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Placeboforschung zu rheumatoider Arthritis - Die erlernte Immunantwort

27.09.2019

Patienten mit chronisch entzündlichen Autoimmunerkrankungen müssen oft ihr Leben lang Medikamente einnehmen, die ihr Immunsystem unterdrücken. Der Nachteil dieser wichtigen Medikation ist allerdings, dass die immunsuppressiven Medikamente unerwünschte, teilweise toxische Nebenwirkungen auslösen, die die Lebensqualität der Patienten sehr oft stark einschränken. Placeboforscher suchen derzeit Lösungen für dieses Dilemma.

„Eine Lösung könnte sein, dem Immunsystem der Patienten beizubringen, auf einen wirkstofffreies Placebo zu reagieren“, so Prof. Dr. Manfred Schedlowski, Wissenschaftler an der Medizinischen Fakultät der Universität Duisburg-Essen und Leiter des Instituts für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie am Universitätsklinikum Essen. „Dann könnten Placebos dazu beitragen, um die Dosierung der Medikation zu reduzieren und gleichzeitig die Behandlungseffekte zum Wohle der Patienten zu maximieren.“

Das Wissenschaftlerteam hat sich dieses Phänomen nun im Krankheitsverlauf bei rheumatoider Arthritis im Tiermodell näher angesehen. Die Ergebnisse ihrer Studie haben sie in im Journal Arthritis and Rheumatology veröffentlicht. Die Versuchstiere erhielten zu Beginn des Experiments ein Immunsuppressivum in Kombination mit einem neuartigen, süßen Geschmack. Auf diese Weise hat ihr Immunsystem gelernt, Geschmack und Wirkung miteinander zu verknüpfen. Erstautorin Dr. Laura Lückemann und PostDoc im Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensimmunbiologie: „Im weiteren Verlauf konnten wir die immunsuppressive Medikation auf ein Viertel senken – in Kombination mit dem eingesetzten Lernmechanismus hatte diese Medikation einen vergleichbaren Effekt auf die Krankheitssymptome, wie die volle Dosis.“ Erlernte Placeboantworten des Immunsystems können also möglicherweise bei der Behandlung von Autoimmunerkrankungen wie rheumatoider Arthritis unterstützend eingesetzt werden.

"Zwar sind die neuropsychologischen und immunologischen Mechanismen der gelernten Immunantwort noch nicht so gut verstanden, dass sie in der klinischen Routinebehandlung einsetzbar sind“; erklärt Studienleiter PD Dr. Martin Hadamitzky. „Allerdings untermauern diese tierexperimentellen Befunde, die potentielle klinische Relevanz für weitere Untersuchungen an gesunden Probanden und Studien an Patienten.“

Originalpublikation: Lückemann L, Stangl H, Straub RH, Schedlowski M, Hadamitzky M. Learned immunosuppressive placebo response attenuates disease progression in a rodent model of rheumatoid arthritis. Arthritis Rheumatol. 2019 Sep 11. doi: 10.1002/art.41101.

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