Übergabe von historischen Urkunden zur Rellinghauser Stiftsmühle

Das Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv freut sich über eine großzügige Schenkung, die am 4. Juni 2021 mit einem Pressetermin der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Herr Johannes P. Stoll aus Essen-Rellinghausen hat dem Haus der Essener Geschichte/ Stadtarchiv bereits im März 2021 sechs historische Pergamenturkunden (Behandigungsbriefe) zur Rellinghauser Stiftsmühle aus dem Zeitraum von 1435 bis 1629 überlassen. Die Urkunden wurden inzwischen von der Archivleiterin Dr. Claudia Kauertz erschlossen und von der Restauratorin Barbara Pohl konservatorisch bearbeitet, so dass sie nun der Öffentlichkeit zugänglich sind und unter der Bestandsnummer 785 im Lesesaal eingesehen werden können.

Die Rellinghauser Stiftsmühle am Rellinghauser Mühlenbach gehört zu den ältesten Wassermühlen auf dem Gebiet der heutigen Stadt Essen. Die dem Kapitel des Damenstifts zu Rellinghausen gehörende Kornmühle, deren Behandigungsrecht (Belehnungsrecht) bei der jeweiligen Pröpstin des Stifts Rellinghausen lag, wird erstmals im Jahr 1411 urkundlich erwähnt. Im Jahr 1412 ist ein Johann de Molner (Johann Müller) als Kirchmeister zu Rellinghausen tätig. Die nächste Nachricht stammt dann aus dem Jahr 1435. Mit einem sogenannten Behandigungsbrief der Pröpstin Margarete von Limburg-Broich wird 1435 Gerd in der Molen zu Rellinghausen mit der Mühle auf Lebenszeit belehnt.

Mit dem Ende des Alten Reiches und der Säkularisierung des kirchlichen Besitzes im Jahr 1802 gingen auch die Lehnrechte des aufgehobenen Stifts Rellinghausen an den neuen Landesherrn, den König von Preußen, über und fielen damit an den preußischen Staat. Mit dem Gesetz über die Ablösung der Lehen vom 21. April 1825 wurden auch die Lehnsmühlen zu freiem Eigentum. Die Rellinghauser Stiftsmühle wurde von der Besitzerfamilie Müller erworben, die sie seitdem in Privatbesitz bewirtschaftete. Nach dieser Familie wurde die Mühle im 19. Jahrhundert Müllersche Mühle genannt. Die Mühle war bis Ende des 19. Jahrhunderts in Betrieb und wurde - ebenso wie die beiden anderen, am Rellinghauser Mühlenbach gelegenen Mühlen (Langhartsche und Möllenbecksche Mühle) - um die Jahrhundertwende stillgelegt, weil die Abwässer der Gemeinden und Zechen den Mühlenbach verschlammten. Im Jahr 1912 wurden die Mühlengebäude vollständig abgerissen. Bereits im Jahr 1890 war das Wohnhaus einem Brand zum Opfer gefallen.

Während die beiden ältesten urkundlichen Nachweise über die Rellinghäuser Stiftsmühle aus den Jahren 1411 und 1412 heute im Landesarchiv Nordrhein-Westfalen, Abteilung Rheinland zu suchen sind, befand sich der älteste erhaltene Behandigungsbrief von 1435 zusammen mit fünf weiteren Behandigungsbriefen aus den Jahren 1507, 1560, 1576, 1603 und 1629 bis zur Übergabe an das Haus der Essener Geschichte/Stadtarchiv in Privatbesitz.

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