Zwei Straßen im Thurmfeld erinnern an Alice Shalvi und Selma Meyer
16.10.2026
Im Neubaugebiet Thurmfeld sind heute (16.10.) zwei Straßen offiziell nach den in Essen geborenen jüdischen Akademikerinnen und Frauenrechtlerinnen Alice Shalvi und Selma Meyer benannt worden. Die Alice-Shalvi-Straße und die Selma-Meyer-Straße liegen im Herzen des universitären Neubaugebiets. Der Termin fiel auf den 100. Geburtstag von Alice Shalvi.
Bei der Benennung anwesend waren Oberbürgermeister Thomas Kufen, Joel Shalvi, der Sohn von Alice Shalvi, mit seiner Ehefrau, die Leiterin der Alten Synagoge Essen, Dr. Diana Matut, sowie Prof. Dr. Susanne Zepp-Zwirner von der Universität Duisburg-Essen.
"Wir ehren diese beiden Persönlichkeiten, indem wir ihre Namen im Herzen des universitären Neubaugebietes am Thurmfeld für Studentinnen und Studenten, für Bürgerinnen und Bürger und für alle Besucherinnen und Besucher der Universität und unserer Stadt unmittelbar sichtbar machen", sagte der Oberbürgermeister. Essen stelle einen Schmelztiegel dar, in dem viele Kulturen einen Platz gefunden haben und in Zukunft finden können. Eine Kultur der Ausgrenzung sei nicht zu tolerieren, gegen wen sie sich auch richten sollte, so der Oberbürgermeister in Bezug auf den aufkeimenden Antisemitismus im Land. Deshalb sei die Straßenbenennung ein wichtiges Zeichen.
"Die Alte Synagoge im Herzen unserer Stadt steht für das große jüdische Vermächtnis in Essen, dem wir nun auch an dieser Stelle ein Steinchen hinzufügen. An diesem universitären Ort des Denkens und des Aufbruchs schauen wir nach vorne, ohne das Vergangene zu vergessen.", betonte der Oberbürgermeister.
Alice Shalvi (1926–2023) wurde in Essen geboren und emigrierte 1934 mit ihrer Familie nach England, 1949 wanderte sie nach Israel aus. Von 1950 bis 1990 lehrte sie englische Literatur an der Hebräischen Universität Jerusalem und entwickelte die "Women’s Studies" in Israel mit. 1984 gründete sie das Israel Women’s Network. 2007 erhielt sie den Israel-Preis für ihr Lebenswerk, die höchste zivile Auszeichnung des Landes.
Selma Meyer (1881–1958) wurde ebenfalls in Essen geboren, studierte Medizin und wurde Kinderärztin. 1922 erlangte sie die Habilitation, 1927 wurde sie zur außerordentlichen Professorin an der Düsseldorfer Kinderklinik ernannt. Die Nationalsozialisten entzogen ihr 1933 die Lehrbefugnis und 1938 die Approbation sowie Staatsbürgerschaft und Vermögen. 1939 emigrierte sie nach England, 1940 in die USA und führte in New York bis 1958 eine kinderärztliche Praxis. An der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf trägt seit 2006 ein Mentoring-Programm ihren Namen.
Zum Hintergrund der Straßenbenennungg
Die Bezirksvertretung I hatte am 27. Januar 2026 beschlossen, die beiden Planstraßen (Arbeitsbezeichnung L36 und M36) nach Shalvi und Meyer zu benennen. Die Rektorin der Universität Duisburg-Essen, Prof. Dr. Albert, hatte die Namen im August 2025 vorgeschlagen. Die Straßen entstanden im Zuge des Forschungsbaus ACTIVE SITES und dem FutureWaterCampus der Universität Duisburg-Essen auf dem Thurmfeld-Gelände. Das neue Forschungszentrum für Nano- und Materialwissenschaften, Energie, Wasser und Umweltforschung soll voraussichtlich im Sommer 2028 in Betrieb gehen.
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