Im März dieses Jahres führte die Stadtarchäologie der Stadt Essen eine archäologische Sondage im Bereich des Burggrabens an der Burg Altendorf durch. Ziel war es, Informationen zum Aufbau des Burggrabens zu erhalten, um das Bodendenkmal "Burgruine Altendorf" detaillierter erfassen zu können.
Archäologische Sondage des Burggrabens
Bislang war es unklar, ob es sich bei dem noch heute im Gelände gut sichtbaren Graben um einen Wasser- oder Trockengraben handelte. Bei Ausgrabungen in den 1960er Jahren wurden im Burggraben tonige Schichten gefunden, die auf einen Wassergraben deuten könnten. Bei Probebohrungen vor rund zehn Jahren konnten dagegen keine tonigen Schichten erfasst werden. Deshalb ist bis heute nicht geklärt, ob es sich bei der Burgruine um eine ehemalige Wasserburg handelt oder nicht.
Die archäologische Sondage brachte nun Klarheit: Es konnten keine Schichten angetroffen werden, die auf eine einstige Wasserfüllung hinweisen. Der Graben konnte im Erdprofil eindeutig nachgewiesen werden. Es zeigte sich, dass der ursprüngliche Graben deutlich schmaler war, als die Geländesituation es heute anzeigt. Der Graben selbst wurde im Laufe der Jahrhunderte in mehreren Phasen nach und nach verfüllt. Zuoberst lag der Abbruchschutt der renaissancezeitlichen Burganlage auf. Zudem zeigte sich, dass die Ringmauer in diesem Teilbereich des Grabens womöglich ursprünglich eine Art Öffnung aufwies. Darauf weist jüngeres Fundmaterial in Form von fast vollständig erhaltenen Gefäßen unterhalb der Ringmauer hin.
Neuer Fund: ein Siegelstempel
Neben neuen Informationen zum Burggraben konnte ein weiterer, für die Geschichte der Burg bedeutender, Fund gemacht werden: Aus der Verfüllung vor der Ringmauer wurde ein bronzener Siegelstempel, ein sogenanntes Petschaft, geborgen. Stadtarchäologe Dr. Sebastian Senczek erklärt: "Bei dem Siegelstempel handelt es sich um einen sehr seltenen Fund, der Schriftquellen und archäologischen Befund miteinander verknüpft."
Das mittig gebrochene Petschaft zeigt eindeutig das Wappen der Familie Altendorf. Zu erkennen ist eine von drei Pferdeprammen, die noch heute das Stadtwappen von Burgaltendorf zieren. Auch der umlaufende, spiegelverkehrte Schriftzug ist deutlich zu erkennen. Abzulesen ist: S'(…)WEN(…)MARI * IUNIO(…), was sich ergänzen lässt zu: "S' WENEMARI * IUNIORIS MILITIS DE ALDENDORP". Übersetzt bedeutet dies "Siegel des Ritters Wennemar des Jüngeren von Altendorf".
Wennemar wird in Urkunden als "miles" bezeichnet und hatte das Hofamt eines Truchsesses der Äbtissin von Essen inne. In den Quellen taucht er zwischen 1285 und 1319 auf, gestorben ist er vor 1327. Wennemar ist eines der gut belegten Familienmitglieder der Familie Altendorf. Er erbt Haus Altendorf, wie das Testament seines Vaters Hermann aus dem Jahr 1291 belegt. Das Siegel lässt sich zwischen 1301 und 1317 auf noch erhaltenen Urkunden finden.
Das im Siegel Dargestellte ist oft eng mit dem*der Schriftführer*in verbunden. Jedes Siegel ist einzigartig und stellt so eine eindeutige Identifizierung der*des Besitzerin*Besitzers dar. Hieraus ergibt sich für archäologische Funde ein besonderer Überlieferungswert. Denn so wird etwas über einen bestimmten Menschen und dessen Wirken erzählt. Siegelstempel wurden nach dem Tod der Besitzer*innen zerstört, da es sich um die persönliche "Unterschrift" handelte. So sollten Fälschungen ausgeschlossen werden. Der Siegelstempel ist ein herausragender Fund, der große Bedeutung für die Geschichte der Burg Altendorf hat.
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