Handlungskonzept geschlechtliche u. sexuelle Vielfalt: Stadt zieht positive Zwischenbilanz

16.09.2026

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Der Rat hat die Evaluation des seit 2024 laufenden, fünfjährigen Handlungskonzepts zur Kenntnis genommen. In sieben Handlungsfeldern wurden Maßnahmen gestartet und in bestehende Strukturen integriert.
  • Sichtbarkeit, Vernetzung und Teilhabe queerer Lebenswelten wurden durch Informations- und Sensibilisierungsangebote, Fortbildungen, Beratung und Veranstaltungen deutlich ausgebaut.
  • Trotz Fortschritten bleiben Schutz vor Diskriminierung und Gewalt und die Stärkung der Akzeptanz zentrale Aufgaben. Die Stadt Essen setzt auf enge Kooperationen, mehr Vernetzung und weitere Maßnahmen in Bereichen wie Sport, Gesundheit, Pflege und Wohnen.

Der Rat der Stadt Essen hat die Evaluation zum "Handlungskonzept geschlechtliche und sexuelle Vielfalt" in seiner heutigen Sitzung (16.09.) zur Kenntnis genommen. Die Umsetzung läuft seit 2024 und hat eine Laufzeit von fünf Jahren.

In insgesamt sieben Handlungsfeldern wurden Maßnahmen gestartet und vielfach in bestehende Strukturen integriert. Sichtbarkeit und Vernetzung wurden dadurch deutlich ausgebaut, beispielsweise durch Informations- und Sensibilisierungsangebote, Fortbildungen, Beratung, Veranstaltungen und vielem mehr. Der Schutz vor Diskriminierung und Gewalt sowie die gesellschaftliche Akzeptanz queerer Lebenswelten bleibt eine zentrale Aufgabe.

Handlungsfeld Arbeit

Die Stadtverwaltung hat bestehende Strukturen ausgebaut und Maßnahmen ergriffen, um gute Arbeitsbedingungen für queere Mitarbeitende zu schaffen und Vielfalt noch sichtbarer zu machen. Neue Führungsleitlinien, verabschiedet im Mai 2025, betonen Offenheit, Wertschätzung und Respekt. Die Arbeitgeberinnenmarke, die 2026 eingeführt wurde, macht diese Vielfalt ebenfalls nach außen sichtbar. Fortbildungen, Onboarding-Module und Beratungsangebote zur sexuellen und geschlechtlichen Vielfalt sind etabliert. Ein internes LSBTI*-Netzwerk stärkt Austausch und Sichtbarkeit. LSBTI* steht für Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Trans, Intergeschlechtlich, Nicht-binär, Queer und weitere sexuelle Orientierungen und Geschlechtsidentitäten.

Handlungsfeld Bildung und Erziehung

Mit diesem Handlungsfeld will die Stadt Essen Kindern und Jugendlichen unter anderem ermöglichen, sich altersgerecht und lebensweltorientiert mit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt auseinanderzusetzen. Queere Jugendliche finden zudem mit dem Jugendzentrum "together essen" und der Beratungsstelle "Lebenslust" zentrale Anlaufstellen in der Stadt. Pädagogische Fachkräfte und Schulsozialarbeit wurden außerdem entsprechend qualifiziert. Formate wie Lesungen und das Regenbogenfamilienfest, das 2024 im Grugapark stattfand, machten Familienvielfalt sichtbar und richtete sich an Familien aus ganz Nordrhein-Westfalen.

Handlungsfeld Kultur und Sport

Das Kulturamt verankert Diversität als Querschnittsthema in der Kulturförderung und Projektentwicklung. Dialog- und Beteiligungsformate, beispielsweise "unterHALTUNG" und "#realitycheckkultur®", sowie die Queer-Jewish Days setzen Akzente. Mit dem Essener Preis für queere Kultur "NOMI" wurde 2023 ein eigenes Sichtbarkeitsformat geschaffen – eine weitere Vergabe ist vorgesehen. Die Stadt Essen stärkt außerdem die queere Nachtkultur.

Im Sport wurde ein geschütztes Schwimmangebot für trans-, intersexuelle, nicht-binäre und queere Menschen im Friedrichsbad etabliert. Ein Awarenesskonzept für Sportstätten sowie eine engere Vernetzung mit dem Essener Sportbund und einzelnen Vereinen sind außerdem geplant.

Handlungsfeld Gesundheit

Niedrigschwellige Beratungs- und Testangebote im städtischen Gesundheitsamt und bei der Aidshilfe Essen wurden ausgebaut und durch aufsuchende Präventionsarbeit und zielgruppenspezifische Angebote ergänzt. Fachkräfte im Gesundheits- und Pflegebereich werden zu spezifischen Bedarfen von LSBTINQ*-Patientinnen*Patienten sensibilisiert, beispielsweise in Pflegeschulen.

Das Zentrum für Transgendermedizin an den Kliniken Essen-Mitte bietet eine hochspezialisierte Versorgung an. In Zukunft sollen das Empowerment von Patientinnen*Patienten und die engere Vernetzung der Akteurinnen*Akteure aus den verschiedenen Bereichen noch stärker in den Fokus rücken.

Handlungsfeld Vielfalt und Antidiskriminierung

Mit diesem Handlungsfeld verfolgt die Stadt Essen das Ziel, dass Menschen unabhängig von sexueller Orientierung und geschlechtlicher Identität sichtbar und sicher leben können und Betroffene vor jeglicher Form der Gewalt und Diskriminierung Schutz erhalten.

Im öffentlichen Raum sind queere Themen inzwischen deutlich präsenter. Sichtbarkeit entsteht beispielsweise durch den Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit (IDAHOBIT), die ruhrPRIDE und weitere Formate. Angesichts steigender queerfeindlicher Straftaten wird die enge Zusammenarbeit mit der Polizei fortgeführt. Ein Fachtag im Jahr 2025 stärkte intersektionale Perspektiven in Beratung, Gesundheitswesen, Bildung und Sozialer Arbeit. Für 2027 ist ein "Tag der Vernetzung LSBTINQ*“" geplant.

Handlungsfeld Beteiligung, Ehrenamt und Selbsthilfe

Ehrenamtliches Engagement soll nachhaltig und langfristig gestärkt werden. So wird zum Beispiel die ehrenamtlich organisierte ruhrPRIDE durch die Stadt Essen unterstützt. Die Koordinierungsstelle LSBTI* arbeitet kontinuierlich mit dem Bündnis für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt F.E.L.S. zusammen, um Entwicklungen und Bedarfe der Vereine, Initiativen und Selbsthilfestrukturen früh zu erkennen und Beratungsmöglichkeiten zu schaffen. Auf www.essen.de werden unterschiedliche Angebote gebündelt und veröffentlicht, um Zugänge zu erleichtern und Engagement zu fördern.

Handlungsfeld Soziales und Wohnen

Im Handlungsfeld Soziales und Wohnen will die Stadt die Bedarfe queerer Bürger*innen in der Planung berücksichtigen, Versorgungslücken schließen und vor Übergriffen in Pflege- und Hilfesystemen schützen. Projekte wie "Nachbarschaftliches Wohnen" für lesbische Frauen und "Queer60Plus" für queere Menschen ab 60 Jahren fördern soziale Teilhabe und sensibilisieren zudem Fachkräfte aus dem Bereich Pflege. Das Netzwerk "Essen zieht zusammen!" macht in Kooperation mit der Volkshochschule (VHS) Essen im Zuge von Veranstaltungen außerdem spezifische Bedarfe sichtbar und adressiert strukturelle Hürden. Dadurch wird der Austausch zwischen Wohninitiativen, Politik und Verwaltung gefördert und eine Öffentlichkeit für das Thema gemeinschaftliche Wohnformen hergestellt.

Ausblick

Die Stadt Essen konnte bereits zahlreiche Maßnahmen umsetzen. Dies soll auch in Zukunft konsequent fortgeführt werden. Schwerpunkte bleiben der Schutz vor Diskriminierung und Gewalt sowie weitere Schritte in den Bereichen Sport, Gesundheit, Pflege und Wohnen. Die bisher erreichten Fortschritte bilden eine tragfähige Grundlage für die verbleibende Laufzeit des Handlungskonzepts.

Weitere Informationen finden Interessierte in der Vorlage 1358/2026/OB .

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