Seit 1995/96 präsentiert die Stadtarchäologie jährlich die Funde und Forschungsergebnisse des vorangegangenen Jahres im Foyer des Rathauses in Form einer kleinen Ausstellung. Vom 18.2. bis zum 8.3.2008 kann sich der interessierte Bürger über die archäologischen Untersuchungen des Jahres 2007 informieren. Den Schwerpunkt der aktuellen Ausstellung bilden die Ergebnisse der archäologischen Baubegleitung der Großbaustelle am Limbecker Platz: Obwohl man sich dort außerhalb der mittelalterlichen Stadtmauer befand, bewegte man sich dennoch auf historisch hochinteressantem Boden, denn hier führte der Hellweg durch das Limbecker Vor- und Haupttor in die mittelalterliche Stadt. Von Duisburg im Westen kommend und nach Osten auf Paderborn zulaufend bildete der Hellweg, möglicherweise schon in vorgeschichtlicher Zeit, spätestens aber seit Karl dem Großen die wichtigste Verkehrsverbindung unserer Region. Reste dieser Wegetrasse konnten bei den Bauarbeiten am Limbecker Platz beobachtet und dokumentiert werden. Mehrere Straßenbefestigungen übereinander belegen die Nutzung über einen langen Zeitraum. Dabei verwendete man im Laufe der Zeit ganz unterschiedliche Materialien zur Befestigung des Weges: So konnten die Archäologen sowohl unterschiedliche Kieselpflaster und Knüppelwege nachweisen, als auch Ausbesserungen und Flickungen mittels Tierknochen. Neben diesen Einblicken in das damalige Verkehrswesen konnten weitere spannende Befunde dokumentiert werden, lagen an dieser Stelle doch auch ein Teich und in seinem Umfeld mehrere Mühlen. Einen ganz besonderen Fund stellt eine mittelalterliche Fischreuse dar, denn von diesen haben sich nur ganz wenige Exemplare bis heute erhalten können. Weitere Funde runden das Bild des Fundplatzes vom Mittelalter bis in die Neuzeit ab.
Die Funde des Monats - Jahr 2008
Weitere Informationen
An die Limbecke, die einst im Westen der Stadt floss, erinnert heute noch der Name Limbecker Platz. Auch die Bezeichnung Limbecker Tor, so hieß eines der vier mittelalterlichen Tore der Stadt, leitet sich von diesem Gewässer her.
Bei den Bauarbeiten für das neue Einkaufszentrum am Limbecker Platz 2006 und 2007 und zuletzt noch im Dezember 2007 und im Januar 2008 wurden immer wieder Sedimente dieses Baches angetroffen. Aufgrund erster natur-wissenschaftlicher Untersuchungen der Universität Köln können die ältesten datierten Sedimente inzwischen bis in die Bronzezeit zurückverfolgt werden.
Jetzt wurden in Zusammenarbeit der Stadtarchäologie mit dem Ruhrmuseum Proben aus dem "alten Bach" entnommen, die einen Einblick in die Vegetationsgeschichte des Ortes geben sollen. Es besteht die Hoffnung, dass man durch die Analyse der Proben die Entwicklung der Landschaft über einen sehr langen Zeitraum zurückverfolgen kann.
Vor etwa zwei Monaten übergab Frau Margarethe Rassow aus Heisingen der Stadtarchäologie einen Dolch, der in den 1980er Jahren bei dem Bau ihrer Terrasse gefunden worden war. Dieser Dolch stammt aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und wurde, zusammen mit anderen Waffen, im 2. Weltkrieg im Garten ihres Hauses vergraben. Dieses Haus gehörte früher dem Korvettenkapitän Hans Rose.
Aufgrund des Interesses an weiteren Funden übergaben Prof. Dr. Jürgen Rassow und seine Gattin Dr. Klaus Wisotzky, dem Leiter des Stadtarchives und des Hauses der Geschichte, verschiedene Schriftstücke. Darunter befindet sich eine Akte, die der Korvettenkapitän Hans Rose zwischen 1921 und 1923 angelegt hat. Hans Rose, der auch in Essen lebte, galt als ein bedeutender U-Boot-Kommandeur der Kaiserlichen Marine des 1. Weltkrieges. Obwohl er 79 Schiffe versenkte, gehörte er zu den geachtetsten U-Boot Kommandeuren, da er sich auch für die Überlebenden einsetzte.
Die übergebene Akte, die im Haus der Geschichte bleiben soll, enthält beispielsweise Schilderungen von Torpedierungen feindlicher Schiffe zwischen 1916 und 1917, aber auch Beschreibungen von Ereignissen während der Besetzung des Ruhrgebietes durch die Franzosen im Jahr 1923.
Zu den interessanten Spuren bergbaulicher Tätigkeit gehören auch die Spuren aus jüngster Vergangenheit, die die Ausbeutung von nah an der Oberfläche ausstreichenden Kohleflözen belegen. Zwar findet man solche Spuren recht häufig, zum Beispiel in den Wäldern im Essener Süden, doch treten solche Zeugnisse auch inmitten von besiedelten Flächen auf. Nicht selten berichtet die Presse von gefährlichen Tagesbrüchen, die sich auf den Bergbau zurückführen lassen.
In Heisingen konnten in einer Baugrube verfüllte Gruben und Reste eines abgebauten Kohleflözes nachgewiesen werden. Auf über zehn Metern Länge und einer Breite von gut 3,50 m waren die Spuren auf dem Grund der Baugrube zu verfolgen.
Während die jüngsten Spuren anscheinend auf einen Abbau des Flözes in der Zeit des II. Weltkrieges hindeuten, einer Zeit als Kohle ein knappes Gut war, können die älteren Abbauspuren in das 19. Jahrhundert zurückzureichen.
Seit 1934 stand das Katernberger Ehrenmal auf der Südseite des Marktplatzes, es erinnerte an 702 im ersten Weltkrieg Gefallene des Ortes. Mangelnde Standsicherheit und sehr hohe Instandsetzungskosten führten dazu, dass das Denkmal Ende 2007 abgerissen wurde. Diese Arbeiten begleitete die Stadtarchäologie. Grün und Gruga stellte zudem Teile des Ehrenmals für das Ruhrmuseum sicher. In der Mitte des Ehrenmals wurde ein etwa 1 m langer und etwa 30 cm breiter, senkrechter, oben durch zwei Ziegellagen und eine Sandsteinplatte ver-schlossener Schacht entdeckt. In diesem stand ein 39 cm langes, zylindrisches metallenes Dokumentenbehältnis mit einem Durchmesser von 8 cm. Auf seiner Mitte sind - einander gegenüberliegend - ein Eisernes Kreuz, beschriftet WELTKRIEG 1914 - 1918, und ein Hakenkreuz angebracht. Die Unterseite ist durch einen Deckel verschlossen. Darüber befinden sich die Namen des Stifters und des Graveurs des Behältnisses, auf dem Deckelrand die Jahreszahl 1934. Bisher ist die Sicherstellung vergleichbarer Objekte der jüngeren Geschichte selten. In dem Behältnis aus Katernberg, das am 2.4.2008 geöffnet wurde, war ein zwanzigseitiges, äußerst sorgfältig handgeschriebenes und gebundenes Urkundenbuch aus Büttenpapier enthalten. Einem einführenden Text, der den Weg des Denkmals von der Planung bis zur Grundsteinlegung nachzeichnet, ist eine Liste mit den Namen und Lebensdaten der 702 Gefallenen aus Katernberg angefügt.
Schon eine erste Sichtung des Fundes macht deutlich, dass es sich um eine wertvolle zeitgeschichtliche Quelle handelt, die zugleich ein neues Schlaglicht auf die Schwierigkeiten bei der Deutung historisch-politischer Monumente aus der Zeit vor 1945 wirft.
Nicht größer als 1,2 cm ist das kleinste Feuersteingerät, das jetzt in Kupferdreh gefunden wurde. Zusammen mit zahlreichen anderen Funden, darunter auch Geräten aus Feuerstein und Kieselschiefer, stammt es von einem bekannten Fundplatz südlich der Ruhr. Trotz seiner geringen Größe kann man das Stück gut datieren: Das Gerät wurde vor circa 7000 bis 10000 Jahren, in der Mittleren Steinzeit, hergestellt. Auch die anderen Funde von dem Fundplatz dürften ähnlich alt oder auch noch jünger - jungsteinzeitlich - sein.
Im Internet findet man die ersten Ergebnisse des digitalen Visualisierungsprojektes, das die Stadtarchäologien von Dortmund, Duisburg und Essen zusammen mit der Hochschule Bochum als Beitrag zur Kulturhauptstadt 2010 derzeit entwickeln. Diese Archäologischen Ruhrzeiten stellen ausgewählte Themen der drei Stadtarchäologien vor und sollen jedem Interessierten Zugriff auf die wechselvolle Geschichte des Ruhrgebietes - auch deutlich vor Kohle und Stahl - ermöglichen.
Für das Stadtgebiet von Essen sind dies neben digitalen Modellen des Weltkulturerbes Zeche Zollverein, der ehemaligen Kruppschen Hauptverwaltung und der Synagoge in der Innenstadt vor allem die zahlreichen mittelalterlichen und neuzeitlichen Burgen und Herrenhäuser, die sich mit ihrem geschichtlichen Hintergrund virtuell erkunden lassen.
Anlässlich des Neubaus einer Seniorenanlage wurden im Sommer 2008, südlich des Kapitelberges in Stoppenberg mit seiner aus dem 11. Jahrhundert stammenden Stiftskirche „Maria in der Not“ und der daran südlich vorbeiführenden Essener Straße, archäologische Befunde dokumentiert. In dem nach Osten und Süden hin ansteigenden Gelände ist eine in etwa 2,20 m Tiefe noch auf circa fünf Metern Länge verfolgbare, grabenartige Struktur besonders erwähnenswert. Die mittelgraue, in Randbereichen hellgraue Verfüllung war noch etwa 1,50 m breit und 0,90 m tief erhalten. Aus ihr stammen zahlreiche handgemachte, rötliche bis lederbraune Scherben von Tongefäßen vorgeschichtlicher Machart, Rotlehm, Holzkohleflitter, zahlreiche Kiesel und ein Abspliss aus Kieselschiefer. Unter den gut fünfzig abgerollten Keramikscherben ist leider keine einzige verziert und auch keine Randscherbe erhalten, was die Datierung der Funde sehr erleichtern würde. Bei weiteren Befunden könnte es sich beispielsweise um Reste von kleineren Gruben handeln. Bis in den Mergel reichte Stelle 10, ein noch 0,50 m tief erhaltener graben- oder grubenähnlicher Befund von max. 2,00 m Breite, der auf circa 4 m verfolgbar war. Datierende Funde wurden aus ihm nicht geborgen.
Für die oben beschriebene Siedlungskeramik ist auf Essener Boden bisher kaum Vergleichbares zu finden. Sie weist zwar durchaus Ähnlichkeiten zu jungneolithischer Keramik auf, könnte aber auch früheisenzeitlich sein, wie vereinzelte Funde in Essen und ähnliche Funde, zum Beispiel aus Dortmund, nahelegen. Zu dieser zeitlichen Einordnung passt auch die hell- bis mittelgraue Farbe der beschriebenen Befunde.
Vielleicht kann eine Analyse der Sedimente in Köln bei der Datierung der Siedlung helfen.
September - Zwei Vitrinen im neuen Einkaufszentrum erklären archäologische Funde vom Limbecker Platz
Etwa im 13. Jahrhundert wurde um die Essener Innenstadt herum eine Stadtmauer errichtet. Das neue Einkaufszentrum liegt zwar außerhalb der historischen Altstadt, gleichzeitig aber auch an dem bedeutenden Handelsweg, dem Hellweg, der von Westen kommend durch das Limbecker Tor in die Stadt führte und über den man im Osten, am Steeler Tor - heute etwa gegenüber der Alten Synagoge - aus der Stadt heraus gelangte. Mit der beginnenden Industrialisierung entstanden im 19. Jahrhundert auch außerhalb der Stadt Industrie- und Wohnbezirke.
Von dem alten Hauptweg in die historische Stadt wurden einige Spuren in der neuen Baugrube für den 2. Bauabschnitt des Einkaufszentrums gefunden. Von besonderem Interesse sind aber vier Brunnen, die etwa um 1860 angelegt und um 1900, kurz vor Errichtung des alten Karstadt Gebäudes, das 1911/12 entstand, wieder verfüllt wurden (siehe Foto). Die etwa zwischen zehn und 14 m tiefen Brunnen aus Backsteinen enthielten Funde, die einen Einblick in das Alltagsleben der Menschen, die hier in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts lebten, gewähren. Insbesondere Glas-, Porzellan-, Knochen- und Lederfunde (siehe Foto) wurden aus den Brunnen geborgen.
Zwei Vitrinen im neuen Einkaufszentrum zeigen seit dem 15. September ausgewählte archäologische Funde, die bei den Ausschachtungsarbeiten für das neue Einkaufszentrum zwischen 2006 und 2008 geborgen wurden. Die Funde werden zusätzlich anhand von Texten und von Bildmaterial erläutert. Die Vitrinen sind im Durchgang zu den Servicebereichen im Basement und im 1. Obergeschoss zu besichtigen, in denen sich Fernsprecheinrichtungen, Schließfächer und Kundentoiletten befinden.
Unter www.Limbecker-Platz.de kann man in Kürze die Ausstellung auch virtuell besuchen.
In den letzten Jahren erwacht nach und nach die Industriebrache der ehemaligen Friedrich Krupp AG in der Essener Innenstadt zu neuem Leben. Das 1811/12 von Peter Friedrich Krupp (1787-1826) ursprünglich in Altenessen gegründete Werk, wurde schon 1819/20 an die Altendorfer Straße, damals Mülheimer Chaussee, verlegt. Aus dem Kernbereich, bestehend aus Schmelzbau zur Stahlherstellung und Weiterverarbeitung sowie kleinem Aufseherhaus, dem sogenannten Stammhaus, entwickelte sich nach und nach die riesige Industrieanlage, von der heute oberirdisch nur noch geringe Reste erhalten sind. Bei Bodeneingriffen kommt jedoch die eine oder andere Überraschung zu Tage. So verwunderte es nicht, dass beim Bau des neuen VW-Zentrums an der Hans-Böckler-Straße, gleich östlich des alten Fabrikkerns, archäologische Spuren erkannt werden konnten. Durch Recherchen im Vorfeld war bereits bekannt, dass in der Baugrube des neu zu errichtenden Gebäudes Teile des so genannten Bandagenhammerwerkes zu erwarten waren. 1864 errichtet, war es 1865 mit insgesamt sechs Hämmern in Betrieb genommen worden. Mit Bandagen bezeichnete man im Krupp-Werk die 1851 eigens hier entwickelten Radreifen ohne Schweißnaht für den Eisenbahnbetrieb.
Bei den Arbeiten konnte die Südwestecke des Gebäudes, sowie Reste der ehemaligen Inneneinbauten freigelegt, beobachtet und dokumentiert werden. Dabei handelt es sich vor allem um Rauchgasabzüge aus Schamottziegeln und wahrscheinlich um Teile von geziegelten Ofenunterbauten. Der anstehende Lehm, in den diese Befunde eingetieft waren, war durch große Hitze rot verfärbt. Dies könnte z.B. auf eine Ofenanlage zurückzuführen sein. Um eine Bandage herzustellen wird in die Mitte eines Stahlbarrens eine Rille gesägt und diese Öffnung vorsichtig geweitet, bevor er mit Hilfe einer speziellen Bandagenwalze kreisförmig gewalzt und mit den nötigen Profilen versehen wird. Das Aufweiten und Walzen ist nur mit glühenden Stahlbarren möglich, so dass in den Werken auch immer Öfen zu finden waren.
Teile der Dokumentationsarbeiten wurden von Mitarbeitern der Hochschule Bochum, Labor für Photogrammetrie, übernommen. Die so sehr schnell erhobenen Daten werden nun im Labor sowohl vermessungstechnisch überarbeitet als auch archäologisch ausgewertet. Eine 3D-Visualisierung der Krupp´schen Gussstahlfabrik inklusive des Bandagenhammerwerkes mit östlichem Anbau wird bereits im Internet unter dem untenstehenden Link präsentiert.
Bei Bauarbeiten zum Austausch einer Wasserleitung im Garten zwischen dem Bischofshaus und der Essener Domkirche wurde der Rest eines zum Teil ausgebrochenen Fundamentes aus Bruchsteinen gefunden. Die Breite der Fundamentmauer, die mit einem weichen Kalkmörtel aufgemauert war, könnte bei etwa zwei Metern gelegen haben.
Bei dem im nur 0,75 m breiten und etwa 0,80 m tiefen Graben gefundenen Mauerstück handelt es sich wahrscheinlich um einen Teil der östlichen Fundamentmauer der ehemaligen Residenz der Äbtissin.
Vermutlich entstand dieser Bau im 13. Jahrhundert. Später wurde er mehrfach umgebaut. Mit dem Beschluss zur Aufhebung aller geistlichen Fürstentümer wurde 1803 auch das Stift Essen säkularisiert. In dem Gebäude war danach das Königliche Gericht untergebracht. 1883 wurde es abgerissen.
Bei Instandsetzungsarbeiten der Wege auf dem Katholischen Friedhof Stoppenberg, der auf der Schwanhildenhöhe, unterhalb des Kapitelberges mit der Stiftskirche aus dem 11. Jahrhundert liegt, brachen Teile des Gewölbes der Gruft des Pfarrers Theodor Kallenberg (7.10.1804 - 17.3.1873) ein. Diese Gruft war niemandem bekannt. Die hinzu gerufene Stadtarchäologie stellte fest, dass in dem aus Backsteinen gemauerten Grab neben den sterblichen Überresten auch Teile des hölzernen Sarges, der ursprünglich auf einem hölzernen Sarggestell mit sechs gedrechselten Beinen stand, erhalten geblieben sind. Nach der Bearbeitung wurde die Gruft, die erste bekannt gewordene auf diesem Friedhof, gesichert und wieder verschlossen.
Einige Reste von Tongefäßen, die jetzt in der Nähe des Grabes auf dem Friedhof gefunden wurden, sind aber besonders bemerkenswert: Die ältesten Tonscherben sind etwa 1000 Jahre alt und stammen damit aus der Zeit, als die Essener Äbtissin Swanhild (1073 - 1085) die ehemalige Stiftskirche, die 1074 als Nikolauskapelle geweiht wurde, stiftete.