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Essen stellt sich quer

Sonntag, 18. Januar 2015

Es gilt das gesprochene Wort.

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Danke an Sie alle! Ich freue mich, hier heute so viele Menschen zu sehen, für die es keine Frage ist, auch an einem Sonntag hier zu sein, um gemeinsam ein Zeichen zu setzen.

Wir alle, die wir uns heute versammeln, stehen hier für ganz unterschiedliche Organisationen: für Kirchen und Religionsgemeinschaften, für den Sport, für Wirtschaftsverbände, für Sozialverbände und Parteien. Aber vor allem aber stehen wir hier als Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt Essen, ob wir organisiert oder nicht organisiert sind. In unserer vielfältigen Gesellschaft sind wir, die wir hier stehen, nicht immer einer Meinung. Was uns heute aber eint, ist zugleich der Grund, warum wir heute hier zusammenkommen:

Wir sind Essen!

Wir treten ein für eine Stadt Essen, in der die Menschen gewaltfrei, respektvoll, weltoffen, tolerant und solidarisch miteinander umgehen.Denn wir wissen, nur so bleibt Essen die Stadt in der es sich lohnt zu leben.

Wen wir nicht wollen, und dass sei hier noch einmal deutlich gesagt, sind Menschen, die unbegründete Ängste schüren, die Hass säen und die Gewalt verherrlichen oder ausüben! Und deshalb senden wir heute ein Signal in die Stadt, in die Region und nach ganz Deutschland:

HoGeSa , Pegida oder wie sie alle heißen mögen, Hassprediger, Gewaltbereite aus welcher politischen Ecke auch immer und besonders der braune Sumpf: all das ist bei uns Esserinnen und Essenern unerwünscht!

Wir wollen auch keine religiösen Fanatiker in Essen, die ihre Religion missbrauchen und Gewalt gegen Andersgläubige und insbesondere Antisemitismus predigen!

All diese Menschen sind nicht Essen!

Essen, das sind wir, die wir heute hier stehen und für die wir heute hier stehen!

Ich bin unserer Polizeipräsidentin sehr dankbar, die verhindert hat, dass heute hier auf einem der repräsentativsten Plätze unserer Stadt dumpfe Hass-Parolen und Gewalt verbreitet werden.

Seit Generationen leben in Essen Menschen unterschiedlicher Herkunft in einer starken Gemeinschaft. Es ist uns hier immer gelungen, Vorurteile abzubauen. Wir haben verstanden, dass Vielfalt eine Bereicherung ist. Unsere Solidarität bietet den Flüchtlingen aus den aktuellen Kriegs- und Krisengebieten Schutz und Perspektive und genau das zeichnet unsere Region aus.

Wir werden nicht zulassen, dass die Flüchtlinge von einer Angst in die nächste Angst kommen, nur weil einige wenige unter uns Fremdenhass verbreiten.

Das heißt nicht, dass wir als Stadt die Bedenken unserer Bürger nicht ernst nähmen. Wir pflegen daher den Dialog mit den Bürgerinnen und Bürgern und es gelingt, mit Sachargumenten für ein Miteinander zu sorgen.

Willy Brandt, dessen Namen der Platz trägt, auf dem wir stehen, hat 1968 gesagt: "Nazismus, alter Nazismus, aufgewärmter Nazismus, Neonazismus ist Verrat an Land und Volk". Das ist immer noch richtig! Und denkt daran: Nazismus ist nur ein anderes Wort für Fremdenhass jeglicher Art.

Und auch ein Wort an die Mitläufer der Bewegungen Pegida, HoGeSa oder wie sie alle heißen mögen und auch an die Mitläufer der religiösen Fundamentalisten: Sie alle verraten und gefährden die Werte die uns wichtig sind, für die wir stehen und die wir unseren Kindern weitergeben wollen.

Wir alle stehen hier und wir alle sind heute Wutbürger. Unsere Wut ist aber eine friedliche Wut, unsere Wut richtet sich gegen Fremdenhass und Gewalt. Wir verabscheuen die feigen sinnlosen Morde in Frankreich und anderswo und sind auch wütend deshalb.

Unsere Wut drücken wir aber durch unseren friedlichen Protest aus. Dadurch, dass wir heute hier gemeinsam ein Fest der Begegnung und der Vielfalt feiern. Ich sage aber auch ganz klar: Wir strecken die Hand aus an jene, die bereit sind ihre Vorurteile abzubauen und an unserer Gemeinschaft mitzuarbeiten.

Liebe Essenerinnen und Essener und liebe Gäste unserer großartigen Stadt: Ich bin Ihnen allen dankbar, die Sie heute hier sind. Das macht mich stolz und das rührt mich.

Glück auf Essen!

 
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