Grün-blaues Innenstadtband und Marktkirchenumfeld

Die Projekte "Grün-blaues Innenstadtband" und "Umgestaltung Marktkirchenumfeld" gehören zu den zentralen Leitprojekten des Integrierten Entwicklungskonzepts (IEK) "Zukunft.Essen.Innenstadt". Mit ihnen verfolgt die Stadt Essen das Ziel, die Innenstadt langfristig klimaangepasst, lebendig und attraktiv weiterzuentwickeln.

Das Projekt "Grün-blaues Innenstadtband" umfasst die planerische Konkretisierung und bauliche Umsetzung der Idee eines durch "grüne" und "blaue" Gestaltungselemente generierten Bandes durch die Kettwiger und Viehofer Straße. Vom Willy-Brandt-Platz ausgehend soll über die Kettwiger Straße, den Markt bis hin über die Viehofer Straße zum Viehofer Platz eine attraktive Achse entstehen, die sich durch an den Standort angepasste Grünstrukturen, Wasserelemente und Aufenthaltsbereiche auszeichnet und den derzeitigen Transitraum "Einkaufsstraße" zu einem einladenden Aufenthaltsraum verwandelt.

Im Bestand sind die beiden Einkaufsstraßen durch einen hohen Versiegelungsgrad und wenige Grünstrukturen geprägt. Sie weisen nicht nur einzelne Mängel in Bezug auf die Aufenthaltsqualität und Attraktivität des öffentlichen Raums, sondern auch im Hinblick auf die Klimaresilienz und -anpassungsfähigkeit auf. Aufgrund zunehmender Hitzetage und Starkregenereignisse ist es erforderlich, die Essener Innenstadt an die veränderten klimatischen Bedingungen anzupassen. Dies geschieht vor dem Hintergrund eines Mangels an Grün- und Freiflächen, an Bäumen und an Verschattungsoptionen sowie potenziellen Risikobereichen für Starkregenereignisse in der Innenstadt. Das topografische Gefälle der Einkaufsstraßen zeigt darüber hinaus Potenzial, um die natürliche Ableitung von Regenwasser gestalterisch in den öffentlichen Raum zu integrieren. Insbesondere "fließendes" Wasser erzeugt einen positiven Effekt auf das Mikroklima, da es sich nicht so schnell erwärmt.

Ein weiteres Projektziel ist die gestalterische Vernetzung der nördlichen und südlichen Innenstadt. Die Marktkirche ist das geografische Zentrum der Essener Innenstadt und zugleich ein wichtiger Identifikationsort mit weit in die Vergangenheit reichender Geschichte. Von dieser "Drehscheibe" aus gehen die Haupteinkaufsstraßen Kettwiger, Limbecker und Viehofer Straße ab. Die Planungen zum Einzug der Zentralbibliothek in die Immobilie Markt 5-6 und die Initiativen der evangelischen Kirche sowohl inner- als auch außerhalb der Marktkirche bieten hierbei das Potenzial, die Umgestaltung des öffentlichen Raums unter neuen Nutzungsaspekten zu denken.

Freiraumplanerischer Wettbewerb

Im Rahmen eines freiraumplanerischen Realisierungswettbewerbs, welcher bis Sommer 2026 durchgeführt wurde, wurden die im IEK formulierten Leitideen für die Qualifizierung des öffentlichen Raums in der Kettwiger Straße, der Viehofer Straße sowie im Umfeld der Marktkirche konzeptionell vertieft und umsetzungsorientiert ausgearbeitet. Ziel des Wettbewerbs war es, einen qualitativ hochwertigen Gestaltungsentwurf für die Qualifizierung des öffentlichen Raums in der Kettwiger und Viehofer Straße sowie rund um die Marktkirche zu finden, welcher nach Abschluss des Wettbewerbs weiter ausgearbeitet und schrittweise baulich umgesetzt werden soll. Der Siegerentwurf des Büros adlerolesch GmbH aus Nürnberg bildet nun die Grundlage für die weitere Planung und spätere Umsetzung. Mit der Organisation, Durchführung und Dokumentation des freiraumplanerischen Wettbewerbs wurde das Büro ISR – Innovative Stadt und Raumplanung GmbH beauftragt.

In den kommenden Monaten wird der Entwurf zur Umsetzung des grün-blauen Innenstadtbandes konkretisiert. Der aktuelle Terminplan sieht eine Umsetzung in Bauphasen vor und es ist vorgesehen, dass mit dem ersten Bauabschnitt in 2028 begonnen werden kann.

Informationen zum Planungsraum

Das Plangebiet liegt im zentralen Innenstadtbereich von Essen, nördlich des Hauptbahnhofs. Es erstreckt sich vom Willy-Brandt-Platz über die Kettwiger Straße und das Marktkirchenumfeld bis zur Viehofer Straße und zum Viehofer Platz. Mit einer Länge von rund 1,2 Kilometern und einer Fläche von etwa 28.000 Quadratmetern ist es Teil des rund 73 Hektar großen Innenstadtgebiets. Der Raum ist stark frequentiert und geprägt durch Einzelhandel, Gastronomie, kulturelle Einrichtungen und öffentliche Flächen. Er bildet das Rückgrat des städtischen Fußgänger- und Handelsnetzes und hat hohe Bedeutung für die Vernetzung der Innenstadt.

Das Gebiet ist in drei räumlich und funktional eng verknüpfte Teilbereiche gegliedert:

  • Südlicher Bereich - Willy-Brandt-Platz und Kettwiger Straße
    Der südliche Bereich bildet die wichtigste Fußgängerzone Essens und eine der meistfrequentierten Straßen der Innenstadt. Sie verbindet den Hauptbahnhof mit dem Burgplatz und der nördlichen Innenstadt, erschließt zentrale Einkaufs- und Kulturangebote und übernimmt eine herausragende Rolle innerhalb des Stadtraums.
  • Zentraler Bereich - Marktkirchenumfeld
    Das Marktkirchenumfeld ist ein historisch und funktional bedeutender Stadtraum. Hohe Besucherfrequenzen entstehen durch den Wochenmarkt und die zentrale Lage. Der Bereich verknüpft die westliche Innenstadt, insbesondere Limbecker Straße und Limbecker Platz, mit der nördlichen Achse des Planungsgebiets.
  • Nördlicher Bereich - Viehofer Straße und Viehofer Platz
    Der nördliche Bereich stellt wichtige Bewegungs- und Aufenthaltsräume her und verbindet den Hochschul- und Kreativstandort City.Nord mit den zentralen Einkaufsbereichen. Trotz heterogener Nutzungsstrukturen trägt er wesentlich zur Erschließung und Vernetzung der Innenstadt bei.

Das Plangebiet weist überwiegend versiegelte Oberflächen aus Pflaster- und Betonsteinbelägen auf. Die Ausstattung des öffentlichen Raums ist uneinheitlich, Sitzgelegenheiten sind nur punktuell vorhanden, Möblierungen teilweise älter und Beleuchtungselemente stammen aus früheren Sanierungsphasen. Sondernutzungen wie Außengastronomie, Warenauslagen oder temporäre Informationsstände prägen das Erscheinungsbild und wirken sich räumlich und gestalterisch auf die Nutzung aus. Insgesamt zeigt das Plangebiet eine heterogene Struktur, die Defizite in Aufenthaltsqualität, Ausstattung und Begrünung aufweist, aber gleichzeitig vielfältige Ansatzpunkte für eine funktionale, atmosphärische und klimaresiliente Weiterentwicklung bietet.

Stadtklimatisches Simulationsmodell

In der Essener Innenstadt zeigen sich die Auswirkungen des Stadtklimas besonders deutlich. Über 70 Prozent der Flächen sind durch Gebäude, Straßen und Plätze versiegelt. Gleichzeitig gibt es nur wenige schattenspendende Strukturen und vergleichsweise wenig Grün. Diese Rahmenbedingungen begünstigen eine hohe Hitzebelastung, insbesondere an Sommertagen.

Versiegelte Oberflächen speichern Wärme und geben sie nur langsam wieder ab. Dadurch entsteht ein sogenannter Wärmeinseleffekt, der zu hohen Temperaturen am Tag und zu unzureichender Abkühlung in der Nacht führt. Für viele Menschen wird der Aufenthalt im öffentlichen Raum dadurch zunehmend belastend. Um die klimatische Situation fundiert zu analysieren wurde ein hochaufgelöstes stadtklimatisches Simulationsmodell erarbeitet. Das Modell bildet die Bedingungen des heißesten Tages im Jahr 2024 (12. August) ab und berücksichtigt dabei die Wirkung von Bebauung und Vegetation. Die Simulation ermöglicht differenzierte Aussagen zur Lufttemperatur, zur Oberflächentemperatur und zur gefühlten Temperatur im Tagesverlauf. Das Modell wurde federführend durch den RVR erstellt, die Simulation erfolgte mit Unterstützung des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik (IBP). Die Datenaufbereitung übernahm das Umweltamt der Stadt Essen.

Stadterneuerung und Stadtteilentwicklung | Innenstadt/Mitte, Leitung


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Frau Brandenburg, Lotta
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