Baumbilanz für das Jahr 2024

Kenntnisnahme im Ausschuss für Umwelt, Klima- und Verbraucherschutz

03.02.2026

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Fokus auf Qualität statt Anzahl für klimaresiliente Stadtbäume.
  • 3-30-300-Regel als Leitbild für gesundes Stadtgrün.
  • Fernerkundliche Datenerfassung und deren Auswertung bewertet Baumleistung statt reiner Stückzahl.

Steigende Temperaturen, längere Trockenzeiten sowie Unwetterlagen belasten Bäume stark. Die Stadt Essen richtet ihre Baumentwicklung deshalb nach der Qualität des Bestandes aus und nicht nur auf die Gesamtzahl. Denn gesunde Stadtbäume verbessern Klimaresilienz, Luft und Lebensqualität. Für die Auswertung der jährlichen Baumbilanz nutzt die Stadt die sogenannte 3–30–300-Regel. Sie ist ein neues, wissenschaftlich fundiertes und europaweit anerkanntes Leitbild für gesundes Stadtgrün.

"Die 3–30–300-Regel macht die Bedeutung von Stadtbäumen greifbar und messbar", erklärt Simone Raskob, Dezernentin der Stadt Essen für Umwelt, Verkehr und Sport, "ein leistungsfähiger Stadtbaumbestand ist essenziell für Gesundheit, Klimaresilienz und Lebensqualität unserer Bürger*innen."

Was bedeutet die Regelung?

Die Regel formuliert drei Ziele:

  • Jede Person soll von ihrem Wohnort aus mindestens drei große Bäume sehen können.
  • In jedem Stadtviertel sollen mindestens 30 Prozent der Fläche durch Baumkronen beschattet sein.
  • Der Weg zum nächsten öffentlichen Grünraum soll eine Entfernung von 300 Metern nicht übersteigen.

Welche Zahlen zeigt die Bilanz 2024?

  • Kronen-Beschirmungsflächen: Im Jahr 2024 waren knapp 32 Prozent des Essener Stadtgebiets mit Baumkronen bedeckt. Im Vergleich: 2022 waren es 30,7 Prozent.
  • Gesamtbestand städtischer Bäume: 200.466 (Stand: 31. Dezember 2024)
  • Rückgang um 7.876 Bäume im Vergleich zum Vorjahr
  • 2.310 Fällungen
  • 960 Neupflanzungen

Wie ist mit den Zahlen umzugehen?

Die aktuelle Baumbilanz 2024 zeigt zwar anhand der Anzahl einen Rückgang des Stadtbaumbestandes. Sie macht aber auch deutlich, dass reine Zahlen die ökologische und klimatische Wirkung von Stadtbäumen nur unzureichend abbilden. Der Verlust einzelner großer Altbäume kann klimatisch schwerer wiegen als der Zuwachs vieler junger Bäume. Gleichzeitig führen natürliche Prozesse dazu, dass sich Bestände über Jahre entwickeln, ausdünnen, aber gleichzeitig an Leistungsfähigkeit gewinnen. Dabei stößt eine reine Stichtagszählung an ihre Grenzen.

Grün und Gruga hat basierend auf den Ergebnissen des Projekts "BaumAdapt" eine neue Datengrundlage entwickelt, um eine verbesserte Aussage zur Qualität des gesamten Stadtbaumbestands inklusive Wald zu erhalten. Mit den vorliegenden Daten zu den Kronen-Beschirmungsflächen liegen hierzu erstmalig Vergleichsdaten vor. Dabei ermittelt das Amt für Geoinformation, Vermessung und Kataster anhand von Luftbildern, wie viel Prozent der Fläche des Essener Stadtgebiets von Baumkronen bedeckt ist. Die Daten zeigen, dass trotz der vergangenen Dürrejahre die Kronen-Beschirmungsflächen von 2022 bis 2024 nicht abgenommen haben, obwohl die Zahlen der numerischen Baumbilanz im gleichen Zeitraum einen Rückgang verzeichnen.

Die EU-Verordnung zur Wiederherstellung der Natur ist im August 2024 in Kraft getreten. Danach dürfen unter anderem städtische Ökosysteme auf nationaler Ebene bis 2030 keinen Nettoverlust an städtischer Grünfläche und Baumüberschirmung erleiden und sollen danach weiter wachsen. Dazu zeigen die Zahlen, dass die Kronen-Beschirmungsflächen sogar leicht zugenommen haben. In den nächsten Jahren wird es darauf ankommen, diesen Trend zu verstetigen, indem kontinuierlich an der qualitativen Entwicklung des Stadtbaumbestandes gearbeitet wird.

Wie werden Daten gesammelt?

Die Stadt Essen arbeitet seit mehreren Jahren am Aufbau eines kombinierten Stadtbaum-Monitorings. Dabei werden klassische Baumkontrollen mit modernen Fernerkundungsdaten verknüpft. So wird die Anzahl der Bäume und vor allem ihre tatsächliche Leistung, etwa in Form von Verschattung, CO2-Filterung und Kühlung erfasst. Der Fachbereich Grün und Gruga arbeitet eng mit dem Amt für Geoinformation, Vermessung und Kataster zusammen. Seit 2021 wird mit Hilfe von hochauflösenden Befliegungsdaten des Regionalverbands Ruhr (RVR) alle zwei Jahre die Größe der Verschattungsbereiche erhoben. Diese werden durch die Kronenschirme der Bäume erzeugt. Ergänzt werden diese Daten mit Hilfe eines Vermessungsfahrzeuges, das die Bäume in der Nähe von Straßen mittels Künstlicher Intelligenz aufzeichnet. In Kombination mit den Fachdaten ergeben sich so wichtige Informationen über Baumarten, Vitalität, Höhe und Kronenvolume. Damit können Baumschutz und Klimaanpassung optimiert werden.

Welche Maßnahmen der Stadt Essen gibt es?

Die Stadt setzt auf gezielte Programme, zum Beispiel:

  • 1.000-Bäume-Programm
  • Aktuelle Erarbeitung eines Straßenbaumkonzepts
  • Ausbau des Stadtbaum-Monitorings

Mit diesen Projekten schafft die Stadt Essen die Grundlagen gegen die Auswirkungen des Klimawandels. Vor allem durch Trockenstress und Hitzeschäden entstehen Baumkrankheiten, die die Standsicherheit der Bäume gefährden. In vielen Fällen reichen teils jahrelange Pflegemaßnahmen nicht mehr aus, um die Bevölkerung zu schützen. Dann ist eine Fällung nicht mehr zu verhindern. Die Expertinnen*Experten von Grün und Gruga arbeiten täglich daran, den Baumbestand in Essen zu schützen und zu erhalten. Zum Beispiel durch die Optimierung von Baumstandorten und Bodenfeuchtigkeitsmessungen im Wurzelbereich der Bäume im Projekt TreeCop.

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