Der Weberplatz in Essen steht vor einem Wandel: zentral gelegen im Herzen der nördlichen Innenstadt, wird er in den kommenden Jahren neugestaltet und als lebendiger, multifunktionaler Stadtraum weiterentwickelt. Der Platz soll als attraktiver Aufenthalts- und Veranstaltungsort und sozialer Treffpunkt für die Bewohner*innen und Besucher*innen der nördlichen Innenstadt gestärkt werden. Wesentliche Ziele der Neugestaltung sind daher die Stärkung der Aufenthaltsqualität und Frequenzsteigerung sowie die Erhöhung der Nutzbarkeit des Platzes und die Stärkung seiner Funktion als Bindeglied zwischen Universitätsviertel und Stadtkern. Neben der Integration der Themen "Ökologie" und "Klimaanpassung" in die neue Platzgestaltung, sind auch der Abbau optischer und baulicher Barrieren zur besseren Einsehbarkeit und Passierbarkeit des öffentlichen Raums sowie die Verbesserung der Durchwegung, insbesondere für Fußgänger und Radfahrer, weitere Ziele der Neugestaltung.
Darüber hinaus entsteht nördlich des Weberplatzes mit WEBER1 eine Wohn- und Gewerbeimmobilie des Allbaus. Als zukunftsweisendes Stadtentwicklungsprojekt wird WEBER1 mit vielfältigen Nutzungen nicht nur baulich, sondern auch sozial und funktional zur Aufwertung der nördlichen Innenstadt beitragen.
Der Weberplatz liegt zentral in der nördlichen Innenstadt von Essen und ist aufgrund seiner Größe und Lage ein wichtiger öffentlicher Raum sowie bedeutender Treffpunkt für die Bewohnerschaft. Er bildet die Verbindung zwischen dem sich nordwestlich anschließenden Universitätsviertel sowie der Grünen Mitte und der südlich liegenden Stadtmitte Essens. Der Weberplatz wird im Osten von der I. Weberstraße sowie anschließend der Kreuzeskirche gerahmt und im Süden von der Kreuzeskirchstraße tangiert. Nach Westen grenzt das von dem Jugendamt der Stadt Essen in Teilen betriebene Begegnungszentrum am Weberplatz. An der nördlichen Platzseite befand sich das, mittlerweile abgebrochene, ehemalige Begegnungszentrum am Weberplatz. An dessen Stelle bzw. dem gesamten Häuserblock entsteht WEBER 1, ein neues Wohn- und Gewerbequartier, welches ergänzend zum Wohnquartier Kastanienhöfe nordöstlich des Weberplatzes an der Ecke I. Weberstraße / Kastanienallee - errichtet wird. In Richtung Nordwesten besteht vom Weberplatz in Richtung Friedrich-Ebert-Straße über die Kastanienallee eine fußläufige Freiraumachse.
Das Umgestaltungsgebiet umfasst insgesamt eine Größe von ca. 6.800 m².
Freiraumplanerischer Wettbewerb
Der Weberplatz in der nördlichen Innenstadt wird umgestaltet. Das Amt für Stadterneuerung und Bodenmanagement führte hierzu das Wettbewerbsverfahren "Neugestaltung des Weberplatzes" im Rahmen des Förderprogramms Sozialer Zusammenhalt durch. Mit der Organisation, Durchführung und Dokumentation des freiraumplanerischen Wettbewerbs wurde das Büro WoltersPartner Stadtplaner (Coesfeld) beauftragt.
Im Vorfeld des europaweiten Wettbewerbs zur Findung eines Gestaltungskonzeptes wurden Ideen, Hinweise und Interessen zur Neugestaltung des Weberplatzes ermittelt, die in die Aufgabenstellung integriert wurden. Dazu lieferte die Öffentlichkeitsbeteiligung einen wichtigen Baustein. Kernelemente bildeten ein Marktstand am 2. März 2023 von 15 – 18 Uhr auf dem Weberplatz und eine Planungswerkstatt am 9. März 2023 von 18 – 20 Uhr im Forum Kunst & Architektur. Die Planungswerkstatt wurde unter Beteiligung eines Kreises an Expertinnen*Experten, sowie Eigentümerinnen*Eigentümern und Anwohnerinnen*Anwohnern aus dem direkten Einzugsgebiet des Weberplatzes durchgeführt.
Der Siegerentwurf "Das blaugrüne Wohnzimmer am Weberplatz"
Der Siegerentwurf "Das blaugrüne Wohnzimmer am Weberplatz" vom Büro GREENBOX Landschaftsarchitekten zeigt eine zukunftsweisende Antwort auf die Frage nach dem zukünftigen Aussehen der Innenstädte. Der Weberplatz soll als offener und naturnaher Kontrast zur dicht bebauten Innenstadt und als logische Fortschreibung der Grünen Mitte sowie als weiterer grüner Bau- und Trittsteine im Stadtgefüge fungieren. Gleichzeitig vermittelt das Konzept zwischen den unterschiedlichen Anforderungen an einen innerstädtischen Begegnungsraum mit den vielfältigen und teils konträren Ansprüchen aus Klimaanpassung, gesellschaftlicher Partizipation, Multifunktionalität, Nachhaltigkeit, Inklusion und Gesundheit.
Im Entwurf sieht das Konzept des "blaugrünen Wohnzimmers am Weberplatz" beginnend auf dem Niveau der Innenstadt eine kleine Stadt-Terrasse als südlichen Ankunftsort am Weberplatz vor. Hier befinden sich erste Sitzgelegenheiten unter dem schattigen Linden, die zum Verweilen und Entspannen einladen. Die Stadt-Terrasse gibt einen Einblick über die eigentliche Platzebene mit der neuen "Stadtbühne" und den vielfältigen Grünflächen. Die Stadtbühne als eine leicht abgesenkte Ebene besteht aus einer befestigten, multifunktionalen Oberfläche mit einem Fontänenfeld. Hier können kleinere Veranstaltungen stattfinden und inszeniert werden (z.B. ein Feierabendmarkt oder Freiluft-Theater). Die neue Freitreppenanlage mit integrierten Sitzstufen wird einen exponierten Ausblick über den gesamten Weberplatz bieten. Das als Fontänenfeld ausgebildete Wasserspiel ist der zentrale Anziehungspunkt und soll im Zusammenspiel mit den schattenspendenden Gehölzen eine lebendige und erfrischende Atmosphäre schaffen.
Als lebendige, vielseitig nutzbare Grün- und Aufenthaltsräume sind auf dem Platz sogenannte Klimakiesel vorgesehen. Die Klimakiesel werden so gestaltet, dass sie für Menschen aller Altersgruppen und körperlichen Fähigkeiten bestmöglich zugänglich sind. Barrierearme Wege, Sitzgelegenheiten und Begegnungsbereiche ermöglichen es allen die blau-grünen Wohlfühlinseln zu erleben.
Vor dem Begegnungszentrum am Weberplatz zum Beispiel bilden zwei Grünflächen in Form von "Multi-Grün" offene Wiesenflächen aus. Auf diesen Aneignungsflächen können Bürger*innen rasten, picknicken und gemeinsam entspannen. Auch temporäre oder gemeinschaftliche Aktionen können hier stattfinden.
Eine neue barrierefreie Treppen- und Rampenanlage mit integrierten Böschungen führt vom Weberplatz auf die Ebene der Kastanienallee. Hier unterstützt ein weiterer grüner Klimakiesel den Platz am Fuß der Rampe mit integrierten Sitzgelegenheiten. Er bildet das öffentliche Pendant zu der neu geplanten Außengastronomie auf dem Weberplatz des WEBER I Gebäudes.
Eine zweite neue barrierefreie Rampe markiert den Abschluss zur Ebene an der Friedrich-Ebert-Straße. Hier wird den bereits ansässigen Gastronomie eine neue Fläche geboten, um abseits der Verkehrsstraße weitere Angebote zu schaffen. Ein letzter Klimakiesel bildet den Abschluss der neuen nachhaltigen Stadtgestaltung der Freiraum-Achse vom Weberplatz zum Quartier der Grünen Mitte und dem Universitätsviertel.
Als weitere Erschließungsachse wird Die I. Weberstraße wird ebenfalls angepasst und zukünftig ausreichend Platz für die verschiedenen Verkehrsströme bieten.
Die Erschließung des Platzes erfolgt im Süden über die Kreuzeskirchstraße, deren Überquerung die direkte Verbindung zur Fußgängerzone der Stadt Essen bietet. Im Norden verläuft die Kastanienallee, die vom Platz aus mittels Treppen- und Rampenanlage zu erreichen ist. Die Kastanienallee führt ebenfalls mittels einer Treppen- und Rampenanlage weiter über die Friedrich-Ebert-Straße in Richtung der Grünen Mitte. Die Überquerung der Kastanienallee wird durch die Ausweisung eines verkehrsberuhigten Bereichs und einer zusätzlichen Bodenschwelle realisiert. Gleiches gilt für die Neugestaltung der I. Weberstraße, die ebenfalls als verkehrsberuhigter Bereich geplant ist. Ergänzend führt über die I. Weberstraße nach Süden das Radhauptroutennetz Richtung Innenstadt, deren Durchfahrtsbreite von vier Metern entlang der Kreuzeskirche durch überfahrbare Baumquartiere realisiert wird.
Die Stellplätze auf dem Weberplatz entfallen gemäß Wettbewerbsvorgaben fast vollständig. In der I. Weberstraße werden jedoch sieben Längsparkplätze realisiert werden, von denen fünf Stellplätze dem Haus der Begegnung zur Verfügung stehen.
Vegetation
Für die Neugestaltung des Weberplatzes sind Eingriffe in den Baumbestand erforderlich. Nach aktuellem Planungsstand müssen acht Gehölze gerodet werden, die vorrangig zur konstruktiven Umsetzung der Rampen- und Treppenanlagen nötig werden. Ziel der Umgestaltung bleibt, die größtmögliche Anzahl an Bestandsbäume zu erhalten sowie eine künftige Verbesserung der Baumquartiere im Bestand zu erzielen. Dazu werden größer dimensionierte Quartiere und weitere konstruktive Maßnahmen umgesetzt. Gleiches gilt für die nachhaltige Entwicklung der 16 Neupflanzungen.
Neue Baumstandorte werden vorrangig im Bereich der begrünten Kiesel umgesetzt, die eine großzügige unterirdische Dimensionierung der Baumquartiere ermöglichen. Ergänzende Baumpflanzungen sind im Bereich der I. Weberstraße vorgesehen. Große Kronendächer zur Realisierung möglichst großer Schattenspenden sind in den Platzbereichen zu erzielen, während in den Straßenzügen den funktionalen Anforderungen (u. a. Anleiterungen, Lichtraumprofil) entsprechend platziert werden. Grundsätzlich erfolgt die Artenauswahl anhand der Kriterien Stadtklimaresistenz und Klimaverträglichkeit, Nachhaltigkeit und Ökologie, optische Besonderheiten, Standorteigenschaften und der erforderlichen Pflege. Eine Präzisierung der Artenauswahl erfolgt im Rahmen der Entwurfsplanung. Die Pflanz- und Rasenfläche markieren die zentralen Aufenthaltsflächen, sorgen für einen kühlenden Effekt und erzielen ein attraktives Bild im Spannungsfeld von Grün und Stein. Gräser und Stauden sollen in Form einer Mischpflanzung ein dynamisches, abwechslungsreiches Vegetationsbild ergeben und über die Jahreszeiten viele Aspekte bieten.
Weitere natur- und artenschutzrechtliche Belange werden für die Realisierung der Freianlagen nach aktuellem Planungsstand nicht berührt.
Platzausstattung
Die Erschließung von Süden des Weberplatzes aufgrund seiner Topografie mittels einer Treppen- und Rampenanlage ermöglicht ein Vielfaches an Sitzmöglichkeiten. Partielle Holzauflagen werden die Sitzstufen ergänzen. Zusätzliche Sitzmöglichkeiten sind innerhalb der Einfassung der Klimakiesel integriert, die aus Betonstein mit Holzauflage umgesetzt werden. Ergänzend werden Sitzbänke im Bereich der Kreuzeskirchstraße verortet. Fahrradanlehnbügel sind an den Ein- und Ausgangssituationen des Platzes.
Zur Verbesserung des Mikroklimas sowie unter Berücksichtigung bestehender Frischluftkorridore ist auf dem Platz ein Fontänenfeld vorgesehen. In Kombination mit der vorgesehenen Bepflanzung mit schattenspendenden Gehölzen wird dieses zur Klimaanpassung des Platzraums beitragen.
Beleuchtung
Die künftige Beleuchtung des Weberplatzes umfasst einen ganzeinheitlichen Ansatz. Die Funktionalbeleuchtung der I. Weberstraße sowie die der angrenzenden Straßenzüge wird mit dem städtisch genutzten Leuchtentyp umgesetzt. Der zentrale Platzbereich soll einen Akzentleuchtentyp erhalten. Auch die ökologischen Belange werden im Beleuchtungskonzept Berücksichtigung finden.
Bauzeit
Gegenwärtig wird der Entwurf zur Umgestaltung des Weberplatzes konkretisiert. Der aktuelle Terminplan sieht vor, dass der Baubeschluss im Mai 2026 eingeholt wird und mit dem Bau ab Dezember 2026 begonnen werden kann. Es ist vorgesehen, die Flächen rund um das Gebäude WEBER1 vorrangig fertigzustellen und somit die Nutzung des Gebäudes unmittelbar nach der geplanten Fertigstellung im April 2027 zu ermöglichen. Der Umbau des Weberplatzes wird voraussichtlich im April 2028 abgeschlossen sein.
Am 30.10.2025 fand von 18.00 bis 19.30 Uhr ein Informationsabend zur Neugestaltung des Weberplatzes statt. Im Forum Kunst und Architektur Kopstadtplatz haben sich rund 40 Teilnehmende über die künftig geplanten Nutzungen des Platzes informieren. Neben dem Stand der Planung zur Neugestaltung Weberplatz durch das Planungsbüro Greenbox, wurde auch das Projektes WEBER 1 vorgestellt. Des Weiteren haben das Standesamt als künftiger Platzanlieger im WEBER 1 und das Begegnungszentrum am Weberplatz das Aufgabenspektrum und ihre Angebote präsentiert. Die Teilnehmenden stellten unter anderem Rückfragen bezüglich Stellplätzen und Ausstattungselementen, diskutierten über geeignete Baumarte bei Neupflanzungen und interessierten sich für die geplanten Nutzungen im WEBER 1.