Archäologische Sanierungsmaßnahmen liefern erste gesicherte Erkenntnisse zum Alter der Burg Altendorf

06.02.2026

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Archäologische Sanierungsmaßnahmen im Bereich der Hauptburg der Burgruine Altendorf liefern zahlreiche neue Befunde, darunter bislang unbekannte architektonische Details wie einen zusätzlichen Bauteil zwischen Wohnturm und Ringmauer sowie einen Abortbereich.
  • Erdprofile und Fundamentuntersuchungen ermöglichen einen detaillierten Einblick in die Baugeschichte der Burg, indem sie Bauphasen, Umbauten und konkrete Arbeitsspuren aus der Zeit der Turmerrichtung nachvollziehbar machen.
  • Radiokarbondatierungen von Holzkohle aus historischen Feuerstellen und weitere Funde belegen, dass die Burg bereits im 11. Jahrhundert errichtet und das Umfeld schon vor dem Burgenbau besiedelt wurde.

Im Sommer 2025 führte die Stadtarchäologie der Stadt Essen an der Burgruine Altendorf im gleichnamigen Stadtteil Burgaltendorf archäologische Sanierungsmaßnahmen durch. Diese konzentrierten sich auf den Bereich der Hauptburg und erbrachten zahlreiche neue Erkenntnisse, vor allem zur Baugeschichte der Burg.

Neue architektonische Details entdeckt

Eine Vielzahl architektonischer Details konnte an den Bauten ermittelt werden, die bislang nicht bekannt waren. Entdeckt wurde außerdem ein bislang ebenfalls unbekannter Bauteil zwischen Wohnturm und Ringmauer. Dieser stammt aus einer jüngeren Bauphase der Burg Altendorf und stellt möglicherweise eine Art Zisterne dar. Darüber hinaus legten die Archäologinnen*Archäologen einen Abortbereich mit all seinen Details frei.

Erkenntnisse durch Erdprofile

Die angelegten Erdprofile geben einen Einblick in die gesamte Baugeschichte der Burg. Deutlich erkennbar waren bei den archäologischen Sanierungsarbeiten beispielsweise Auffüllschichten, die mit umfangreichen Umbaumaßnahmen an der Burg in der Renaissance in Verbindung gebracht werden können und die sich mit den vorhandenen Quellen decken. Erstmalig konnten außerdem archäologische Schichten im Fundamentbereich des Turmes aufgenommen werden. Diese liefern interessante Ergebnisse: Auf Höhe der Fundamentoberkante wurde eine Bauschuttschicht erfasst, die eindeutig den Zeitraum des Turmbaus widerspiegelt. Innerhalb der Schicht befanden sich zahlreiche Bruchstein- und Mörtelreste, die bei der Errichtung des Turmes auf die damalige Oberfläche gelangten.

Feuerstellen zeigen: Burg älter als bisher angenommen

Direkt unterhalb der Bauschicht wurden zwei Feuerstellen freigelegt, die sehr viel Holzkohle und verbrannte Knochen enthielten. Die Expertinnen*Experten gehen davon aus, dass sich die damaligen Bauleute hier ihre Speisen zubereiteten, zu einer Zeit, als die Burg Altendorf im Bau war und es noch keine Burgküche gab.

Bereits bei einer kleineren Sondage im Jahr 2024 konnte von der gegenüberliegenden Turmseite eine Holzkohleprobe unterhalb des ersten Fundamentsteines geborgen werden. Diese Probe datierte in den Zeitraum zwischen 1033 und 1158. Während diese Holzkohle möglicherweise schon vor dem Bau der Burg im Boden gewesen sein könnte, lässt sich das für die kürzlich freigelegten Feuerstellen ausschließen. Die Ergebnisse aus den kürzlich gewonnenen Holzkohleproben, die per Radiokarbonmethode im Labor untersucht wurden, liegen der Stadtarchäologie nun ebenfalls vor: Sie datieren zwischen 1033 und 1158 und zwischen 1035 und 1158. Somit lässt sich zum ersten Mal gesichert nachweisen, dass die Burg deutlich früher errichtet wurde, als bislang angenommen.

Ebenfalls konnten die Expertinnen*Experten durch die jüngste Grabung erstmals nachweisen, dass bereits vor Errichtung der Burg im näheren Umfeld gesiedelt wurde. Unterhalb der Bauschichten fand sich eine großflächige Schicht, die aufgrund der Stratigrafie älter sein muss als der Wohnturm. Das vorgefundene Fundmaterial kann teilweise bis ins 10. Jahrhundert zurückdatiert werden. Ob es aber an gleicher Stelle einen Vorgängerbau gegeben hat, lässt sich anhand des nur kleinen Ausschnittes nicht mit Sicherheit feststellen.

Hintergrund und frühere Forschung zur Burg Altendorf

Die Ruine der Burg Altendorf besteht aus einer größeren Vorburg und aus einer kleineren Hauptburg, die auch den 21 Meter hohen, noch erhaltenen Wohnturm beherbergt. Vor allem im Bereich der Hauptburg fanden in den 1960er Jahren umfangreiche Ausgrabungen durch eine Schüler AG statt. Die damals freigelegten Mauerstrukturen mehrerer Vorräume wurden nur zum Teil wieder verfüllt. Einzelne Bereiche ragen bis heute aus dem Erdreich heraus. Diese noch offenliegenden Mauern wurden in den vergangenen 60 Jahren durch Witterungseinflüsse und Vandalismus beschädigt. Deshalb wurden die Bereiche erneut archäologisch freigelegt und saniert.

Durch die Freilegungsarbeiten sollte gleichzeitig auch die mangelhafte Dokumentation erneuert und Daten zur genauen Datierung der Burg erlangt werden. Die genaue Entstehungszeit der Anlage ist nämlich bislang unbekannt. Erstmalig erwähnt wird die Familie Altendorf in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts. Die Burg wird allerdings erst 200 Jahre später in den Quellen genannt.

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Eine der zwei freigelegten Feuerstellen im Planum. Erkennbar ist noch eine steinerne Einfassung. Dazwischen befindet sich Holzkohle und verziegelter Lehm
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