Modernisierungsoffensive im Nordviertel verbindet Sanierung und Hitzevorsorge

Stadt Essen koordiniert Modellvorhaben "Hitzefrei im Pott" zur klimaangepassten Entwicklung des Quartiers an der Schlenhofstraße

11.09.2026

Im Essener Nordviertel sollen in den kommenden Jahren Modernisierung und Hitzevorsorge zusammengedacht werden. Im AllbauQuartier an der Schlenhofstraße könnte Anfang 2027 ein umfassendes Modernisierungsprojekt starten. Gleichzeitig untersucht die Stadt Essen gemeinsam mit Partnern im Modellvorhaben "Hitzefrei im Pott", wie Wohnquartiere besser an zunehmende sommerliche Hitze angepasst werden können.

Das Umweltamt der Stadt Essen koordiniert die kommunale Umsetzung des Modellvorhabens. Ziel ist es, Maßnahmen zur Hitzevorsorge frühzeitig in ohnehin geplante Modernisierungs- und Freiraumprozesse zu integrieren. Gemeinsam mit den Anwohnerinnen*Anwohnern sollen dafür konkrete Lösungen entwickelt und erprobt werden.

Wie wird das Nordviertel klimaangepasst?

Im Mittelpunkt stehen Maßnahmen auf Gebäude- und Freiraumebene sowie im sozialen Bereich. Dazu gehören unter anderem mehr Verschattung und Begrünung, ein klimaangepasster Umgang mit Regenwasser, die Verbesserung des Mikroklimas und der Aufenthaltsqualität sowie niedrigschwellige Informations- und Unterstützungsangebote zur Hitzevorsorge.

"Hitzevorsorge gelingt nur gemeinsam – Verwaltung, Wohnungswirtschaft, Wissenschaft und die Menschen vor Ort müssen an einem Strang ziehen", sagt Simone Raskob, Dezernentin für Umwelt, Verkehr und Sport der Stadt Essen. "Mit Hitzefrei im Pott können wir konkret untersuchen, wo wichtige Stellschrauben für die Hitzevorsorge liegen und wie Stadt und Wohnungswirtschaft dabei besser zusammenarbeiten können. Die gewonnenen Erfahrungen sollen uns helfen, solche Ansätze künftig auch auf andere Quartiere zu übertragen.“

Im Essener Modellquartier wird zunächst untersucht, wie stark die Anwohner*innen von sommerlicher Hitze betroffen sind und welche zusätzlichen Ansatzpunkte sich im Rahmen der geplanten Modernisierung ergeben. Die Erfahrungen und Anregungen der Anwohner*innen fließen in die Entwicklung der Freiräume und des Nutzungskonzepts ein.

"Entscheidend ist, beide Seiten zusammenzubringen: den Blick auf die konkrete Hitzebelastung der Anwohner*innen und darauf, was die Allbau im Rahmen ihrer Modernisierung bereits für die Hitzevorsorge leistet. Darauf aufbauend wollen wir herausfinden, welche zusätzlichen Maßnahmen sich möglichst ohne wesentliche Mehrkosten in ohnehin geplante Prozesse integrieren lassen. Genau darin liegt ein großer Vorteil dieses Ansatzes", so Sonja Eisenmann, Leiterin des Umweltamts der Stadt Essen.

Die Freiraumplanung betrachtet die Außenanlagen als zusammenhängendes System aus grüner und blauer Infrastruktur. Aufenthaltsqualität, Regenwassermanagement und Hitzevorsorge werden dabei gemeinsam gedacht.

Welche Maßnahmen sind geplant?

Im AllbauQuartier an der Schlenhofstraße sollen 21 Gebäude aus dem Baujahr 1946 mit insgesamt 165 Mietwohnungen modernisiert werden. Für das Großmodernisierungsprojekt der Allbau GmbH sind Investitionen von rund 14,5 Millionen Euro vorgesehen. Der Start ist vorbehaltlich der notwendigen Förderzusagen für Anfang 2027 geplant. Vorgesehen sind unter anderem eine energetische Sanierung mit Fernwärmeversorgung, ein neues Heizungssystem sowie die Dämmung von Fassaden, Kellerdecken und Dächern und der Austausch der Fenster. Auch die Außenanlagen werden klimaangepasst weiterentwickelt. Geplant sind mehr Bäume, Begrünung und schattige Aufenthaltsbereiche sowie die Aufwertung von Spiel- und Gemeinschaftsflächen. Regenwasser soll möglichst vor Ort zurückgehalten und für die Bewässerung genutzt werden. Entsiegelungen und wasserdurchlässige Beläge unterstützen zusätzlich die Versickerung und Kühlung durch Verdunstung.

"Entscheidend für die Kühlungswirkung im Freiraum ist das Zusammenspiel mehrerer Maßnahmen: mehr Schatten durch ein höheres Grünvolumen, zusätzliche klimaresiliente Bäume und schattige Aufenthaltsbereiche sowie eine höhere Verdunstungsleistung. Dafür führen wir Regenwasser möglichst offen, nutzen es zur Baumbewässerung und speichern es in Zisternen. Entsiegelte Flächen, wasserdurchlässige Beläge, begrünte Garagendächer und Fassadenbegrünungen ergänzen diesen Ansatz. So entsteht aus vielen aufeinander abgestimmten Maßnahmen ein klimaangepasstes und zugleich attraktives Wohnumfeld", erklärt Allbau-Bereichsleiter Wolfgang Telöken.

Was ist "Hitzefrei im Pott"?

Das Essener Vorhaben ist eines von bundesweit sieben Modellvorhaben der "Urban Heat Labs – Hitzevorsorge in Stadtquartieren und Gebäuden" im Forschungsprogramm Experimenteller Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt) des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) und des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR). Das Umweltamt der Stadt Essen koordiniert die kommunale Umsetzung. Die Allbau GmbH bringt ihre Perspektive als lokaler Wohnungsanbieter ein. Fachlich unterstützen die Universität Kassel, der Regionalverband Ruhr (RVR) und der Bundesverband GebäudeGrün e.V. (BuGG) das Vorhaben.

Das Modellvorhaben soll zeigen, welche Maßnahmen sich in der Praxis bewähren und wie sich die Erfahrungen aus dem Nordviertel auf andere Bestandsquartiere übertragen lassen. Damit leistet die Stadt Essen einen weiteren Beitrag dazu, Wohnquartiere langfristig klimaangepasst und lebenswert zu gestalten.

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Die Beteiligten des Projekts bei einer Informationsveranstaltung für die Anwohner*innen.