Hohe jüdische Festtage nach 82 Jahren wieder in der Alten Synagoge Essen gefeiert

29.09.2020

Auf Bitte des Vorstandes der Jüdischen Kultus-Gemeinde hat die Stadt Essen eine Ausnahme gemacht, und die Nutzung der Alten Synagoge zu den hohen jüdischen Feiertagen, Rosch haSchanah und Jom Kippur, gestattet. Im großen Hauptraum der Alten Synagoge fanden bis zum 9. November 1938 Gottesdienste mit rund 1400 Gemeindemitgliedern statt. Mit den aktuell coronabedingt notwendigen Abstandsregeln konnten 130 Plätze zugelassen werden. In dem kleinen Kuppelbau der heutigen jüdischen Gemeinde an der Ruhrallee hätten sehr viel weniger Gemeindemitglieder feiern können.

Bürgermeister Rudolf Jelinek begrüßte die Gemeindemitglieder am Freitagabend, 18. September, vor dem Eingang Schabbat und gab seiner Freude Ausdruck, dass die Stadt der Jüdischen Gemeinde die Alte Synagoge für die Feierlichkeiten zur Verfügung gestellt hat. So konnte nach 82 Jahren zum ersten Mal im Hauptraum wieder ein jüdischer Gottesdienst stattfinden. Jelinek dankte insbesondere auch der Polizei Essen für den Schutz des geschichtsträchtigen Hauses.

Die Feierlichkeiten

Rabbiner Shmuel Aronov leitete mit einem Kantor aus Kfar Chabad in Israel die Gottesdienste in der Alten Synagoge. Mit dem jüdischen Neujahrstag Rosch haSchanah begannen die "Zehn Tage der Busse und Einkehr". Der Mensch muss seine Verfehlungen mit den Mitmenschen in Ordnung bringen und vor Gott treten und seine Sünden bereuen. Nur dann wird er nach der traditionellen Vorstellung in das "Buch des Lebens" für das kommende Jahr eingetragen werden. Man wünscht sich deshalb ein "gutes und süßes Neues Jahr" und isst Apfelstücke in Honig getaucht. Während der zehn Tage erhofft man einen "guten Eintrag in das Buch des Lebens". Wenn man die Patriarchenalter in der Hebräischen Bibel zusammenzählt, so kommt man auf 5781 Jahre seit Erschaffung der Welt. Von Sonntag (27.09.) auf Montag (28.09.) wurde Jom Kippur gefeiert. Dabei handelt es sich um den höchsten jüdischen Feiertag, der mit Ganztagesfasten begangen wird, damit man sich auf die umfangreiche Liturgie konzentrieren kann. Mehrere Male wird der "Schofar", das Widderhorn, geblasen, das an den Tempelgottesdienst in Jerusalem erinnert. Die Geschichte von der Bindung von Isaak wie auch das Buch Jonah werden an den Hohen Feiertagen vorgetragen.

Die Gemeindemitglieder waren berührt vom Erlebnis in der Alten Synagoge erstmalig an einen Gottesdienst teilnehmen zu können und äußerten ihre Dankbarkeit gegenüber der Stadt Essen, die es ihnen ermöglichte.

Zur Alten Synagoge Essen

Die Alte Synagoge wurde 1953 der Jewish Trust Corporation als herrenloses jüdisches Gemeindevermögen rechtlich übertragen. 1959 kaufte die Stadt das Grundstück. Mit dem Erlös baute die kleine Nachkriegsgemeinde von 120 Überlebenden ein eigenes Gebäude an der Ruhrallee. Seit 1980 gibt es in der Alten Synagoge historische Ausstellungen, seit 2010 die neue interaktive Dauerausstellung über zeitgenössisches Judentum.

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