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Ökosystemleistungen im Wald

Der Wald als Ökosystem übernimmt eine Vielzahl an wichtigen Funktionen innerhalb des Stadtgebietes und darüber hinaus. Diese Funktionen werden auch als Wald-Ökosystemleistungen bezeichnet.

Von den Ökosystemleistungen profitieren die Bürgerinnen und Bürger beispielsweise in Form von sauberem Wasser und gesundem Stadtklima. Der Wald ist auch Rohstofflieferant und bietet Flächen für Freizeit und Erholung im Wald. Er trägt damit maßgeblich zum physiologischen, sozialen und ökonomischen Wohlbefinden der Menschen in der Stadt bei.

Zum Hintergrund

2007 haben die Bundesrepublik Deutschland und die Europäische Union die internationale TEEB-Studie (The Economics of Ecosystems and Biodiversity) ins Leben gerufen. Das Ziel war es, die „Werte“ der Natur besser sichtbar zu machen. Der deutsche Beitrag zur TEEB-Studie, Naturkapital Deutschland, fasst auf nationaler Ebene Untersuchungen zum Wert der Natur für Wirtschaft und Gesellschaft zusammen.

Im Jahr 2014 hat sich die Stadt Essen neben drei weiteren Pilotstädten in Nordrhein-Westfalen auf den Weg gemacht, diese Ökosystemleistungen anhand von Indikatoren beschreibbar und darstellbar zu machen. Das Projekt wurde durch die Universität Freiburg, Fakultät für Umwelt und natürliche Ressourcen, durchgeführt.

In einem weiteren Schritt wurden nun die Ökosystemleistungen des (urbanen) Waldes, also auch des Privatwaldes (Forstbetriebsgemeinschaft) sowie des Regionalverbandes Ruhrgebiet (RVR) erfasst und dargestellt.

Etwa 50 Prozent des Waldes in Essen sind im Eigentum der Stadt Essen.

Durchgeführt wurde das Projekt durch das Unternehmen UNIQUE forestry and land use.

Auftraggeber der Projekte war das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur und Verbraucherschutz Nordrhein Westfalen.

Indikatoren für Ökosystemleistungen

In dem vorliegenden Schrittekonzept werden folgende 11 Indikatoren von Waldökosystemleistungen beschrieben:

  • Waldflächen mit Schadstofffilterpotential
  • Waldflächen mit Kühlungspotential
  • Kohlenstoffspeicherung in der Baumbiomasse
  • Periodische Starkregen und Wasserspeicher Wald /Waldboden
  • Grundwasserqualität unter Wald im Bereich von Trinkwassergewinnungsanlagen
  • Bewaldete Steilhänge mit Erosionsschutzpotential
  • Erreichbarkeit von Wald
  • Erschließung von Wald
  • Ruhegebiete im Wald
  • Umweltbildungsangebote im Wald
  • Wald als Lebensraum für Tiere und Pflanzen

Durch diese Indikatoren ist es möglich, die Komplexität der Wald-Ökosystemleistungen in vereinfachter Form zu erfassen und kartografisch darzustellen.

Eine Visualisierung in Form von anschaulichen Themenkarten sind unter dem Link in der rechten Spalte dieser Seite verfügbar. Außerdem werden dort Projektberichte zum Download angeboten.

Ein Beispiel für die Handhabung der Karte

Sie möchten wissen, wo es im Stadtgebiet Waldflächen mit ‚Schadstofffilterpotential‘ gibt?

Öffnen Sie die Inhaltsansicht. Setzen Sie den blauen Haken am Thema ‚Schadstofffilterpotential‘. Setzen Sie den blauen Haken am Thema ‚Waldflächen‘.

Es werden alle Waldflächen und zusätzlich alle Waldflächen mit Schadstofffilterpotential angezeigt.

Mit dem Öffnen der Legende wird sichtbar, wie die jeweilige Waldfläche farblich markiert ist und welche Aussage damit verbunden ist.

Fragestellungen und Antworten

Anhand der Karten können verschiedene Fragestellungen grafisch angezeigt werden. Wo befindet sich Wald? Wie viel Kohlenstoff speichert der Wald? Wo befinden sich Waldgebiete, die Kühlungspotential für das lokale Klima haben?

Im Bürgerbeteiligungsprozess „Dem Essener sein Wald“ (siehe Linkliste in der rechten Spalte dieser Seite) wurden durch die Bürgerinnen und Bürger unterschiedlichste Ansprüche an den Wald formuliert und unterschiedlichste Nutzungsweisen offenbart. Diese Vielzahl von Aufgaben und Funktionen wurden nunmehr anhand des aktuellen Projektes in vielen Bereichen grafisch darstellbar. Viele offen gebliebenen Fragen, unter anderem im Bezug zur Klimafunktion des Waldes, werden nun durch die Themenkarten beantwortet und präzisiert.

Durch die Sichtbarkeit wird auch deutlich, dass Synergien und Zielkonflikte zwischen unterschiedlichen Ökosystemleistungen bestehen.

Der Erhalt und die Optimierung der Ökosystemleistungen im städtischen Wald ist Aufgabe von Grün und Gruga. Einige der erfassten Ökosystemleistungen lassen sich durch eine zielorientierte Waldpflege optimieren.

Folgende kurze Beispiele mögen verdeutlichen, welche Aussagen und Schlussfolgerungen anhand der Indikatoren für Ökosystemleistungen möglich sind:

Die Erreichbarkeit von Wald hat in einer dicht besiedelten Stadt eine immense Bedeutung, da der Lebensraum der Erholung dient. Neben der Visulisierung der Waldflächen lässt sich über die Themenkarte abrufen, in welcher Distanz sich eine städtische Adresse zum nächsten Wald befindet (Kartenlayer: Erreichbarkeit von Wald).

Waldböden und Waldbestände speichern das Wasser der Niederschläge und geben dieses langsam in den Wasserkreislauf ab. Der Wasserspeicher des Waldes lässt sich durch die Wahl der Baumarten optimieren (Kartenlayer: Wasserspeicher Wald /Waldboden).

Ein im globalen Kontext viel diskutiertes Thema betrifft die Speicherung von Kohlenstoff aus der Atmosphäre. Hierin spielen Baumbestände eine wichtige Rolle. Die Wahl der Baumarten ist für die Kapazität des CO2-Speichers von hoher Bedeutung (Kartenlayer: Kohlenstoffspeicherung in der Baumbiomasse).

Die Strukturen eines Waldbestandes bestimmen dessen Möglichkeit, Luftschadstoffe zu filtern. Unter Struktur ist hier das Vorhandensein von möglichst vielen unterschiedlich großen Baumindividuen auf einer Fläche zu verstehen. Je mehr Bäume und deren Oberfläche, zum Beispiel Blattmasse, vorhanden sind, desto mehr Schadstoffe, zum Beispiel Rußpartikel, können an ihnen gebunden werden. Die Baumartenwahl nimmt somit Einfluss auf das Filterpotential des Waldes. Je mehr Nadelholz, desto größer ist die Ablagewirkung, gerade im Winter (Kartenlayer: Waldflächen mit Schadstofffilterpotential).

Die Möglichkeiten, Ökosystemleistungen zu erhalten, zu beeinflussen und langfristig zu optimieren, werden im Rahmen der Forsteinrichtung analysiert und entsprechende Schlussfolgerungen in das Forstbetriebswerk übernommen.

 
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