Die Stadt Essen setzt ihr Gesamtkonzept "Schule als sicherer Ort" fort. Nachdem bereits baulich-technische Maßnahmen an ersten Schulen umgesetzt werden, hat der Rat der Stadt Essen in seiner heutigen (08.07.) Sitzung das zweite Umsetzungspaket mit dem Schwerpunkt auf präventiv-pädagogischen Maßnahmen beschlossen. Ziel ist es, Gewalt frühzeitig vorzubeugen, Schulen nachhaltig zu stärken und allen Kindern und Jugendlichen ein sicheres Lernumfeld zu bieten.
Welche Maßnahmen sind schon angelaufen oder bereits geplant?
Im Mittelpunkt des zweiten Umsetzungspakets steht die schrittweise Ausweitung wissenschaftlich fundierter Gewaltpräventionsprogramme an allen Essener Schulen. Bereits Ende 2025 wurden alle Schulen eingeladen, sich an einer Pilotphase zu beteiligen. Insgesamt nehmen 21 Schulen verschiedener Schulformen teil. Lehrkräfte werden in Programmen wie "Lions Quest", "Fairplayer.Manual", "Faustlos", "Klasse 2000" oder "Eigenständig werden" geschult. Die Umsetzung der Programme startet mit dem Schuljahr 2026/2027. Parallel ist für 2027 eine umfassende Evaluation vorgesehen.
Darüber hinaus stärkt die Stadt die Prävention sexualisierter Gewalt. Dafür übernimmt sie im Jahr 2026 Kosten für das Theaterpräventionsprogramm "Mein Körper gehört mir" für die dritten Klassen an Grund- und Förderschulen. Insgesamt nehmen 53 Schulen mit 139 Klassen an dem Angebot teil. Die Durchführung erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Kinderschutzbund Essen und der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück.
Perspektivisch soll das Angebot deutlich ausgeweitet werden. Bis zum Jahr 2030 sollen alle städtischen Schulen Zugang zu den Gewaltpräventionsprogrammen erhalten. Gleichzeitig sollen die Angebote zur Prävention sexualisierter Gewalt dauerhaft an den Essener Grund- und Förderschulen etabliert werden.
Warum sind die Maßnahmen nötig?
Die Stadt reagiert mit den Maßnahmen auf Gewaltvorfälle an Schulen. Schulleitungen, Schulaufsicht, Elternvertretungen berichteten, dass zunehmend jüngere Schüler*innen straftatverdächtig würden, und dies vornehmlich im Bereich der Gewaltstraftaten. Gleichzeitig wünschen sich Schulen wirksame und nachhaltige Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit diesen Herausforderungen.
Es zeigt sich, dass eine frühzeitige Förderung sozialer und emotionaler Kompetenzen ein entscheidender Baustein erfolgreicher Gewaltprävention. Deshalb sollen Kinder bereits ab der Einschulung kontinuierlich lernen, Konflikte konstruktiv zu lösen, Rücksicht zu nehmen und respektvoll miteinander umzugehen. Die Programme sollen zudem Lehrkräfte dabei unterstützen, ein positives Klassenklima aufzubauen und Gewalt nachhaltig vorzubeugen.
Auch im Bereich des Schutzes vor sexualisierter Gewalt sieht die Stadt Handlungsbedarf. Das Schulgesetz Nordrhein-Westfalen verpflichtet Schulen zur Entwicklung von Schutzkonzepten. Zudem zeigen die Erfahrungen der spezialisierten Beratungsstellen in Essen, dass Präventionsangebote für Kinder weiterhin dringend benötigt werden.
Wie sollen die Maßnahmen finanziert werden?
Für die Pilotphase 2026 entstehen Kosten von maximal 205.000 Euro. Darin enthalten sind die Einführung der Gewaltpräventionsprogramme an 21 Schulen sowie die Finanzierung des Präventionsprogramms "Mein Körper gehört mir" an Grund- und Förderschulen.
Für das zweite Umsetzungspaket entstehen in den Jahren 2027 und 2028 voraussichtlich Gesamtkosten von bis zu 467.500 Euro. Vorgesehen ist dabei die Ausweitung der Gewaltpräventionsprogramme auf weitere 63 Schulen sowie die Fortführung der Prävention sexualisierter Gewalt.
Ein Teil der Kosten kann voraussichtlich über das Startchancen-Programm des Bundes refinanziert werden. Da 64 Essener Schulen an diesem Programm teilnehmen, könnten bis zu 43 Prozent der jährlichen Kosten für die Gewaltprävention übernommen werden. Dadurch könnten in den Jahren 2027 und 2028 jeweils bis zu rund 79.000 Euro refinanziert werden.
Weitere Details und Informationen erhalten Interessierte in der Vorlage 1024/2026/4
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