über Politik, Kultur, Gesellschaft

Alte Synagoge Essen, Heft 12, Dezember 2018

Der Essener Historiker Ludger Hülskemper-Niemann hat eine Biographie des Ehepaares Frida und Fritz Levy verfasst, das das gesellschaftliche Leben in Essen zwischen 1900 und 1933 mitprägte.
Frida Levy zog vier Kinder groß und war eine engagierte Frauenrechtlerin, die öffentliche Vorträge zu gesellschaftlichen Problemen hielt. Sie führte einen Salon, zu dem Musiker, Maler und Dichter eingeladen wurden, unter anderem die Maler Josef Urbach und Karl Schmidt-Rottluff. Beide waren Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands.
Fritz Levy studierte in Heidelberg und führte eine erfolgreiche Rechtsanwaltspraxis. Er verteidigte Arbeiter und war von 1903 bis 1933 Ratsherr.

Hülskemper-Niemann hat neue Quellen zu diesem kommunalpolitischen Engagement erschlossen und Archive in Duisburg, Wuppertal, Berlin und Stockholm genutzt, wie auch das Familienarchiv der Levys in Schweden. Früh wehrte sich Fritz Levy gegen antisemitische Attacken von Josef Terbroven, dem späteren Gauleiter des NSDAP in Essen. Deshalb wurden Frida und Fritz Levy 1933 gezwungen, Essen zu verlassen und nach Wuppertal zu ziehen. Frida Levy zog 1936 nach dem Tod ihres Mannes nach Berlin und wurde 1942 von dort nach Riga deportiert und ermordet. Die vier Kinder konnten nach Schweden und Palästina emigrieren. Auch ihre Lebensläufe werden geschildert. So entsteht ein anschauliches Bild einer gesellschaftlich engagierten jüdischen Familie in Essen zum Ende der Kaiserzeit und der Weimarer Republik, wie auch des Lebens der Nachkommen in den Emigrationsländern bis heute.

 
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