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Kultur
Bildung
07.10.2026
4 Min

Auf den Spuren eines Rebellen

Die große Aus­stellung im Museum Folk­wang lädt dazu ein, den franzö­sischen Maler Gustave Courbet und sein außer­ge­wöhnliches Werk kennen­zu­lernen.


Wer war eigentlich Gustave Courbet?

Wer mit wenig Vor­wissen ins Museum Folk­wang kommt, bekommt darauf gleich zu Beginn eine erste Antwort. In der Aus­stellung "Ich, Gustave Courbet. Maler und Rebell" begegnet Courbet den Be­sucherinnen und Be­suchern zunächst in seinen Selbst­portraits. Der Künstler hat sich immer wieder gemalt und dabei offen­bar ziemlich genau über­legt, wie er gesehen werden wollte. Die Bilder zeigen ihn ganz unter­schiedlich – selbst­be­wusst, aber auch dramatisch. Schon nach den ersten Bildern ent­steht der Ein­druck: Dieser Mann wollte gesehen werden.

Bis zum 8. November zeigt das Museum Folk­wang 100 Werke auf rund 900 Qua­drat­me­tern, darunter 85 Ge­mälde. Zeichnungen, historische Foto­gra­fien und Zeit­do­ku­mente er­gänzen die Aus­stellung. Ent­standen ist die Schau in Ko­operation mit dem Leopold Museum in Wien, wo sie zuvor bereits zu sehen war. Rund 130.000 Be­sucherinnen und Besucher kamen dort zur Courbet-Retrospektive. Der Rund­gang führt durch neun Kapitel seines Lebens und Schaffens. Viele Arbeiten sind dafür aus inter­nationalen Museen und Privat­sammlungen nach Essen gekommen.

Warum war das eigentlich rebellisch?

Nach den Selbstportraits geht es in Courbets Welt. Geboren wurde er 1819 im französischen Ornans. Die Land­schaft seiner Heimat und die Menschen, die dort lebten, tauchen in seinen Bildern immer wieder auf. Das hört sich zunächst nicht be­son­ders re­bellisch an. Heute würde wohl kaum jemand darüber dis­ku­tieren, ob Menschen aus dem Alltag oder eine Land­schaft ein ge­eignetes Motiv für ein Gemälde sind. Zu Courbets Zeit war das anders. In der Kunst gab es damals ziemlich genaue Vor­stellungen davon, was es wert war, gemalt zu werden. Courbet hielt sich nicht immer daran. Ihn interessierten auch Menschen aus seinem Umfeld und Szenen aus dem täglichen Leben. Courbet wollte die Welt so zeigen, wie er sie sah. Was heute kaum un­ge­wöhnlich er­scheint, sorgte damals durch­aus für Auf­merk­sam­keit. Courbet wurde damit zu einem be­kannten Ver­treter des Realismus.

Beim Rundgang verändert sich der Blick immer wieder. Auf die Menschen und Landschaften seiner Heimat folgen andere Motive. Irgendwann steht man vor aufgewühltem Meer und hohen Wellen, dann wieder vor Portraits. Auch der Farbauftrag fällt auf: An manchen Stellen liegt die Farbe so deutlich auf der Leinwand, dass sie fast plastisch erscheint.

Dann kommt ein Werk, das bis heute für Diskussionen sorgt. Mit "L'Origine du Monde" von 1866 ist eines von Courbets bekanntesten Bildern in Essen zu sehen. Es zeigt sehr direkt den unbekleideten Unterkörper einer Frau. Nach Angaben des Museum Folkwang war das Werk zuvor noch nie in Deutschland ausgestellt.

Zwischendurch begegnen einem historische Fotografien, die Courbets Bildern gegen­über­gestellt werden. Auch die eigene Sammlung des Museum Folkwang taucht im Rund­gang auf: Paul Cézannes "Steinbruch von Bibémus" ist in die Aus­stellung ein­be­zogen.

Courbet mischt sich ein

Der Begriff "Rebell" im Ausstellungs­titel bezieht sich nicht nur auf Courbets Kunst. Er mischte sich auch poli­tisch ein und engagierte sich während der Pariser Kommune. Das hatte Folgen. Courbet wurde ver­urteilt und verließ schließ­lich Frank­reich. 1873 ging er in die Schweiz ins Exil. Dort verbrachte er seine letzten Lebens­jahre und ar­beitete weiter. 1877 starb er. Courbets poli­tische Aktivi­täten gehören deshalb ebenso zur Aus­stellung wie seine Malerei. Sie zeigen eine Seite des Künstlers, die man beim Blick auf seine Land­schaften und Portraits zunächst vielleicht nicht erwartet.

Nach rund 100 Werken könnte der Rund­gang eigentlich vorbei sein. Ist er aber noch nicht ganz. Im Ver­mittlungs­raum wartet etwas, das im Museum nor­maler­weise keine be­sonders gute Idee ist: anfassen. Natürlich nicht die Ori­gi­nale. Zwei eigens an­ge­fertigte malerische Arbeits­proben dürfen aus­drück­lich berührt werden. Hier lässt sich mit den Fingern er­fühlen, was vorher auf Courbets Bildern nur zu sehen war: wie unter­schiedlich Farbe auf einer Ober­fläche liegen kann. Eine Re­produktion seines großen Atelier­bildes von 1855 ergänzt den Raum.

Was bleibt nach dem Rundgang?

Man muss nach dem Rund­gang nicht jede Jahres­zahl behalten. Dafür hat man Courbet ein Stück näher kennen­gelernt – als Maler, der seinen eigenen Vor­stellungen folgte, damit immer wieder für Auf­sehen sorgte und zu den be­deutenden Künstlern seiner Zeit wurde. Wer vorher mit Courbet wenig an­fangen konnte, dürfte zu­mindest eine Vor­stellung davon mit­nehmen, warum ihm das Museum Folkwang eine so große Aus­stellung widmet.

Die Ausstellung "Ich, Gustave Courbet. Maler und Rebell" ist noch bis zum 8. No­vem­ber 2026 im Museum Folkwang zu sehen. Weitere In­for­ma­tionen zur Aus­stellung gibt es auf der Inter­net­seite des Museums: www.museum-folkwang.de


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