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Krupp-Gürtel

Kruppsche Gussstahlfabrik 1910-1920 (Blick von Altendorf über die Haedenkampstraße Richtung Stadtkern)

ThyssenKrupp Quartier im Krupp-Gürtel 2010

Christuskirchplatz in Altendorf

Ein Stadtentwicklungsprojekt

Der Krupp-Gürtel grenzt direkt westlich an den Stadtkern von Essen an. Früher dehnte sich dort auf 230 Hektar die Kruppsche Gussstahlfabrik aus. Nach den schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg bzw. nach Stilllegung der meisten Fabrikanlagen war das Gelände teilweise brachgefallen und nicht zugänglich. Jetzt verwirklicht Essen im Krupp-Gürtel ein wichtiges Projekt für die weitere Stadtentwicklung. Es werden hochwertige Büro- und Gewerbestandorte entwickelt, die durch Wohngebiete ergänzt werden.

Die Firma Krupp in Essen

Gegründet wurde die Firma Krupp von Friedrich Krupp am 20. November 1811. Friedrich Krupp stammte aus einer alten Essener Kaufmannsfamilie. Der Firmensitz lag zunächst innerhalb der Mauern des damaligen Landstädtchens Essen, im heutigen Stadtkern von Essen. Dieses Landstädtchen war um die Münsterkirche herum entstanden, die ab 852 erbaut wurde und ein bedeutender Ort des Glaubens sowie der Bildung für adlige Damen und Sitz der Fürstäbtissinnen von Essen war. 1818 begann Friedrich Krupp dann vor den Toren der Stadt, im damals ländlichen Krupp-Gürtel, mit dem Bau einer neuen Gussstahlanlage; sie ging am 18. Oktober 1819 in Betrieb. Kohle und Erfindergeist bildeten die Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg der Firma Krupp. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gelang es in Essen, erstmals die über den Kohleflözen lagernde Gesteinsdeckschicht mit Maschinen zu durchstoßen. Jetzt war es möglich, große Kohlemengen zu fördern. Damit begann die rasante Entwicklung einer neuen Region, des Ruhrgebiets. Und in Essen, das in der Mitte des Ruhrgebiets liegt, machte sich diese Entwicklung vor allem im Norden der Stadt bemerkbar; dort lagen bedeutende Kohlevorkommen. Es wurden nun Tiefbauzechen abgeteuft, die die Fabriken mit Kohle versorgten, wie zunächst zum Beispiel die kruppeigene Zeche Sälzer & Neuack im Krupp-Gürtel oder später das heutige Weltkulturerbe Zeche und Kokerei Zollverein im Essener Nordosten. Mit Hilfe der Kohle konnte bei Krupp Eisenerz zu Roheisen geschmolzen und das Roheisen weiter verarbeitet werden. Im Laufe der Firmengeschichte wurden zahlreiche Produkte erfunden. Ein Produkt wurde zum Kruppschen Warenzeichen: Drei Ringe erinnern an die Erfindung des nahtlosen Eisenbahnreifens im Jahre 1852.

Vom Krupp-Gürtel aus entwickelte sich so ein führendes Industrieunternehmen. Und aus dem Landstädtchen entstand die Großstadt Essen. Von 1870 bis 1873 errichtete Alfred Krupp abseits der Industrie im Süden von Essen einen repräsentativen Wohnsitz, die Villa Hügel. Damals wie heute wird der von Ruhr, Hügeln, Wald und Landwirtschaft geprägte Essener Süden von den Menschen als Wohn- und Erholungsort geschätzt; nach einer Umfrage des Nachrichtenmagazins Focus hat Essen mit Stuttgart die zweitschönste Landschaft aller Großstädte, hinter München. Auch für die Mitarbeiter/-innen und Bürger/-innen engagierte sich Krupp. So ist die von Margarethe Krupp gestiftete Gartenstadt Margarethenhöhe im Essener Südwesten ein wichtiges Beispiel dafür, wie sich das Wohnen zu Beginn des 20. Jahrhunderts veränderte.

Die Bedeutung von Grün für die Entwicklung des Krupp-Gürtels und Altendorfs

Grün hatte für die Menschen in Essen also schon früh eine hohe Bedeutung. 1929 wurde südlich des Stadtkerns die größte, öffentliche Parkanlage eröffnet, die Gruga mit ihren Blumenrabatten und Freizeiteinrichtungen. Um alle Wohnquartiere ortsnah mit Grün zu versorgen, beschloss der Rat der Stadt Essen 1974 das Programm „Grüne 14 - Begrünung Essener Norden“. Dieser Beschluss führte dazu, dass im Essener Norden zahlreiche neue Grünflächen angelegt wurden. Als Ende der 1990er Jahre Bilanz gezogen wurde, wurde festgestellt, dass nur noch im Essener Westen und insbesondere im Stadtteil Altendorf ein großer Park fehlte.

Auch Altendorf, das westlich an den Krupp-Gürtel angrenzt, entwickelte sich durch die Firma Krupp von einer ländlichen Bauerschaft zu einem bevölkerungsreichen Stadtteil; viele Kruppianer lebten und leben dort. Seit 1997 wird der Stadtteil Stück für Stück erneuert und als Arbeits- sowie Wohnort weiterentwickelt. Das soziale Miteinander im Stadtteil wird gestärkt. Und städtebauliche Projekte, wie der Umbau des Christuskirchplatzes oder des Jahnplatzes und die über 250, teilweise künstlerisch gestalteten Fassaden, verleihen Altendorf zunehmend ein frisches Gesicht.

Als ab 2000 die Stadt Essen und ThyssenKrupp mit den Planungen für den Umbau des Krupp-Gürtels zu einem neuen Büro- und Gewerbestandort begannen, bestand die Gelegenheit, im Krupp-Gürtel nun den Park für den Essener Westen anzulegen und Altendorf weiter zu stärken. Außerdem sollte der Krupp-Gürtel durch einen neuen Park ein unverwechselbares Gesicht erhalten, so dass sich Firmen ansiedeln. Das Konzept scheint aufzugehen. Die Menschen nehmen den Krupp-Park an. Und die Firma ThyssenKrupp, die nach der Fusion von Krupp und Thyssen ihre Hauptverwaltung ab 1999 in Düsseldorf hatte, teilte 2006 mit, dass sie nun auch selbst nach Essen in den Krupp-Gürtel zurückkehren wird. 2010 wurde das neue Quartier des weltweit tätigen Stahl- und Technologiekonzerns östlich vom Krupp-Park eingeweiht. Krupp bekennt sich auch darüber hinaus zum Standort Essen. 2010 erhielt zum Beispiel das Folkwang Museum mit seiner bedeutenden Sammlung moderner Kunst einen Neubau, finanziert von der „Alfried Krupp von Bohlen und Halbach“-Stiftung.

Die begonnene Entwicklung des Krupp-Gürtels wird nun Baustein für Baustein fortgesetzt.