Kinderschutz in Essen: Mehr Hinweise, mehr Unterstützung, starkes Netzwerk
Kenntnisnahme im Jugendhilfeausschuss
08.09.2026
Das Wichtigste auf einen Blick:
- 3.378 Hinweise auf mögliche Kindeswohlgefährdungen wurden 2025 geprüft – ein neuer Höchststand.
- Schulen, Kitas und das soziale Umfeld spielen eine wichtige Rolle im Kinderschutz.
- Beratung und Unterstützung für Kinder, Jugendliche und Familien werden zunehmend genutzt.
Im Jugendhilfeausschuss wurde am heutigen Dienstag (08.09.) der Bericht zum Kinderschutz in Essen vorgestellt. Insgesamt 3.378 Hinweise auf mögliche Kindeswohlgefährdungen hat das Jugendamt Essen im vergangenen Jahr geprüft – so viele wie noch nie im betrachteten Fünfjahreszeitraum. Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach Beratung und Unterstützung. Die aktuellen Zahlen zeigen: Kinderschutz wird in Essen aufmerksam wahrgenommen und gemeinsam getragen.
Wenn es um den Schutz von Kindern und Jugendlichen geht, zählt jeder Hinweis. Im Jahr 2025 sind beim Jugendamt Essen insgesamt 3.378 Meldungen zu möglichen Kindeswohlgefährdungen eingegangen. Das sind 581 Meldungen mehr als im Vorjahr und ein Anstieg von knapp 21 Prozent. In 1.698 Fällen wurde eine Kindeswohlgefährdung festgestellt. Damit erreichen sowohl die Zahl der Meldungen als auch die Zahl der festgestellten Gefährdungen im betrachteten Fünfjahreszeitraum einen neuen Höchststand.
"Kinderschutz ist eine gemeinsame Verantwortung. Dass immer mehr Menschen hinschauen, Sorgen ansprechen und sich Unterstützung holen, ist ein wichtiges Signal. Denn hinter jeder Meldung steht ein Kind, dessen Situation ernst genommen werden muss", betont Carsten Bluhm, Leiter des Jugendamtes.
Schulen und Kitas spielen zentrale Rolle
Besonders häufig kommen Hinweise aus dem Bildungs- und Betreuungsbereich. Schulen haben 2025 insgesamt 598 Meldungen abgegeben, aus Kindertageseinrichtungen und von Kindertagespflegepersonen gingen weitere 115 Meldungen ein. Auch Polizei, Gerichte und Staatsanwaltschaften bleiben mit 739 Meldungen wichtige Kooperationspartner*innen im Kinderschutz. Aber auch das persönliche Umfeld der Kinder und Jugendlichen ist aufmerksam: 422 Meldungen kamen von Bekannten und Nachbarinnen*Nachbarn, 163 von Verwandten. Besonders bemerkenswert ist die Zahl der Meldungen, die von Kindern und Jugendlichen selbst ausgehen: 83 junge Menschen haben sich 2025 selbst an das Jugendamt gewandt – doppelt so viele wie im Vorjahr.
Nicht jede Meldung bedeutet eine Kindeswohlgefährdung
Die Zahlen zeigen zugleich, wie differenziert das Jugendamt die eingehenden Hinweise prüft. In 653 Fällen bestätigte sich zwar keine Kindeswohlgefährdung, gleichzeitig wurde aber ein Unterstützungsbedarf der Familie deutlich. In weiteren 1.027 Fällen bestätigten sich weder Gefährdungshinweise noch ein Hilfebedarf. Insgesamt machen diese Fälle knapp 70 Prozent der Meldungen aus. Das macht deutlich: Kinderschutz bedeutet nicht nur, in akuten Krisen einzugreifen. Ebenso wichtig ist es, Belastungen frühzeitig zu erkennen und Familien passende Unterstützung anzubieten. Psychosoziale Belastungen, wirtschaftliche Unsicherheiten, innerfamiliäre Konflikte, psychische Belastungen oder Überforderung können dabei eine wichtige Rolle spielen.
Wenn Schutz sofort notwendig ist - Inobhutnahmen
Im Jahr 2025 wurden in Essen 419 Kinder und Jugendliche nach § 42 SGB VIII in Obhut genommen. Hinzu kamen 69 vorläufige Inobhutnahmen nach § 42a SGB VIII. Die Zahl der Inobhutnahmen ist damit gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Der Rückgang bedeutet jedoch nicht, dass der Schutzbedarf gesunken ist. Frühzeitige Hilfen, präventive Angebote und eine engere Zusammenarbeit mit Schulen, Kitas, Beratungsstellen und weiteren Netzwerkpartnerinnen*Netzwerkpartnern können dazu beitragen, Familien bereits in Krisensituationen zu stabilisieren und dadurch in einzelnen Fällen eine Inobhutnahme zu vermeiden. Bei einer akuten Kindeswohlgefährdung wird eine notwendige Inobhutnahme selbstverständlich durchgeführt.
Kinder- und Jugendnotruf: Hilfe rund um die Uhr
Eine wichtige Säule des Essener Kinderschutzes ist der Kinder- und Jugendnotruf. Für Kinder und Jugendliche, die in Essen in Not geraten, gibt es eine Telefonnummer, unter der sie rund um die Uhr Rat, Hilfe und Schutz bekommen können: 0201 265050. Auch Eltern und Angehörige, die unmittelbar Rat und Hilfe benötigen, können dort jederzeit anrufen. Das Jugendamt und Diakoniewerk Essen teilen sich den Dienst am Telefon. Während der Notruf tagsüber vom Jugendamt entgegengenommen wird, erreichen Anrufer*innen außerhalb der Bürozeiten das Diakoniewerk Essen. 2025 gingen dort rund 2.225 Anrufe ein – der höchste Wert des betrachteten Zeitraums. Das Team führte außerdem 492 Außeneinsätze und 313 Clearingverfahren durch. In 179 Fällen kam es zu einer Inobhutnahme durch den Kinder- und Jugendnotruf. Die Zahlen zeigen, wie wichtig eine niedrigschwellige und jederzeit erreichbare Anlaufstelle für Kinder, Jugendliche, Familien und Fachkräfte ist.
Anonyme Fallberatung durch insoweit erfahrene Fachkräfte ("InsoFa-Beratung") stärkt Fachkräfte
Auch die anonyme Fallberatung insoweit erfahrene Fachkräfte (InsoFa) des Jugendamtes wird zunehmend genutzt. 2025 wurden 478 Fälle beraten – ebenfalls ein Höchststand im betrachteten Zeitraum. Seit November 2025 wurde das Angebot personell verstärkt. Dadurch können die Fachkräfte nicht nur mehr Beratungsanfragen bearbeiten, sondern auch verstärkt Schulen, Kitas und Träger der freien Jugendhilfe über die Möglichkeiten der anonymen Fallberatung informieren. Im Falle von Hinweisen auf eine mögliche Kindeswohlgefährdung, wird die Meldung an den Allgemeinen Sozialen Dienst des Jugendamtes gemeinsam qualifiziert und vorbereitet. Die Nutzung des Webformulars unter www.essen.de/fachinfo-sozialedienste für Beratungsanfragen hat sich etabliert und ermöglicht eine zeitnahe Kontaktaufnahme durch die Fachkräfte der anonymen Fallberatung.
"Guter Kinderschutz funktioniert nicht allein. Er lebt vom Zusammenspiel vieler Menschen und Institutionen – von Schulen und Kitas über das Gesundheitswesen und die Polizei bis hin zu Beratungsstellen, freien Trägern und dem sozialen Umfeld der Kinder", so Carsten Bluhm, Leiter des Jugendamtes.
Gemeinsam hinschauen und handeln
Die aktuellen Entwicklungen machen deutlich: Die Anforderungen an einen wirksamen Kinderschutz steigen. Gleichzeitig wächst das Netzwerk aus Fachkräften, Institutionen und engagierten Menschen, die Verantwortung übernehmen und hinschauen. Das Jugendamt Essen will deshalb die bestehenden Strukturen weiter stärken. Im Fokus stehen unter anderem die Qualitätsentwicklung, Schutzkonzepte, inklusiver Kinderschutz, der Schutz vor sexualisierter Gewalt, die anonyme Fallberatung und die Weiterentwicklung des Netzwerks Kinderschutz.
Weitere Informationen finden Interessierte in der Vorlage 1118/2026/4 .
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