Rat und Hilfe der Verbraucherzentrale im Corona-Jahr stark gefragt

Verbraucherzentrale Essen stellt Jahresbericht 2020 vor und blickt auf aktuelle Themenschwerpunkte

02.07.2021

Gutscheine statt Geld für ausgefallene Veranstaltungen und Reisen. Vermeintliche schufafreie Sofortkredite, die sich als kostenpflichtige Prepaid-Karten erweisen. Online-Bestellungen, die wochenlang unterwegs sind oder gar nicht eintreffen. Und nicht zuletzt einschüchternd auftretende Inkassobüros, die Verbraucher*innen unter Druck setzen. Bei rund 9.100 Anliegen war die Verbraucherzentrale in Essen im vergangenen Jahr verlässliche Ansprechpartnerin, um Verbraucherrechte durchzusetzen oder unberechtigten Forderungen einen Riegel vorzuschieben.

"Auch wenn wir wegen der Pandemie einige Wochen lang keine persönliche Beratung anbieten konnten, waren und sind wir per Telefon und E-Mail stets mit Ratsuchenden in Kontakt", sagte Manuela Duda, Leiterin der Beratungsstelle Essen, bei der Vorstellung des Jahresberichts 2020. Vor allem Auskünfte rund um Verbraucherrechte im Lockdown sowie angesichts von Öffnungen unter Auflagen waren im vergangenen Jahr stark gefragt. "Corona hat den Verbraucheralltag erheblich verändert. Der Onlinehandel hatte Hochkonjunktur und rief auch unseriöse Anbieter auf den Plan. Service und rasche Unterstützung für verunsicherte und übervorteilte Menschen standen deshalb für uns im Vordergrund."

Von laufend aktualisierten Informationen rund um Verbraucherthemen mit Corona-Bezug auf der Internetseite der Verbraucherzentrale NRW sowie einer zentralen Hotline profitierten auch die Essener*innen. "Für Menschen mit Sprachbarrieren und digital weniger affine Personen bleibt ein persönlicher Austausch aber unverzichtbar. Das gilt auch bei komplexen Rechtsproblemen oder sensiblen Finanzfragen", erklärt Duda.

"Unsere Verbraucherzentrale ist für die Essenerinnen und Essener da", so Oberbürgermeister Thomas Kufen während der Übergabe des Jahresberichts heute (02.07.). "Auf den Rat in schwierigen Situationen oder Lebenslagen können sich die Verbraucherinnen und Verbraucher verlassen. Der Bedarf an Rat und Beistand war auch im vergangenen Jahr wieder hoch. Von falsch abgebuchten Beträgen auf dem Konto, über Rückforderungen bei coronabedingt ausgefallenen Reisen oder Veranstaltungen – die Fragestellungen rund um den Schutz der Verbraucherinnen und Verbraucher lassen nicht nach. Deshalb sage ich im Namen der Essenerinnen und Essener herzlichen Dank für das Geleistete im vergangenen Jahr."

Erfolgreich für Ansprüche von Verbraucher*innen eingesetzt

Bei rund 3.900 Rechtsberatungen und -vertretungen haben sich die Ver-braucherschützer*innen 2020 zumeist erfolgreich für die berechtigten Ansprüche von Ratsuchenden eingesetzt.

Über diesen Weg konnte die Verbraucherzentrale in Essen einen Betrag in Höhe von 110.000 Euro an ungerechtfertigten Kosten für die Essener*innen einsparen. 26 Prozent der rechtlichen Hilfestellungen erfolgte aufgrund von niedrigen Einkommen entgeltfrei (Sozialklausel).

"Dank Ihrer Beratung weiß ich endlich, wie ich die Rechtslage einzuschätzen habe. Wir haben uns sehr gut aufgehoben gefühlt. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter strahlen Kompetenz und Freundlichkeit aus. Schön, dass es Sie gibt."

Viele Anfragen rund ums Reisen

Angesichts von Reisewarnungen, Quarantäne- und Testpflichten, Absagen und Umbuchungen rangierten Anfragen rund ums Thema Reisen in der Statistik der Beratungsstelle ganz oben. Oft beklagten Betroffene schleppende oder verweigerte Rückzahlungen von Veranstaltern bei Stornierungen sowie das Vertrösten mit Gutscheinen. "Besonders verärgerte die Menschen, wenn Anbieter auf ihre Anfragen gar nicht oder erst nach Wochen reagierten", berichtete die Beratungsstellenleiterin.

Fallstricke im Online-Handel und Schutz vor Internet-Kriminalität

Ob gefälschte Internetseiten, Fakeshops, Pishing-Mails oder irreführende Werbung zu Sofortkrediten: "Immer wieder suchten Verbraucher*innen unseren Rat, die auf unseriöse Angebote oder gezielte Betrugsmaschen im Internet hereingefallen waren und dann mit untergeschobenen Verträgen oder mangelhaften Warenlieferungen zu kämpfen hatten", erläuterte Beratungsstellenleiterin Duda. Dass auf ihre Kosten eingekauft oder auf ihre Namen Verträge abgeschlossen worden waren, erfuhren die Betroffenen oftmals erst, wenn sie Rechnungen erhielten, unbekannte Abbuchungen feststellten oder sogar ruppige Inkassoschreiben im Briefkasten landeten.

"Mach Dein Passwort stark!" lautete denn auch die Botschaft einer vom Landeskriminalamt NRW initiierten Kampagne gegen Cyberkriminalität. Gemeinsam mit dem Kommissariat Kriminalprävention/Opferschutz informierte das Team der Beratungsstelle über sichere Passwörter als Schlüssel gegen Datenklau und -missbrauch.

Ärger um verspätete Lieferungen

Aufgrund von Beschwerden besonders in den Blick genommen hat die Verbraucherzentrale aktuell verspätete Lieferungen im Online-Handel. "Was viele nicht wissen: Online-Shops müssen eine konkrete Lieferfrist an-geben und diese auch einhalten. Nachträgliche Veränderungen der Lieferfrist aufgrund von Produktions- oder Lieferschwierigkeiten des Händlers müssen Kundinnen und Kunden nicht akzeptieren", erklärt Manuela Duda.

Hilfe bei drückenden Schulden

Kurzarbeit, Arbeitsplatzverlust, weggefallene Minijobs – Corona hat viele Verbraucher*innen in finanzielle Bedrängnis gebracht. In der Schuldner- und Insolvenzberatung fanden Ratsuchende trotz aller Kontaktbeschränkungen zeitnah und wirkungsvoll Hilfe – am Telefon, per E-Mail oder, unter Einhaltung von Hygiene- und Abstandsvorgaben, auch in der persönlichen Beratung.

Die spezialisierten Beratungskräfte sorgten für Zugang zu einem Basiskonto, prüften Gläubigerforderungen und Stundungsmöglichkeiten, veranlassten Schutz vor Kontopfändungen und halfen dabei, Energiesperren abzuwenden. Insbesondere Familien haben wir durch schnelle und unbürokratische Bescheinigungen höhere Freibeträge auf deren Pfändungsschutzkonto und damit existenziell notwendige Beträge gesichert.

Klimafreundlich heizen und Strom erzeugen

Mit hohen Zuschüssen unterstützte der Staat 2020 Hausbesitzer*innen, die ihre alte Ölheizung durch eine klimafreundliche Anlage ersetzten. Ob eine Wärmepumpe, ein Holzpelletkessel oder eine moderne Gasheizung mit ergänzender Solarwärme die richtige Wahl für die eigene Immobilie ist und welche langfristigen Kosten entstehen, erläuterte Energieberater Rainer Bank. Wie auch Mieter*innen durch Photovoltaik Stromkosten sparen können, vermittelte die Aktion "Steck die Sonne ein!". Dabei wurden technische und rechtliche Fragen rund um Stecker- oder Balkonsolargeräte geklärt.

Verbraucherzentrale für Ratsuchende da

Für Ratsuchende ist die Verbraucherzentrale Essen nach Terminvereinbarung zu den Öffnungszeiten persönlich erreichbar. Infos hierzu unter www.verbraucherzentrale.nrw/essen oder telefonisch unter 0201-64 95 74 01.

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Die Verbraucherzentrale übergibt den Jahresbericht 2020 Oberbürgermeister Thomas Kufen. Von links: Ingo Döring, Berater Verbraucherzentrale Essen, Oberbürgermeister Thomas Kufen und Manuela Duda, Leiterin der Verbraucherzentrale Essen
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