Pilotprojekt Voraus­erkundungs­drohne

Feuerwehr Essen startet Test­betrieb

Die Feuerwehr Essen erprobt ab dem 16. September 2026 für zunächst drei Monate eine neue Form der digitalen Lage­erkundung bei Einsätzen der Feuerwehr. Eine automatisiert alarmier­bare Voraus­erkundungs­drohne soll bereits vor dem Eintreffen der ersten Einsatzkräfte wichtige Informationen von einer Einsatzstelle liefern.

Die Drohne der Firma Skyflow ist auf dem Dach der Haupt­feuerwache der Feuerwehr Essen an der Eisernen Hand stationiert. Bei ausgewählten Einsatz­meldungen wird sie automatisch aktiviert und fliegt zur gemeldeten Einsatzstelle. Ziel ist es, bereits während der Anfahrt der Einsatzkräfte erste Luftbilder zu erhalten und der Einsatzleitung damit einen früh­zeitigen Überblick über die Lage zu ermöglichen

Der Anflug erfolgt automatisiert. Dabei wird der Flug permanent durch einen Operator der Firma Skyflow überwacht, der jederzeit eingreifen kann. Im Bereich der Einsatzstelle übernimmt der Operator die konkrete Erkundung.
Die Bilder der Drohne werden in Echtzeit in die Leitstelle der Feuerwehr Essen sowie auf die Tablets der Einsatzleitung übertragen. So können beispiels­weise das Ausmaß eines Brandes, mögliche Gefahren, betroffene Personen, Zufahrtswege oder geeignete Aufstellflächen bereits vor dem Eintreffen erster Einsatzkräfte erkannt werden. Die Drohne verfügt hierfür neben einer normalen Kamera auch über eine Wärmebildkamera.

Während der dreimonatigen Testphase untersucht die Feuerwehr Essen, welchen tatsächlichen Zeit- und Informations­gewinn die Voraus­erkundung bietet. Dabei wird insbesondere betrachtet, ob Einsatzmittel aufgrund der frühzeitig gewonnenen Informationen schneller nachgefordert oder nicht benötigte Kräfte und Fahrzeuge frühzeitiger reduziert werden können.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

1. Allgemeines

1.1 Warum setzt die Feuerwehr Essen eine Vorauserkundungsdrohne ein?

Bei Feuerwehreinsätzen sind die ersten Minuten häufig entscheidend. Bislang beginnt eine umfassende Erkundung einer Einsatzstelle in der Regel mit dem Eintreffen der ersten Einsatzkräfte.

Die Vorauserkundungsdrohne soll diese Zeitspanne nutzen. Sie kann gleichzeitig mit den Einsatzkräften alarmiert werden und sich bereits auf dem Weg zur Einsatzstelle befinden, während die Feuer­wehr­fahr­zeuge noch anfahren. Erreicht die Drohne die Einsatzstelle zuerst, können erste Bilder und Informationen unmittelbar an die Leitstelle und die Einsatzleitung übertragen werden.

Ziel ist es, dadurch früher ein möglichst belastbares Bild der Lage zu erhalten und notwendige Maßnahmen bereits während der Anfahrt vorzubereiten.

1.2 Bei welchen Einsätzen wird die Drohne eingesetzt?

Die Feuerwehr Essen testet die Voraus­erkundungs­drohne bei unterschiedlichen Einsatzarten. Hierzu gehören insbesondere Brandeinsätze, technische Hilfeleistungen, bestimmte ABC- und Umwelteinsätze, Wasser­rettungs­einsätze sowie Einsatzlagen mit einer größeren Anzahl betroffener Personen.

Die Alarmierung erfolgt während der Testphase bewusst niederschwellig. Dadurch soll eine ausreichende Zahl unterschiedlicher Einsatz­situationen ausgewertet werden können.

Eine Alarmierung bedeutet allerdings nicht automatisch, dass die Drohne tatsächlich zum Einsatz kommt. Wetterbedingungen, Entfernung, technische Einschränkungen oder ein bereits laufender Drohneneinsatz können die Verfügbarkeit einschränken.

1.3 Was bedeutet "automatisierter Drohneneinsatz"?

Die Drohne startet automatisiert und fliegt die berechnete Route zur Einsatzstelle selbstständig ab. Das bedeutet jedoch ausdrücklich nicht, dass die Drohne unbeaufsichtigt fliegt.

Der gesamte Flug wird permanent durch einen Operator der Firma Skyflow überwacht. Dieser kann jederzeit in den Flug eingreifen und übernimmt im Bereich der Einsatzstelle die konkrete Erkundung.

Eine vollständig autonome Nutzung ohne menschliche Überwachung findet nicht statt.

1.4 Wann wird die Drohne eingesetzt?

Während der dreimonatigen Testphase ist das System zunächst montags bis freitags zwischen 8 und 17 Uhr in Betrieb.

Sie wird ausschließlich für konkrete Feuer­wehr­einsätze sowie für die zum sicheren Betrieb erforderlichen Test- und Übungsflüge eingesetzt.

Die Drohne führt keine Überwachungs- oder Kontrollflüge über das Stadtgebiet durch.

1.5 Ersetzt die Drohne die Erkundung durch Feuerwehrkräfte?

Nein. Die Drohne ist ausschließlich ein zusätzliches Führungs-, Erkundungs- und Informationsmittel.

Ihr wesentlicher Zweck besteht darin, Informationen vor dem Eintreffen der ersten Einsatzkräfte bereit­zu­stellen. Die reguläre Erkundung der Einsatzstelle durch die Feuerwehr wird dadurch nicht ersetzt. Die notwendigen Maßnahmen und Ent­scheidungen vor Ort verbleiben vollständig bei der verantwortlichen Einsatzleitung.

2. Datenschutz & Privatsphäre

2.1 Werden die Aufnahmen der Drohne gespeichert?

Ja. Während der dreimonatigen Testphase werden die im Rahmen der Drohnen­einsätze erhobenen Bild- und Videoaufnahmen gespeichert, soweit dies für die Durchführung und Auswertung des Pilot­projektes erforderlich ist.

Die Speicherung dient einem klar definierten Zweck: Die Feuerwehr Essen möchte anhand realer Einsatzlagen untersuchen, ob und unter welchen Voraus­setzungen die Voraus­erkundungs­drohne einen tatsächlichen Mehrwert für die Gefahrenabwehr bietet. Dazu werden beispielsweise der Informations- und Zeitgewinn sowie mögliche Auswirkungen auf einsatz­taktische Entscheidungen ausgewertet.

Die Speicherung ist auf den Zeitraum der Testphase beziehungs­weise die hierfür erforderliche Auswertung begrenzt. Eine Speicherung der Aufnahmen "auf Vorrat" findet nicht statt.

2.2 Wie lange werden die Aufnahmen gespeichert?

Für die aktuelle Testphase ist eine Speicherung für den auf 90 Tage begrenzten Evaluierungs­zeit­raum vorgesehen, soweit und solange die Aufnahmen für die Durchführung und Auswertung des Pilotprojektes erforderlich sind.

Nach Abschluss des Pilotzeitraums beziehungs­weise der erforderlichen Auswertung werden die Aufnahmen gelöscht. Eine darüber­hinaus­gehende Speicherung kommt nur dann in Betracht, wenn hierfür im Einzelfall ein eigenständiger Zweck und eine entsprechende rechtliche Grundlage bestehen.

2.3 Wer kann die Livebilder sehen?

Die für die Einsatzführung relevanten Livebilder werden in die Leitstelle der Feuerwehr Essen und auf die Tablets der verantwortlichen Einsatzleitung übertragen. Sie dienen ausschließlich der Lage­beurteilung und Führungs­unter­stützung.

2.4 Warum werden die Aufnahmen während der Testphase bis zu 90 Tage gespeichert?

Die längere Speicherfrist hängt unmittelbar mit dem Charakter des Projektes als zeitlich begrenzte Testphase zusammen.

Die Feuerwehr Essen möchte nicht nur einzelne Drohneneinsätze betrachten, sondern die Erfahrungen aus unterschiedlichen realen Einsatzlagen über den gesamten Testzeitraum miteinander vergleichen und auswerten. Untersucht wird insbesondere, ob die Drohne tatsächlich einen Informations- und Zeitgewinn ermöglicht und ob die gewonnenen Informationen die Einsatzführung sinnvoll unterstützen.

Hierfür müssen die während der Testphase gewonnenen Erkenntnisse nachvollziehbar ausgewertet werden können. Die Speicherung dient ausschließlich diesem definierten Evaluierungs­zweck und ist auf den hierfür erforderlichen Zeitraum begrenzt.

3. Rechtliche Grundlagen

3.1 Auf welcher rechtlichen Grundlage wird die Drohne eingesetzt?

Der Einsatz der Voraus­erkundungs­drohne erfolgt im Rahmen der gesetzlichen Aufgaben der Feuerwehr Essen sowie unter Beachtung der geltenden luftverkehrs- und daten­schutz­rechtlichen Bestimmungen.

3.2 Wer steuert die Drohne?

Der technische Flugbetrieb erfolgt während der Testphase durch die Firma Skyflow. Der Flug wird permanent durch einen Operator überwacht. Die einsatztaktische Verwendung der gewonnenen Informationen und alle daraus resultierenden Entscheidungen liegen bei der Feuerwehr Essen.

4. Technik & Sicherheit

4.1 Wie funktioniert der Einsatz technisch?

Bei ausgewählten Einsatzmeldungen wird die auf dem Dach der Haupt­feue­rwache (Eiserne Hand 45) stationierte Drohne automatisch aktiviert. Sie startet und fliegt automatisiert in Richtung der gemeldeten Einsatzstelle.

Der gesamte Flug wird von einem Operator überwacht. An der Einsatzstelle erfolgt eine strukturierte Voraus­erkundung. Die dabei gewonnenen Livebilder werden unmittelbar an die Feuerwehr übertragen.

4.2 Welche Kameratechnik befindet sich an Bord?

Die Drohne verfügt über eine normale Kamera sowie über eine Wärmebildkamera. Dadurch können abhängig von der jeweiligen Einsatzlage zusätzliche Informationen gewonnen werden, beispiels­weise über Brand- und Wärme­ent­wicklungen oder bei der Suche nach Personen.

4.3 Wie weit kann die Drohne fliegen?

Abhängig von den jeweiligen Witterungs­bedingungen verfügt die Drohne über eine Reichweite von etwa 12 bis 15 Kilometern. Die mögliche Flugzeit beträgt rund 45 Minuten.

Je näher eine Einsatzstelle am Standort der Drohne liegt, desto größer ist grundsätzlich die für die eigentliche Erkundung zur Verfügung stehende Flugzeit.

4.4 Kann die Drohne bei jedem Wetter fliegen?

Nein. Die Einsatzmöglich­keiten einer Drohne sind witterungs­abhängig.

Ungünstige Wetterbedingungen können dazu führen, dass ein Flug nicht begonnen werden kann oder abgebrochen werden muss. Dies gilt insbesondere bei starkem Wind, starken Nieder­schlägen oder anderen Wetter­bedingungen, die einen sicheren Flugbetrieb nicht zulassen.

Die Entscheidung über die sichere Durchführung eines Fluges liegt beim verantwortlichen Operator.

4.5 Fliegt die Drohne auch nachts?

Während der aktuellen Testphase steht das System zunächst montags bis freitags zwischen 8 und 17 Uhr zur Verfügung. Ein regulärer nächtlicher Einsatz ist damit aktuell nicht Bestandteil der Erprobung.

4.6 Wie hoch fliegt die Drohne?

Die jeweilige Flughöhe richtet sich nach den luftrechtlichen Vorgaben, den örtlichen Gegebenheiten und den Anforderungen eines sicheren Flugbetriebs. In der Regel beträgt die Flughöhe 100 – 120 Meter.

5. Einsatzpraxis

5.1 Wie unterstützt die Drohne die Feuerwehr konkret?

Die Voraus­erkundungs­drohne kann bereits während der Anfahrt erste Informationen über eine Einsatzstelle liefern.

Je nach Einsatz können beispielsweise folgende Informationen gewonnen werden: Ausdehnung einer Einsatzstelle, Brand- und Rauch­ent­wicklung, erkennbare Gefahren, betroffene Personen, Zufahrts­möglichkeiten, Aufstell­flächen oder schwer zugängliche Bereiche.

Bei bestimmten Einsatzlagen können zusätzlich Wärmebilder zur Lage­beurteilung herangezogen werden.

Dadurch kann die Einsatzleitung früher entscheiden, ob beispielsweise zusätzliche Kräfte oder Spezial­fahrzeuge benötigt werden oder bereits alarmierte Einsatzmittel möglicherweise nicht erforderlich sind.

5.2 Warum ist die Drohne häufig schneller als ein Feuerwehrfahrzeug?

Die Drohne kann unmittelbar nach ihrer Aktivierung starten und bewegt sich auf direktem Weg durch den Luftraum zur Einsatzstelle. Sie ist dabei nicht von Straßenverlauf oder Verkehr abhängig.

Der tatsächliche Zeitvorteil hängt allerdings wesentlich von der Entfernung der Einsatzstelle zum Standort der Drohne und den jeweiligen Rahmen­bedingungen ab.

5.3 Bleibt die Drohne während des gesamten Einsatzes vor Ort?

Nein. Das zentrale Ziel des Projektes ist ausdrücklich die Voraus­erkundung.

Die Drohne soll möglichst frühzeitig erste Informationen liefern. Nach dem Eintreffen der Einsatzkräfte übernehmen diese die reguläre Erkundung und Einsatz­bewältigung. Die Drohne ist im Rahmen dieses Projektes nicht als dauerhaftes Beobachtungs­mittel über einer Einsatzstelle vorgesehen.

5.4 Wie häufig wird die Drohne eingesetzt?

Das ist eine der Fragen, die die Feuerwehr Essen mit der Testphase beantworten möchte.

Das System wird während der Erprobung bewusst bei verschiedenen geeigneten Einsatzlagen aktiviert. Wetter, Reichweite, technische Verfügbarkeit oder parallele Einsätze können jedoch dazu führen, dass die Drohne nicht zur Verfügung steht.

Jeder tatsächlich durchgeführte Einsatz wird anschließend ausgewertet.

5.5 Was passiert nach Abschluss der Testphase?

Die Feuerwehr Essen wertet jeden Einsatz der Voraus­erkundungs­drohne aus. Untersucht werden insbesondere der tatsächliche Zeit- und Informations­gewinn, die Qualität der gewonnenen Lage­informationen und die Aus­wirkungen auf taktische Entscheidungen.

Anschließend wird bewertet, ob und in welcher Form eine Voraus­erkundungs­drohne zukünftig dauerhaft in die Einsatz- und Führungs­strukturen der Feuerwehr Essen integriert werden kann.

6. Kosten & Finanzierung

6.1 Wie finanziert sich das Projekt?

Das Pilotprojekt wird aus städtischen Haushaltsmitteln finanziert.

6.2 Führt der Drohneneinsatz zu Einsparungen?

Langfristig trägt der Einsatz zur effizienteren Gefahren­abwehr bei, da Einsätze gezielter, sicherer und schneller durchgeführt werden können. Die Einsparungen können zum Beispiel aus geringerem Schadens­ausmaß oder weniger Einsatzfahrten und damit geringerem Kraftstoff­verbrauch resultieren, lassen sich aber nur schwer beziffern. Zu erwarten ist aber die Steigerung der Sicherheit der Bürger*innen mit relativ geringem Einsatz von Finanzmitteln.