Im Jugendhilfeausschuss wurde am heutigen Dienstag (09.06.) der Bericht zur "Frühkindliche Armutsprävention in Essener Kindertageseinrichtungen – Projekt ZUSi – Zukunft früh sichern 2.0" vorgestellt.
Was will die Stadt Essen mit dem Projekt "ZUSi 2.0" erreichen?
Die Stadt Essen möchte Kinder aus armutsbetroffenen Familien besser unterstützen und ihnen faire Startchancen ermöglichen. Ziel ist, Armutsfolgen frühzeitig zu lindern und gesellschaftliche Teilhabe zu stärken. Im Kontext der städtischen Präventionsstrategie setzt die Stadt auf armutssensible Praxis in Kindertageseinrichtungen (Kitas) und darüber hinaus.
Ende 2024 waren rund 29,6 Prozent aller Kinder unter sieben Jahren in Essen auf existenzsichernde Leistungen angewiesen. In einigen Stadtteilen lagen die Quoten deutlich höher.
Im Rahmen des Projekts "ZUSi 2.0" wurden in 14 ausgewählten plusKITAs in Essen armutssensible Ansätze eingeführt. Die Koordinierung erfolgte durch die Regiestelle "kinderstark" im Jugendamt, unterstützt von Stiftung Sozialpädagogisches Institut Berlin "Walter May" (SPI) als Regiestelle und in wissenschaftlicher Begleitung durch die Westfälische Hochschule. Die teilnehmenden Kitas wurden durch eine halbe Koordinationsstelle pro Einrichtung unterstützt. Finanziert wurde das Projekt von der RAG-Stiftung.
Was ist armutssensibles Handeln?
Armutssensibles Handeln bedeutet, die Lebenslagen von Kindern und Familien ganzheitlich in den Blick zu nehmen und Benachteiligungen früh zu erkennen und abzubauen. Es umfasst sowohl eine pädagogische Haltung als auch strukturelle und organisatorische Rahmenbedingungen in Einrichtungen.
In den Projektergebnissen heißt es: "Kindertageseinrichtungen sollen allen Kindern faire Startchancen ermöglichen. Doch viele Kinder aus armutsbetroffenen Familien profitieren bislang deutlich weniger von frühkindlicher Bildung. Ihre Möglichkeiten zur Teilhabe, zum Mitgestalten und zum Ausprobieren sind häufig eingeschränkt, alltägliche Situationen wie Mahlzeiten, Ankleidesituationen oder Freizeitgestaltung können belastend sein. Damit ist Armut ein wesentlicher Grund für Bildungsungleichheit in Deutschland. Denn auch wenn von Armut betroffene Kinder im System der Kindertagesbetreuung einen Platz finden, trägt das System momentan nicht dazu bei, die Ungleichheiten nachhaltig zu verringern und die Auswirkungen von Armut abzugleichen."
Welche zentralen Erkenntnisse zieht die Stadt Essen aus "ZUSi 2.0"?
Das Projekt zeigt vielfältige Ansätze, armutssensible Praxis in Kitas zu verankern:
Was bedeutet das für die Zukunft?
Die Stadt Essen plant, die Ergebnisse des Projekts "ZUSi 2.0" auf alle rund 132 plusKITAs zu übertragen und perspektivisch gemeinsame Standards für armutssensibles Handeln zu entwickeln. Erste Veranstaltungen haben bereits stattgefunden. Die weitere Umsetzung erfolgt in enger Abstimmung zwischen der Regiestelle "kinderstark", der Jugendhilfeplanung sowie den Facharbeitskreisen und Trägerstrukturen.
Auch das Modellvorhaben Präventionskette 0–6 in Bergeborbeck und Bochold profitiert von den Projekterfahrungen. Dort werden Fachkräfte gezielt zum Thema Armutssensibilität geschult und entsprechende Ansätze weiterentwickelt.
Zur Unterstützung der Praxis steht eine Praxishandreichung mit Checklisten und Handlungsempfehlungen zur Verfügung. Zusätzlich können plusKITAs im Rahmen der Landesförderung "kinderstark – NRW schafft Chancen" für 2026 Fördermittel für armutssensible Projekte beantragen.
Die Erfahrungen aus "ZUSi 2.0" sollen darüber hinaus auch auf andere Bildungsbereiche übertragen werden. Das Projekt zeigt, dass bereits kleine, alltagsnahe Veränderungen in Einrichtungen dazu beitragen können, Teilhabechancen zu verbessern und soziale Ausgrenzung zu vermeiden.
Interessierte finden den gesamten Projektbericht unter www.essen.de/kinderstark.
Finanzelle Förderung durch Land NRW
Das Programm "kinderstark – NRW schafft Chancen" unterstützt Kommunen dabei, allen Kindern und Jugendlichen gleiche Chancen auf ein gesundes Aufwachsen, auf Bildung und auf gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. Mit Kommunalen Präventionsketten entstehen lokale Netzwerke und Angebote, die passgenaue Unterstützung anbieten und die negativen Folgen des Aufwachsens in Armut abmildern. Die Landesregierung des Landes Nordrhein-Westfalen unterstützt die Kommunen dabei auch 2026 mit rund 14,3 Millionen Euro.
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