Gesundheitsstandort Essener Norden: Zwischenbericht

19.07.2021

Ende 2020 wurden sowohl das Marienhospital in Altenessen als auch das St. Vincenz Krankenhaus in Stoppenberg geschlossen. Parallel soll das Philippusstift in Essen Borbeck innerhalb der nächsten Jahre ausgebaut werden und einige der medizinischen Fachabteilungen der beiden Krankenhäuser aufnehmen.

Die Gesundheitsversorgung im Essener Norden soll trotz Schließung der beiden Krankenhäuser weiterhin sichergestellt bleiben und zukunftsorientiert weiterentwickelt werden. Dafür geht die Stadt Essen nach einem "Sieben-Punkte-Plan" vor:

1. Erstellung eines Fachplans Gesundheit mit Schwerpunkt auf den Bezirken V und VI, der zukünftig dabei helfen soll, alle gesundheitsbezogenen Bedarfe in den Stadtteilen darzustellen und daraus Maßnahmen abzuleiten,

2. Entwicklung und Umsetzung eines integrierten und sektorenübergreifenden Gesundheitszentrums,

3. Aufbau von zwei Gesundheitskiosken mit Gesundheitslotsen für medizinische wohnortnahe Dienstleistungen,

4. Entwicklung von Angeboten für Kinder, Jugendliche und Familien für die Zeit nach der Corona-Pandemie,

5. Entwicklung eines virtuellen „Kindergesundheitszentrums“ - digitale Vernetzung aller relevanten Anbieter zur Verbesserung der Kinder- und Jugendgesundheit,

6. Auswertung der ambulanten Notfallversorgung für die Stadtteile der Bezirke V und VI,

7. Entwicklung von Informationsmaterialien (Flyer, Plakate und Website) für Bürger*innen.

Damit geplante Maßnahmen auch den Anforderungen, Problemen und Bedarfen der Bevölkerung im Essener Norden entsprechen, hat die Verwaltung die Gesundheitsexpert*innen des institute for health care business (hcb) in Essen beauftragt, den Prozess mit umfangreichen Analysen und Handlungsempfehlungen zu begleiten.

Oberbürgermeister Thomas Kufen: "Wir alle haben ein Interesse daran, dass die Gesundheitsversorgung im Essener Norden nicht nur sichergestellt bleibt, sondern auch daran, diese weiterzuentwickeln. In den vergangenen zwölf Monaten habe ich wöchentlich Gespräche mit möglichen Partnern aus der Medizin und mit unterschiedlichen Kostenträgern geführt. Wir konnten entscheidende Schritte für die Umsetzung der Gesundheitskioske machen und kommen auch in der Konzeptentwicklung für das Gesundheitszentrum in Stoppenberg gut voran."

Integriertes und sektorenübergreifendes Gesundheitszentrum

Ein entscheidender Baustein für die wohnortnahe und innovative Gesundheitsversorgung in den Stadtteilen ist die Planung für ein integriertes, sektorenübergreifendes Gesundheitszentrum. Das Gesundheitszentrum beinhaltet sowohl die ambulante und stationäre Versorgung als auch die Gesundheitsförderung und Prävention, Rehabilitation und Pflege. Die Planungen sollen zudem mit dem Zukunftsthema "Smart Hospital" verknüpft werden. Ziele des "Smart Hospital" sind zum Beispiel medizinische Informationen auf digitalem Weg schneller und einfacher auszutauschen, eine elektronische Patientenakte aufzubauen und die Kommunikation zwischen Patient*innen und Ärzt*innen digital zu vereinfachen Das neu entstehende Gesundheitszentrum soll Teil dieser Entwicklung sein.

Die KVNO, die AOK Rheinland/Hamburg und weitere Partner der Gesetzlichen Krankenversicherungen konnten bereits als Konsortialpartner für das Projekt gewonnen werden. In den kommenden Wochen stehen außerdem Gespräche mit dem Universitätsklinikum an, um die Planungen für das Gesundheitszentrum mit dem Zukunftsthema "Smart Hospital" zu verknüpfen.

Mit der Entwicklung des Gesamtkonzeptes, mit dem eine Bewerbung um Mittel des Innovationsfonds des Bundes initiiert werden soll, sind die Gesundheitsexpert*innen hcb beauftragt. Das Konzept soll im Herbst 2021 vorliegen. Dabei wird mit der Kassenärztlichen Vereinigung auch geprüft, ob am Standort ein Angebot für die ambulante Notfallversorgung angesiedelt werden kann.

Grundlage für die Konzeptionierung des Gesundheitszentrums werden Analysen der aktuellen Gesundheitsversorgung der Stadtbezirke V und VI, sowie zukünftige Bedarfsprognosen sein. Die Analyse der aktuellen Gesundheitsversorgung der Stadtbezirke V und VI, die sich auf Befragungen in den Stadtteilen und Krankenkassendaten stützt, zeigt folgende Bedarfe:

  • Die hausärztliche Versorgung in den Bezirken ist gut aufgestellt ist, es besteht allerdings Bedarf an Fachärzten. In den Stadtbezirken V und VI gibt es deutlich mehr ambulante und stationäre Notfälle als im Essener Durchschnitt. Der Rettungsdienst für die Stadtteile funktioniert unverändert gut. Die Anzahl der verfügbaren Rettungswagen und Notfalleinsatzfahrzeuge für den Essener Norden am Standort St. Vincenz Krankenhaus und am Philippusstift Borbeck ist auch nach den Krankenhausschließungen unverändert. Die vorgeschriebenen Einsatzzeiten, und damit der Zeitraum zwischen Notrufbeginn und dem Eintreffen der Rettungskräfte, haben sich nicht verändert. In der Regel sind die Einsatzkräfte in acht Minuten am Ziel. Die NRW-weit vorgeschriebene Hilfsfrist liegt bei 12 Minuten. Die Einsatzzeiten werden ständig durch die Feuerwehr kontrolliert. Durch den Wegfall der Notfallambulanz am St. Vincenz Krankenhaus besteht allerdings nur noch eine Notfallambulanz im Essener Norden, deren Kapazitäten nicht ausreicht.
  • Trotz Krankenhausschließungen hat Essen im NRW-Vergleich weiterhin eine mittlere bis hohe Bettendichte. Es sind also ausreichend stationäre Bettenkapazitäten vorhanden.
  • Die Bevölkerung in den Stadtbezirken V und VI ist etwas jünger als der Essener Durchschnitt. Bezogen auf 1.000 Einwohner liegt die Zahl stationärer Pflegeplätze in den Stadtbezirken V und VI unterhalb von Essen. In der Tagespflege liegt Stadtbezirk VI deutlich über dem Durchschnitt. Die Auswertung zeigt, dass weitere geriatrische und teilstationäre Angebote benötigt werden. Es besteht Potenzial für präventive Ansätze, um den Eintritt in die Pflegebedürftigkeit so weit wie möglich zeitlich hinausschieben.
  • Komplementäre Angebote sind in den Stadtbezirken zwar vorhanden, decken aber teilweise nicht den Bedarf. Physio- und Ergotherapie zum Beispiel sind ausreichend und in guter Qualität vorhanden, Angebote für Geburtsvorbereitung und -nachsorge oder auch niederschwellige Sportangebote fehlen hingegen.

Gesundheitskioske mit Gesundheitslotsen

Zusätzlich zum Gesundheitszentrum sollen zwei Gesundheitskioske in der "Alten Badeanstalt" in Altenessen und an einem Standort in Stoppenberg entstehen.

Diese sollen von medizinisch ausgebildetem Fachpersonal geführt werden und Patient*innen in allen Fragen zur Gesundheitsförderung und Prävention beraten und unterstützen. Sie sollen zum Beispiel Diabetes-Patient*innen bei der Ernährung beraten oder Eltern zur Vorsorge über Kindergesundheit informieren. Die Mitarbeiter*innen sind dabei Gesundheitslotsen, die die Menschen auf ihrem Weg zu einer geeigneten Behandlung begleiten. Finanziell getragen werden sollen die Kioske sowohl von der Stadt Essen als auch von externen Kostenträgern wie der AOK. Für die ersten drei Jahre will die Stadt rund 500.000 Euro pro Jahr zur Verfügung stellen. Gespräche über eine konkrete Umsetzung in Form einer Managementgesellschaft werden bereits geführt. Die Eröffnung der Gesundheitskioske ist möglichst noch in diesem Jahr geplant. Sie könnten Modellcharakter für ganz Essen bekommen und bei Erfolg auch in anderen Stadtteilen etabliert werden.

Vorbild für die geplanten Essener Gesundheitskioske ist das erfolgreiche Modellprojekt in Hamburg. Hier werden bereits seit 2017 Gesundheitskioske betrieben. Die Mitarbeiter*innen beraten zum Beispiel chronisch kranke Patient*innen und kümmern sich u.a. um die Vor- sowie Nachbereitung von Arztbesuchen oder geben Tipps zur Ernährung. Gesundheitskiosken sollen vor allem Herausforderungen wie dem demografischen Wandel, dem Anstieg chronischer Erkrankungen und dem Mangel an Ärzten und Pflegepersonal in sozial benachteiligten Regionen begegnen.

Kommunikation in die Stadtteile

Zu den aktuellen Entwicklungen steht die Stadt über Runde Tische in den Stadtteilen in engem Austausch mit Politik, Interessensvertreter*innen sowie Akteuren der Gesundheitsversorgung und Medizin. Über den Sommer werden Flyer und Plakate zum Thema in unterschiedlichen Sprachen in die Stadtteile verteilt.

Informationen zu den aktuellen Entwicklungen und wichtigsten Fragestellungen finden interessierte Bürger*innen ab sofort auf der Website www.essen.de/gesundheitswegweiser.

Herausgeber:

Stadt Essen
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Stadtdirektor Peter Renzel und Oberbürgermeister Thomas Kufen beim Pressegespräch zum Zwischenbericht Gesundheitswegweiser Essener Norden.
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