der Rüttenscheider Straße und das Art-Deco-Entrée an der Friedrichstraße werden erhalten und in ihren Originalzustand zurückversetzt. Kontrastiv zur historischen Backstein-Fassade soll zur Park-Seite hin eine transparente, lichtdurchflutete Gebäudehülle den Brückenschlag zur modernen Architektur versinnbildlichen.

Ausblick

Nach Abschluss dieser Umgestaltung wird das Gebäude wieder seinem ursprünglichen Zweck zugeführt werden. Dann harrt eine Bruttogeschossfläche von 11.000 m² darauf, von Interessenten angemietet zu werden.

Auch das Kino soll wiedereröffnet werden und die Cineasten Essens ab Herbst 2009 ins Glückaufhaus locken.

Zu guter Letzt: Der Name des Hauses

Wann genau sich die Bezeichnung "Glückaufhaus" für das Bürogebäude durchgesetzt hat, lässt sich in den Unterlagen des Stadtarchivs leider nicht ermitteln. In den Adressbüchern der Stadt Essen taucht diese Benennung jedenfalls erst nach dem Zweiten Weltkrieg auf.