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Kolumne des Oberbürgermeisters

20. Mai 2014

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Ich freue mich, dass meine erste Kolumne aus der vergangenen Woche Ihre Aufmerksamkeit gefunden hat. Ich bin für die vielen positiven Rückmeldungen, aber auch die vereinzelte konstruktive Kritik dankbar und hoffe, dass auch mein Beitrag aus dieser Woche Sie dazu animiert, sich ein Bild zu machen und sich vielleicht sogar an der Debatte zu beteiligen.

Fast jeder hat in seinem Freundes-, Bekannten-, oder Arbeitskollegenkreis Menschen, die bereits Opfer von kriminellen Handlungen wurden, so auch ich. Ich weiß daher, dass es schwierig ist, das erlittene Unrecht zu verarbeiten und das beklemmende Gefühl der Unsicherheit oder gar Angst wieder abzubauen. Diese Gefühle begleiten die Betroffenen lange, oft unabhängig von der Schwere und Art der Tat: ob Diebstahl, Einbruch, Betrug, bis hin zu schwerer Körperverletzung.

Obgleich Essen im Vergleich der Großstädte ganz gut da steht und die Fallzahlen im Jahr 2013 im Vergleich zum Vorjahr sogar um ca. 5% gesunken sind, frage auch ich mich immer wieder: Welchen Beitrag kann ich als Oberbürgermeister gemeinsam mit der Stadtverwaltung leisten, damit sich die Bürgerinnen und Bürger meiner Stadt sicherer fühlen?

Unsere Stärke ist die Prävention in der Zusammenarbeit mit der Polizei. Kommunale Präventionsarbeit zur Verhinderung von Kriminalität ist facettenreich und sie ist eine Daueraufgabe. Sie stützt sich auf fundierte Milieukenntnisse von Stadt und Polizei und der daraus abgeleiteten aktivierenden Stadtteilarbeit und strategischen Stadtplanung, der Präsenz der Ordnungskräfte vor Ort und natürlich auch auf konsequente Ordnungsmaßnahmen.

Besonders erfolgreich sind wir aber da, wo es auf Stadtteilebene gelingt, das Wir-Gefühl zu steigern, indem Bürger, Geschäftsleute, Unternehmer, Vereine, Kirchen z.B. in Stadtteilkonferenzen eingebunden, vernetzt und aktiviert werden und ihr Ortswissen genutzt wird.

Das gelingt in unserer Stadt an vielen Stellen, z.B. in Altendorf und in Altenessen-Süd. Insbesondere dann, wenn durch unsere aktivierende Stadtteilarbeit der Nachbarschaftsgedanke wieder gestärkt wird und alle wieder mehr aufeinander achten, tragen wir erheblich zur Prävention bei. Eine starke Stadtteilgemeinschaft, die hinsieht und nicht wegsieht, fördert unsere Sicherheit.

Natürlich müssen wir in gefährdeten Milieus Alternativen zu kriminellen Karrieren aufzeigen. Einen wichtigen Schlüssel dazu habe ich in der letzten Woche erwähnt: die Bildung. Denn Bildung ist ein nachhaltiges Mittel, um das Abrutschen in kriminelle Karrieren zu verhindern.

Ebenso ist eine sorgfältige Städteplanung nötig, die Angsträume verhindert oder beseitigt. Die Bürgerbeteiligung zum Strategieprozess Essen.2030 hat hier eine Reihe von Empfehlungen gegeben, die über den alleinigen Rückgriff auf Lampen oder Kameras hinausgeht.

Sie sehen an diesen wenigen Beispielen, die Stadt kann viel zur Kriminalprävention leisten und tut es auch - manchmal auch mit sehr unkonventionellen Mitteln, wie der Fall des in den Medien "Igor" genannten Jungen zeigt. Er wird derzeit von einem privaten Sicherheitsdienst bewacht, damit er keine weiteren schweren Straftaten begeht. Der Fall erhitzt die Gemüter und sicher kann eine solche Maßnahme nur vorübergehender und einmaliger Natur sein. Aber es war und ist uns wichtig, hier nicht nur den Täter sondern eben auch die potentiellen Opfer im Blick zu haben.

Aber eines kann die Stadt nicht maßgeblich beeinflussen: Die Arbeit der Polizistinnen und Polizisten, die täglich pflichtbewusst in Essen ihren Dienst verrichten, um Verbrechen zu verhindern, aufzuklären und Straftäter zu verfolgen. Die Personalausstattung der Polizei und ihre Arbeit ist eine Angelegenheit des Landes. Unsere Möglichkeiten liegen in unserer hervorragenden vertrauensvollen und kollegialen Zusammenarbeit mit der Polizei hier vor Ort. Wir sind Partner auf Augenhöhe, aber direkten Einfluss auf die Arbeit der Polizei haben Kommunen nicht.

Jeder der etwas anderes behauptet, tut dies entweder aus Unwissenheit oder um Zuständigkeiten zu verschleiern.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr

Reinhard Paß

Oberbürgermeister